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Eine Region kämpft ums Trinkwasser

Jörg Lübben fand in Rico Ritter und Frank Stein (v.l.n.r.) Mitstreiter für die Unterschriftenaktion. Vor ihnen der Stapel der Listen.
Jörg Lübben fand in Rico Ritter und Frank Stein (v.l.n.r.) Mitstreiter für die Unterschriftenaktion. Vor ihnen der Stapel der Listen. FOTO: ni
Weißwasser. Der Kampf um die Finanzierung einer neuen Trinkwasserleitung für die Region Weißwasser geht weiter. Ein offener Brief an Sachsens Ministerpräsidenten und eine Petition mit mehr als 3500 Unterschriften sind auf dem Weg. Gabi Nitsche

Die Menschen in Weißwasser und in den Umlandgemeinden lassen nicht eher locker, bis die Finanzierung für den notwendigen Aufbau einer neuen Trinkwasserversorgung über 40 Kilometer von Sdier über Boxberg nach Weißwasser steht. Für die Kosten - offen sind rund 20 Millionen Euro netto - steht die Region nicht zur Verfügung. In einem offenen Brief an Sachsens Ministerpräsidenten heißt es dazu: "Die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Wasserzweckverband und die Stadt Weißwasser scheiden (…) bei der Frage der Kostenübernahme für eine neue Trinkwasserleitung völlig aus." Außerdem unterstreichen die Unterzeichner: "Wir fordern sie dringend dazu auf, umgehend eine Lösung zur Kostenübernahme zu finden, bei der die betroffenen Menschen in der Lausitz keinerlei zusätzliche Belastungen zu tragen haben!" Dieser offene Brief trägt die Unterschriften von Bürgermeistern, von Chefs der Wohnungswirtschaft, Stadt- und Kreisräten, Stadtverein, Unternehmern und Bürgerinitiative "Strukturwandel jetzt - Kein Nochten II". Bis zum 10. Mai bitten Unterzeichner um eine Antwort des Ministerpräsidenten.

Mit dem Vorrücken des Braunkohlentagebaus Nochten Ende der 1980er-Jahre sank das Grundwasser ab und die Schadstoffbelastung nahm zu. Damit wurde die eigene Wasserversorgung der Orte im Altkreis Weißwasser dauerhaft unmöglich. Bestehende Wasserwerke mussten geschlossen und eine zentrale Belieferung über eine Fernleitung aus Schwarze Pumpe eingerichtet werden, erinnern die Unterzeichner. Erschwerend kommt hinzu, dass der ehemalige Tagebau Bärwalde nach seiner Flutung die Wasserfassung Bärwalde vom Wasserwerk Boxberg mit Sulfat belaste. Das Fazit: Das letzte große Wasserwerk in der Region muss außer Betrieb gehen.

Klar ist mittlerweile auch, dass das Trinkwasser aus Schwarze Pumpe spätestens 2018 aufgrund der steigenden Schadstoffbelastung nicht mehr genutzt werden kann. Eine tagebauunabhängige Versorgung sei deshalb dringend notwendig, heißt es in dem Schreiben. Seit Frühjahr 2012 ist das Problem um die zukünftige Trinkwasserversorgung von 35 000 Menschen bekannt, aber noch nicht gelöst. Anhand der Gesetzeslage sehen die Unterzeichner das Land in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Beeinträchtigungen durch die Verursacher auszugleichen sind. Vattenfall habe das mit einem Baukostenzuschuss von fünf Millionen Euro für die Beeinflussung durch den aktiven Bergbau getan.

In die gleiche Kerbe schlägt eine Initiative von Jörg Lübben aus Weißwasser. Der Unternehmer hat vor sechs Wochen eine Unterschriftenaktion für eine Petition über die Facebook-Gruppe Diaspora gestartet. "3514 Menschen aus Weißwasser und den Umlandgemeinden haben auf den Listen unterschrieben", freut sich Lübben über den Erfolg und rechnete gestern noch mit einigen Nachzüglern. Mittwochnachmittag gingen die Listen per Post an die Landesregierung. "Wir sind schon von der Braunkohle gebeutelt. Was will man uns noch aufbürden?", fragt Lübben.