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Ein Zeuge ohne Erinnerung

Mit einem Freispruch endete die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Weißwasser. Ein 19-Jähriger aus Weißwasser war wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt worden. Von Marlies Tieke


Er soll am 14. Mai 2006, gegen 6 Uhr morgens, im Garagenkomplex am Professor-Wagenfeld-Ring einem anderen jungen Mann ohne Grund mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Strafbar als vorsätzliche Körperverletzung.
Zum Tatvorwurf befragt, sagte der Angeklagte: „Da war nichts gewesen!“ Während der genaueren Befragung durch Richterin Sibylle Adamsky erfuhr das Gericht über diesen Abend folgendes: zirka 15 Leute feierten eine Abschlussparty für einen ihrer Kumpels in einer der Garagen. Es wurde dabei reichlich getrunken. Von einer Auseinandersetzung hatte der 19-Jährige, der nun vor Gericht stand, nichts mitbekommen, wie er auf die Frage der Richterin antwortete.
Plötzlich war die Polizei da und man hatte ihn beschuldigt, jemandem ins Gesicht geschlagen zu haben. Die Vorladung auf das Polizeirevier in Weißwasser, wo er hätte zu den Vorwürfen Stellung nehmen können, hat er angeblich nicht erhalten, hieß es. So musste der Sachverhalt in der Hauptverhandlung geklärt werden.
Als Zeuge wurde deshalb der Geschädigte gehört, der auch die Anzeige erstattet hatte.
Dieser erklärte vor Gericht, dass er zwar mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden war, aber nicht mehr sagen könne, von wem. "Ich habe mir alles durch den Kopf gehen lassen. Ich bin mir heute nicht mehr sicher, ob es der Angeklagte war", erklärte er in seiner Aussage. An ihn könne er sich nur deshalb gut erinnern, weil er mit ihm an dem besagten Abend längere Zeit gesprochen hatte. Er gab zu, einen Fehler gemacht zu haben, wolle aber den Mann, der vor Gericht stand, nicht beschuldigen.
Für die Staatsanwaltschaft war diese Aussage ziemlich unverständlich. So hatte der Geschädigte am 14. Mai 2006, vor Ort an den Garagen, im Beisein der Polizeibeamten sowie bei der polizeilichen Vernehmung am 13. Juni 2006 den Angeklagten jeweils eindeutig als Täter benannt.
In der Hauptverhandlung war er sich dagegen nicht mehr sicher. Richterin Sibylle Adamsky appellierte deshalb an den Zeugen, dass er bei der Polizei keine falschen Angaben machen darf. Falsche Verdächtigungen können strafrechtlich verfolgt werden.
Als weiterer Zeuge wurde der Garagenbesitzer gehört, der auch der Veranstalter der Party war. Er konnte aber keine Angaben zu einer tätlichen Auseinandersetzung machen.
Ihm sei lediglich der Geschädigte nur in der Weise aufgefallen, weil er ziemlich betrunken war.
Nach der Beweisaufnahme stand somit fest, dass die Anschuldigungen gegen den jungen Mann nicht nachgewiesen werden konnten. Wäre er zur Polizei gegangen und hätte dann bereits im Vorfeld geklärt werden können, dass er nichts getan hat, hätte die Hauptverhandlung sicher nicht stattfinden brauchen, belehrte ihn der Staatsanwalt.
Das Urteil lautete dann auch Freispruch. Die Kosten trägt die Staatskasse.
Das Urteil ist bereits rechtskräftig.