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Eine Frau führt jetzt die Geschicke

Patricia Sickert führt nun die Geschicke bei den Viereichenern. Erwin Hackel war bisher dort Chef.
Patricia Sickert führt nun die Geschicke bei den Viereichenern. Erwin Hackel war bisher dort Chef. FOTO: Regina Weiß
Rietschen. Bei der Viereichener Rindfleisch e.G. ist der Staffelstab in der Betriebsleitung übergeben worden. Zum ersten Mal an eine junge Frau. Regina Weiß

"Ich habe schon mal einen Betrieb in die reine Weiberwirtschaft überführt. Das hat funktioniert. Hier klappt das auch." Erwin Hackel kann sich dabei ein Lachen nicht verkneifen und auch bei Patricia Sickert gehen bei diesen Worten die Mundwinkel nach oben. Denn die 27-Jährige hält nun bei der Viereichener Rindfleisch-Genossenschaft alle entscheidenden Fäden in der Hand und hoffentlich gut zusammen. In der Generalversammlung ist darüber informiert worden.

"Ich war für die Zeit der Umprofilierung hier vor Ort", sagt Erwin Hackel. Er kam 2011 ins Unternehmen, als die Zeit begann, in der der stärkste Eingriff durch Vattenfall und die damit verbundene Schöps-Verlegung bevorstand. Es sei damals um so etwas wie einen Neuanfang gegangen. Dieser sei gemeistert worden, schätzt Hackel ein. Noch seien nicht alle Flächen kompensiert. Beispielsweise sind die 120 Hektar auf den Kippen noch in "Wartepo sition". Die ersten Kulturen sind ausgesät. Jetzt muss das alles gut anwachsen.

Auch weiterhin werde der 65-Jährige Patricia Sickert mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schon durch die kollektive Vorstands-Struktur bleibe sie auch nicht auf sich allein gestellt.

Spannend bleibt es auch weiterhin, andere, neue Herausforderungen müssen gemeistert werden. Die junge Frau, die aus Schraden kommt und seit 2012 in Rietschen lebt, benennt die Themen Fachkräfte und die Vermarktung der eigenen Produkte der Viereichener Rindfleisch e.G., denen man sich stellen müsse. Froh und glücklich seien die Viereichener, dass sie derzeit einen Lehrling in der Landwirtschaft und einen zum Fleischer ausbilden. Das sollte auch künftig das Ziel sein, um für den eigenen beruflichen Nachwuchs zu sorgen.

Neben der Landwirtschaft mit rund zehn Beschäftigten und fünf in der Gaststätte "Bergklause" in Rietschen zählen 35 Mitarbeiter in der Viereichener Fleisch- und Wurstwaren GmbH zum Team. Gerade dort geht es um Produktentwicklung, aber auch Vermarktung, um eine stabile Abnahme zu sichern. Stichworte sind Premiumprodukte und der Online-Handel. Ganz neu ist der für die Viereichener nicht. Denn mit ihren Wurstkonserven haben sie bereits Erfahrung. Zugute dürften ihnen dabei die kurzen Kreisläufe als regionaler Produzent kommen. Schließlich befindet sich der moderne gerade mal einen Steinwurf von der Fleischerei entfernt.

Rund 400 Rinder - wobei die Mütterkühe in Weißkeißel stehen - halten die Viereichener. Für die Tiere wird auf den Flächen, die die Genossenschaft von rund 350 Eigentümern gepachtet hat, die Nahrung angebaut. Dabei machen die Bodenwerte und einzelnen Flächengrößen die Arbeit nicht leichter. Und dennoch geht es bei allem um Wirtschaftlichkeit. Da man diesen Erfordernissen unterworfen ist, haben die Viereichener in diesem Jahr ihrem Spargelanbau Adieu gesagt. Man sei mit der Ernte durch die natürlichen Gegebenheiten einfach zu spät auf dem Markt gewesen. Nun wachse Roggen für die Eigenversorgung.

"Ich habe großes Vertrauen", sagt Erwin Hackel und schaut dabei Patricia Sickert an. Diese ist als Kind schon mit der Landwirtschaft in ihrem Heimatdorf in Berührung gekommen. Die Oma hatte eine kleine Wirtschaft. So sei sie langsam in den künftigen Beruf reingewachsen.

Ihr duales Studium hat sie in Dresden absolviert und in einem Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen. Die Anlage war so groß wie die in Viereichen. Derzeit hängt sie nebenberuflich einen Master in Betriebswirtschaft dran. Dafür fährt sie bis Wernigerode. Denn Fakt ist: Die Arbeit wird nicht unbürokratischer. Aus Sicht von Erwin Hackel ist die neue Frau an der Spitze gut auf ihre Aufgabe vorbereitet. "Sie wurde gut eingearbeitet", sagt er und lacht wieder.