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Eine Entdeckungsreise durch die Jahrhunderte

Hans-Joachim Wergien zeigt seinen Enkelsöhnen Laurenz (li.) und Lennart ihren Platz in der Familiengeschichte. Foto: Uwe Menschner / ume1
Hans-Joachim Wergien zeigt seinen Enkelsöhnen Laurenz (li.) und Lennart ihren Platz in der Familiengeschichte. Foto: Uwe Menschner / ume1 FOTO: Uwe Menschner / ume1
Bremenhain. Seine Familie kennt Hans-Joachim Wergien inzwischen genau – selbst diejenigen, die seit Jahrhunderten tot sind. Der Bremenhainer hat sich vor Jahren in die Ahnenforschung vertieft – ein Hobby fürs Leben. Von Uwe Menschner

Wer bin ich, und wo komme ich her? Diese Frage stellt sich wohl jeder Mensch irgendwann einmal in seinem Leben. Hans-Joachim Wergien stellte sie sich nachdrücklich vor zwölf Jahren, als sein Vater eine große Kiste mit den Familiendokumenten auf den Tisch stellte. Obenauf lag der so genannte „Ariernachweis“ seines Onkels, der als Flieger im 2. Weltkrieg gedient hatte. „Das war für mich ein Initialerlebnis. Da wusste ich, dass ich mit der Ahnenforschung das Hobby meines Lebens gefunden habe“, erklärt der Bremenhainer.

Dieses Hobby pflegt Hans-Joachim Wergien seitdem mit viel Akribie. Bis zurück in das Jahr 1565 hat er die Geschichte seiner Familie, die sich damals auf der Insel Wollin abspielte, ergründet. „Damals erhielt ein Joachim Wergien den kleinen Ort Lauer von einem hohen Würdenträger übereignet. Dies ist quasi die erste nachgewiesene urkundliche Erwähnung unserer Familie“, berichtet er. Schon frühzeitig setzt die Verzweigung in einzelne „Linien“ ein, die sich quer durch Norddeutschland ausbreiteten: nach Wolgast, Stettin, Schwerin und Berlin. 1834 endet die Präsenz der Wergiens in Lauer, als der letzte Nachkomme des dort noch ansässigen Astes verstirbt. Dafür tauchen zahlreiche Nachkommen anderer Linien in Amerika auf. „Der Mensch ist nunmal ein Wanderer. Er geht dorthin, wo er Arbeit findet, sich ein besseres Leben erhofft. Das war damals genauso wie heute“, erklärt Hans-Joachim Wergien.

Er selbst kam durch seinen Armeedienst nach Rothenburg, lernte seine spätere Frau kennen, heiratete, blieb. Wieder hatten die Wergiens ein neues Territorium besiedelt. Seine Tochter lebt in Essen, der Sohn im schwedischen Göteborg. Der Familienstammbaum selbst ist ein mehrere Meter langer Ausdruck mit vielen rechteckigen Kästchen, in denen Namen, Geburts- und Sterbedaten sowie Wohnorte stehen, und der zahlreiche Lücken enthält. „Natürlich ist es kaum möglich, alles vollständig nachzuvollziehen. Viele Dokumente sind im Laufe der Zeit verschwunden: durch Brände vernichtet, in Kriegen zerstreut oder einfach nicht mehr aufzufinden.“ Hans-Joachim Wergien ist in den vergangenen Jahren zum Stammgast in den einschlägigen Archiven geworden. „Die ältesten Informationen habe ich vor allem aus Kirchenbüchern erhalten“, erklärt er. Geburten, Taufen, Hochzeiten und Todesfälle zeichneten die Pfarrer gewissenhaft auf und überlieferten sie dadurch der Nachwelt. Erst 1874 wurden die staatlichen Standesämter eingeführt, die fortan diese Aufgabe übernahmen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere Archive, die Informationen zu speziellen Fragen bereithalten. „Das Internet ist nur bedingt eine Hilfe, da ja jede Information erst einmal von jemandem eingegeben werden musste“, weiß Hans-Joachim Wergien.

Mittlerweile bietet er sein Wissen und sein Know-how auch anderen Menschen an, die sich für ihre Familiengeschichte interessieren. „Ich werte vorhandene Informationen aus, recherchiere nach Daten aller Art und erstelle daraus Stammbäume. Diskretion ist dabei oberstes Gebot“, betont der Bremenhainer. Gerade die hiesige Region hält durch ihre wechselvolle Geschichte mit den oftmals veränderten Grenzen sowie durch Flucht und Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg mehrere Besonderheiten bereit: „Das macht die Recherche schwieriger, aber auch reizvoller.“ Darüber hinaus zählt Hans-Joachim Wergien zu den Initiatoren des „Stammtischs für Familienforscher“, der sich regelmäßig – das nächste Mal am 12. November um 14 Uhr auf Schloss Krobnitz trifft. „Der Austausch mit Gleichgesinnten ist ganz wichtig. Auch ich halte ständig Ausschau nach Menschen, die mir vielleicht neue Informationen geben können.“ Wie beispielsweise jene norwegische Namensforscherin, deren Großmutter den Namen Wergien trug. „Durch den Austausch mit ihr schoben sich wieder einige Puzzleteilchen in die vorhandenen Lücken. Das war ein Geben und Nehmen.“

Mittlerweile sind Laurenz und Lennart neben Hans-Joachim Wergien getreten. Die aufgeweckten Jungs aus dem Ruhrgebiet besuchen während der Schulferien ihre Großeltern in Bremenhain. Begeistert jubeln sie auf, als sie auf dem Ausdruck – ganz unten, in der Ecke – ihre eigenen Namen entdecken: „Das bin ja ich!“ Der 62-Jährige lacht, doch dann wird er wieder ernst und nachdenklich: „Wo mag es meine Enkel wohl einmal hin verschlagen?“ Ganz gleich wohin: Sie werden es, dank der akribischen Arbeit ihres Großvaters, einmal leichter haben, sich die Fragen zu beantworten: „Wer bin ich? Wo komme ich her?“

Zum Thema:

HintergrundMehr über die Familie Wergi(e)n gibt es im Internet unter der Adresse www.pommernrose.deWer Hans-Joachim Wergien persönlich erreichen möchte, kann ihn unter 035891 32242 oder 0152 09899651 anrufen oder eine E-Mail schicken:hajowergien@t-online.de