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| 09:42 Uhr

Brand in der Turmvilla ist gelöscht
Eine Nacht lang gegen das Feuer in Bad Muskau

Turmvilla in Bad Muskau brennt FOTO: lausitznews.de / LausitzNews.de/Toni Lehder
Bad Muskau. Der Brand in der Turmvilla Bad Muskau hat 120 Feuerwehrkameraden stundenlang alles abverlangt. Noch am Mittwochmorgen wurden letzte Glutnester bekämpft. Von Regina Weiß

Gegen 17.30 Uhr haben Passanten am Dienstagabend das Feuer auf dem Dach der Turmvilla in Bad Muskau bemerkt und die Feuerwehr alarmiert.

Der Wasserstrahl ist mit voller Wucht auf den Turm und seine Dachziegel gerichtet. Der eine oder andere gibt seinen Widerstand auf und kracht in den Hof. Doch es reicht nicht. Die Dachhaut bleibt trotzdem standhaft. Weiter hinten, wo sie das Feuer schon vernichtet hat, sieht man im dunklen Nachthimmel immer wieder die Flammen auflodern.

Es ist 23 Uhr Dienstagnacht. Seit 17.30 Uhr rücken immer mehr Feuerwehren an, um die Kameraden von Bad Muskau-Stadt und Köbeln zu unterstützen. „Es ist rasend schnell gegangen“, beschreibt Bad Muskaus Stadtwehrleiter Andreas Heartel das Geschehen als einer der Ersten vor Ort. Das Feuer breitet sich von der Küche bis in den Dachstuhl aus. Der Turm, der der Villa am Badepark ihren Namen gegeben hat, wirkt dabei wie der Abzug eines Kamins. Am zeitigen Abend versuchen die Kameraden noch, von innen das Feuer zu bekämpfen. Doch aus Sicherheitsgründen muss das abgebrochen werden. Glücklicherweise ist auch den 14 Bewohnern des Hauses nichts passiert. „Ich bin froh, dass wir sie alle draußen haben“, so Haertel weiter.

Schnell wird es am Einsatzort so eng, dass die B 115 gesperrt werden muss. Am Ende werden neben Polizei und Rettungsdienst rund 120 Einsatzkräfte mit etwa 30 Fahrzeugen vor Ort sein, um den Brand zu bekämpfen. Neben denen der Parkstadt sind es Pechern, Boxberg, Kringelsdorf, Skerbersdorf, Gablenz, Groß Düben, Halbendorf, Trebendorf, Krauschwitz-Ost und -West, Sagar, Mulkwitz und Weißwasser. Ihre rund zwei Jahre alte Drehleiter wird dringend gebraucht. Der Angriff muss übers Dach erfolgen. Doch Weißwassers Leiter versagt justament ihren Dienst. „Ein technischer Defekt. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen“, so Weißwassers Wehrleiter Marcel Nestler. Somit werden erst Spremberg, dann später auch Niesky alarmiert, um mit ihren Leitern anzurücken. Doch die 30 Meter reichen nicht überall aus. Die Leag-Werkfeuerwehr Schwarze Pumpe rückt mit ihrem Hubsteiger an. Der Teleskoparm kann bis auf 50 Meter ausgefahren werden. Wieder geht es nach oben. Der Einreißhaken lockert weitere Dachziegel. „Am Ende mussten wir die Dachhaut aufschneiden“, schildert Gerd Preußing, Stellvertretender Kreisbrandmeister, am Mittwoch gegen 8 Uhr den weiteren Fortgang. Anderthalb Stunden vorher sind die Löscharbeiten an der Turmvilla in Bad Muskau beendet worden. Doch noch kann der Einsatz nicht abgeschlossen werden. Kameraden suchen im Haus nach Glutnestern. Dazu wird auch eine Wärmebildkamera genutzt. Und tatsächlich werden kleinere Brandherde gefunden. „Die haben wir mit Schaum gelöscht“, erzählt Sebastian Krahl, Wehrleiter Bad Muskau-Stadt. Zeitgleich beginnt der Rückbau der umfangreichen Löschtechnik. Die ersten Feuerwehren können nach ihrer Nachtschicht abrücken. Bad Muskau-Stadt, Köbeln und Boxberg bleiben für den Fall der Fälle vor Ort. Am Ende werden die Männer über 20 Stunden auf den Beinen sein. „Schlafen können sie jetzt nicht, die sind voller Adrenalin“, so Kreisbrandmeister Björn Mierisch. Einmal gegen 3 und dann gegen 6 Uhr tauscht man Kameraden aus. Unbeteiligte hören nur die Sirene in ihrem warmen Bett...

Bei Minus 4 Grad Celsius ist der Einsatz für Männer und Technik belastend. Die Pumpe eines Feuerwehrfahrzeugs friert ein. Auch der Hubsteiger hat Probleme. „Wir mussten das Löschwasser permanent am Laufen halten“, so Gerd Preußing. Das kommt längst nicht nur aus dem Hydranten. Die Wehren Sagar und Krauschwitz-West haben ihre Pumpen an der Neiße postiert. 800 Liter pro Minute zieht jedes Exemplar, erklärt Kamerad Dirk Enax.

Kein Wunder, dass die Bautzener Straße/B 115 am Morgen zu Teilen einer Eisbahn gleicht, obwohl der Hausmeisterdienst Jürs dreimal in der Nacht die Fahrbahn gesalzen hat. Auch um die Kameraden vor Ort kümmert man sich. Sie erhalten Kaffee und Pizza. Das besorgen die Helfer aus den Reihen des Eigentümers des Hotels, dem Familienunternehmen Kunze GmbH.

Bevor die Polizei die Arbeit vor Ort mit dem Brandursachenermittler aufnehmen kann, muss sich ein Statiker ein Bild vom Haus machen, erklärt Kreisbrandmeister Björn Mierisch. In der Turmvilla ist Lehm verbaut und der habe sich durch das Löschwasser wie ein Schwamm vollgesogen. „Und so kann er richtig schwer werden.“

Laut Polizeidirektion Görlitz haben Spezialisten von der Brandursachenermittlung und der Kriminaltechnik ihre Arbeit am Brandort aufgenommen. Nach ersten Schätzungen entstand ein Sachschaden im höheren sechsstelligen Bereich.

Ganz zu schweigen, von den Emotionen, die mit diesem Haus verbunden sind. 1999 wurde es nach umfangreicher Sanierung eröffnet. Kinderferiencamps, Jugendbegegnungen, Familienfeiern, Hochzeiten, Konzerte und anderes mehr sind für immer mit dem Namen des Hauses verbunden.

Turmvilla in Bad Muskau brennt FOTO: lausitznews.de / LausitzNews.de/Toni Lehder