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Eine brandheiße Angelegenheit

Wie viele Feuerwehrmänner passen auf einen Balkon? Acht. Sie haben kurz vorher das Feuer in der Wohnung in der Boxberger Straße 29 gelöscht. Die Übung dauerte bis in den Nachmittag.
Wie viele Feuerwehrmänner passen auf einen Balkon? Acht. Sie haben kurz vorher das Feuer in der Wohnung in der Boxberger Straße 29 gelöscht. Die Übung dauerte bis in den Nachmittag. FOTO: rw
Weißwasser. Samstag haben die Feuer- wehren von Weißwasser, Weißkeißel und Sagar eine komplexe Übung absolviert. Sie nutzen dafür einen Abrissblock in der Boxberger Straße. Erst einmal gibt es "Trockenübungen". Regina Weiß

Feuerwehrmann Karsten Päßler braucht nur ein Stück Kohleanzünder auf einem Plüschtier, ein Klick mit dem Feuerzeug und nicht mal eine Minute später stehen die Möbelreste im Wohnzimmer in der Boxberger Straße 29 in Flammen. Noch bevor es knistert, qualmt es. Und der Rauch ist sofort unangenehm im Rachen zu spüren. Nur noch raus, lautet die Devise.

Was im zweiten Stock im Abrissblock der Wohnungsbaugenossenschaft am Samstagvormittag simuliert wird, war im Dezember 2016 im Erdgeschoss bittere Realität. "Was hier so schwarz im Hausflur zu sehen ist, das sind Reste vom Rauch, der durch das Haus gezogen ist", sagt Feuerwehrmann Andreas Hanl. Er kann deshalb nur noch einmal an alle appellieren, sich Rauchmelder in ihren Wohnungen zu installieren. Sie können im Falle eines Falles Leben retten.

Denn es geht verdammt schnell, dass sich so ein Feuer ausbreitet. Nach nicht mal zwei Minuten nach dem Zündeln ist der Qualm an der Hausfront deutlich zu sehen. Ausbilder Sven Müller gibt die Order an die Kameraden, sich einsatzfertig zu machen. Mit vollem Atemschutz und Wärmebildkamera geht es in die Wohnung zur Brandbekämpfung, und das Feuer macht es den Kameraden nicht leicht. Sie rücken vor. Wegen der starken Hitze müssen sie sich aber erst einmal zurückziehen. "Mehr als 500 Grad Celsius hatten wir dort oben", sagt Eric Schneider. Jetzt muss er erstmal wie seine Mitstreiter ohne Maske und Helm tief durchatmen. "Die sind durch", formuliert es Sven Müller.

Unabhängig vom Feuer ist bei den sommerlichen Temperaturen die Montur nach gut zwei Minuten durchgeschwitzt. "Aber dann bleibt es so", nimmt es Robin Gleinig mit Humor. Quasi ein Saunagang, den die Männer absolvieren. Nach gut 16 Minuten ist das Feuer gelöscht. In dem Fall habe man sich absichtlich Zeit gelassen. Es geht um das Üben der notwendigen Schritte. "Als ich damals zur Feuerwehr gegangen bin, gab es noch viel mehr Brände", erklärt Andreas Hanl. Jetzt sind es weniger geworden, doch die Fähig- und Fertigkeiten, die man bei einem solchen Einsatz braucht, dürfe man eben nicht verlernen. Deshalb gibt es, bevor es brandheiß wird, erst einmal "Trockenübungen". Am Funkgerät, an der Drehleiter oder beim gespielten Einsatz an der Wohnungstür und in der Wohnung.

Und dann gibt es ja noch die Kellerräume. "Das ist für einen Feuerwehrmann die ganz hohe Schule", so Kamerad Armin Freitag. Denn dort unten ist es stockdunkel und eng. Damit steigen die Herausforderungen um ein Vielfaches. Auch der Keller wird am Samstag nicht ausgespart.

Denn wo habe man schon mal die Gelegenheit, das alles so durchzuspielen. Man sei deshalb der Wohnungsbaugenossenschaft auch sehr dankbar, sagt Sven Müller. "Damit Feuerwehrleute im Ernstfall nicht nur Brände löschen, sondern auch Menschen schützen und Leben retten können, sind praktische Manöver unter realen Bedingungen äußerst wichtig. Wir stellen unsere Immobilie daher gerne für Lehr- und Ausbildungszwecke zur Verfügung", begründet Dietmar Lange, Technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft, die Kooperation mit der Feuerwehr. Nach dem Abzug der Kameraden haben in der Boxberger Straße die Bauleute das Sagen. Ab Montag wird der Block entkernt.

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