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| 18:36 Uhr

Umweltbildung
Eine Ritterburg aus Müll

Stolz präsentieren die Zwergenland-Kinder ihre aus Abfällen gebauten Kunstwerke.
Stolz präsentieren die Zwergenland-Kinder ihre aus Abfällen gebauten Kunstwerke. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Weißwasser. Aus Unrat basteln die Weißwasseraner Zwergenland-Kinder die tollsten Sachen.

Es ist schon erstaunlich, was sich im Käseteich hinter der Weißwasseraner Kindertagesstätte Zwergenland so alles findet. Fische und Enten sind es jedenfalls nicht, dafür aber leere Dosen, Plastebecher, und selbst eine Gartenbank fehlt nicht. Jetzt haben sich die Zwergenland-Kinder an den Teich heran gewagt, um die illegale Mülldeponie in eine kleine Oase zu verwandeln. Nach Angaben von Kita-Leiterin Kathrin Thöns wurden innerhalb von anderthalb Stunden rund 13 Kilogramm Unrat aufgesammelt. „Ich habe im Wasser einen Stuhl gesehen“, erzählt der vierjährige Lennard. Und die gleichaltrige Helene ergänzt: „Leere Flaschen, Bierdeckel und Bonbonpapier“. Besonders aufgestoßen sei den Kindern der reichlich zu findende Hundekot. Den hätten sie, obwohl durch Handschuhe geschützt, aus hygienischen Gründen lieber liegen gelassen. Der vierjährige Emil, der selbst einen Hund besitzt, erklärt, wie es richtig gemacht wird: „Die Hundekacke nehmen wir in einem Plastesack mit und werfen sie zu Hause in die Mülltonne.“

Dass Müll nicht gleich Müll ist, beweisen die Zwergenkinder in diesen Tagen. Denn mancher Unrat könne durchaus eine sinnvolle Nachnutzung erfahren. Beispielsweise die alten Pappkartons, die eine Mutti zur Verfügung gestellt hat, wie Kathrin Thöns erzählt: „Daraus basteln die Kinder Ritterburgen, einen Kriechtunnel, Raumschiffe und selbst ein Panzer fehlt nicht.“ Darüber hinaus zaubern die Kinder aus leeren Joghurtbechern Telefone, Milchverpackungen verwandeln sich zu Portmonees, und aus leeren Büchsen werden Musikrasseln. Die ganze Aktion ist Teil des Umweltbildungsprojektes „Schöner Kindergarten 2018“, an dem Kitas des Landkreises Görlitz teilnehmen können. Ziel ist es, so informiert das Kreishaus, sowohl im Landkreis als auch im Bezirk Liberec Abfall zu vermeiden. Projektpartner sind neben dem Regiebetrieb Abfallwirtschaft des Landkreises das Naturschutzzentrum Zittauer Gebirge sowie das Zentrum für Umweltbildung der Region Liberec.

Im Zuge eines ähnliches Vorhabens, das in der Kita Zwergenland bereits im Jahr 2010 lief, hatte sich die Einrichtung an der Weißwasseraner Brunnenstraße mehrere Mini-Mülltonnen besorgt. „Diese fassen etwa zehn bis 15 Liter Abfall“, erzählt Kathrin Thöns. Zum Vergleich: Die normalen Abfallbehälter können rund 240 Liter Müll aufnehmen. „Unser Auftrag ist es, die Kinder im Sinne des Umweltschutzes zu erziehen“, kommentiert Thöns. So solle der Nachwuchs von klein auf lernen, dass Abfälle getrennt gehören. Papier komme in die blauen Tonnen, Verpackungen in die gelben, Restmüll in die schwarzen und Biomüll in die braunen.

Übrigens: Die durch Kinderhände entstandenen Müll-Kunstwerke werden in keiner der vier Tonnen entsorgt. Vielmehr sollen sie im Herbst im Nieskyer Bürgerhaus öffentlich präsentiert werden. Dort befinde sich die erste Station der geplanten Wanderausstellung, sagt Kathrin Thöns. Nicht zuletzt sei im Zuge des Anti-Abfall-Projektes sogar ein eigenes Liedchen entstanden. „Wir treffen uns im Sportraum mit Müllsack“, heißt es in der ersten Zeile. Die Melodie hätten die Erzieherinnen dem Gassenhauer „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ entnommen.

Ein weiterer Höhepunkt wartet Ende Mai. Beim Sommerfest soll es eine Müllmodenschau geben, kündigt Thöns an. Die Eltern der Zwergenkinder wollen ihren Söhnen und Töchtern originelle Kostüme aus Müll basteln.

Bei den Kindern ist die ganze Aktion jedenfalls auf größtes Interesse gestoßen. Oder wie es die vierjährige Helene aus Krauschwitz formuliert: „Die Leute sollen ihre Abfälle in die Mülltonnen werfen. Und wenn keine da sind, den Müll wieder mit nach Hause nehmen.“ Die Botschaft scheint zumindest bei manchen Weißwasseranern noch nicht angekommen zu sein. Denn im Gegensatz zum Müllprojekt anno 2010 habe sich der vom Nachwuchs gesammelte Abfall keineswegs reduziert, wie Kathrin Thöns weiß. „Eher hat sich die Menge, die wir am Käseteich gesammelt haben, erhöht.“ Immerhin wurde eine Fachfirma für die fachgerechte Entsorgung gewonnen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Parkbank schlummert noch immer im Käseteich.