Die Denkmal-Kommission in Weißwasser hat schon viele Rundgänge durch die Stadt Weißwasser angeboten. Mal ging es dabei um "unbequeme" Denkmäler, mal um das Thema Holz, mal um "Romantik, Realismus, Revolution". Noch nie aber, so Anne Petrick von der Denkmal-Kommission, mussten die Teilnehmer dabei so genau hinschauen wie sie es kommenden Sonntag tun müssen, wenn die Farbe im Fokus steht. Nuancen und feinste Farbunterschiede, die nur bei näherem Hinsehen erkennbar sind, werden eine Rolle spielen. Der Rundgang werde so auch zur "Schulung für die Augen".

Um zu verdeutlichen, was gemeint ist, nennt die Diplom-Ingenieurin Beispiele. So beginne die Tour am Sonntag um 10 Uhr an der evangelischen Kirche in Weißwasser. Bei der Hüllensanierung des Gebäude-Denkmals seien 500 Ziegel ausgetauscht worden. Sie würden natürlich ganz anders aussehen als die in vielen Jahren gealterten Original-Ziegel. Was das in der Außenwirkung des Gebäudes ausmacht, möchte Anne Petrick gern erläutern.

Auch der Neufertbau, der ebenfalls besucht wird und in dessen Fassade ganze Ziegelfelder ersetzt worden sind, sei ein gutes Anschauungsobjekt für diesen Alt-Neu-Kontrast.

Um Kontraste gehe es dann auch in der Muskauer Straße. Verursacht werden sie durch die Vor- und Rücksprünge in den Gebäude-Fassaden, die Schattenbereiche entstehen lassen. Das Kinogebäude, der Gloria-Palast, sei ein schönes Beispiel dafür.

In der Karl-Marx-Straße wiederum sorgen vor allem die verwendeten Holzelemente für farbliche Effekte. Vielfach seien dort Balkone, Giebel, Gauben und Bohlenbögen aus Holz gefertigt.

Neben den Hinweisen auf die farblichen Erscheinungen der verschiedenen Baumaterialien werden am Sonntag aber auch historische Hintergründe zur Stadtgeschichte geliefert und das Wirken der Architekten beleuchtet, kündigt die Fachfrau an. Dabei werde nicht nur sie sprechen. Den Part, etwas über das Zweikaiser-Denkmal am Rathaus vorzutragen, übernehme der neue Leiter der Denkmal-Kommission, Karl-Heinz Melcher.

Außerdem können am Sonntag von 11 bis 16 Uhr die evangelische und die katholische Kirche besichtigt werden, weiterhin von 14 bis 17 Uhr das Glasmuseum.

Zum Tag des offenen Denkmals ruft alljährlich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auf. Jedes Jahr wird ein anderes Motto gesetzt. 2014 lautet es "Farbe". Die Wahrnehmung der Umwelt prägten neben der formalen Gestalt eines Objekts ganz wesentlich seine farbliche Erscheinung und die herrschenden Lichtverhältnisse, erklärt die Stiftung dazu auf ihrer Internet-Seite. Die farbliche Gestaltung von Bau-, Kunst- und Bodendenkmalen sowie Gärten und Parks sei stets ein wesentlicher Aspekt für ihre Erbauer gewesen.

http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/