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| 03:07 Uhr

Ein Zeuge der Geschichte Weißwassers

Ein Zeuge der Geschichte Weißwassers Zum Aufstellen des Erich-Kanitz-Gedenksteins in der Weißwasseraner Waldhausstraße schreibt Lutz Stucka: Aus ortshistorischer Sicht ist es sehr wichtig, dass der Kanitz-Stein nicht achtlos entsorgt wurde. Er ist nun mal auch ein Sachzeuge Weißwasseraner Geschichte.

Historische Sachzeugen gehören, wenn möglich, in ein Museum. Das Glasmuseum ist gleichzeitig, wenn auch im

weit untergeordneten Teil, das Stadtmuseum von Weißwasser und hier sollte der Kanitz-Stein im Außenbereich untergebracht werden. Ihn als Denkmal zu bezeichnen halte ich aus heutiger politischer Sicht für nicht so passend, denn nach derzeitigem historischen Kenntnisstand kann man diesen schlimmen, bisher einzigartigen Vorfall in Weißwassers Geschichte als fahrlässige Tötung bezeichnen. Es ist nicht erwiesen,

dass Kanitz das Opfer eines gezielten Schusses, welcher aus einer Polizeipistole kam, war. Die damalige Zeit war recht anarchistisch. Nicht nur die Polizeibeamten besaßen Schusswaffen. Augenzeugen gaben an, dass sie in diesen Tagen bei den Nazi-Anhängern und den Kommunisten Schusswaffen gesehen hätten. Natürlich können die Berichterstatter, meist Presse, auch manipuliert worden sein, deswegen ist eine Schuldzuweisung kaum möglich. Genau bekannt ist eben nur das Opfer.

Der Kanitz-Stein wurde nach dem März 1981 von seinem früheren Standort am Wasserturm in die neu erbaute Erich-Kanitz-Schule gebracht.

Der Standort an der Waldhausstraße ist unbegründet, denn hier wollte man in der einstigen SA-Siedlung mit der Namensgebung eines Kommunisten einen Gegensatz schaffen. Außerdem ist auch die Erklärung, dass die frühere Bezeichnung Siegfriedstraße von einem Nazi-Anhänger her stamme ebenfalls unbegründet. Ein eines Straßennamens würdiger NS-Mann mit Namen Siegfried ist aus der Geschichte nicht bekannt, daher glaube ich eher an den Siegfried von Burgund aus der Nibelungen-Sage.

Es gäbe da noch eine Erklärung: Die Südstadtsiedlung von Weißwasser trägt Straßennamen nach Familiennamen berühmter Leute (Schiller, Gutenberg, Luther usw.), da sollte die später gegründete Nordstadt-Siedlung nur Vornamen tragen. Dafür erhielten Mitte der 1930er-Jahre die Straßen der neuen Nordstadtsiedlung Vornamens-Bezeichnungen, eben Siegfriedstraße. Und die heutigen Robert-Koch- und Richard-Wagner-Straßen hießen früher Paul- (Paul von Hindenburg) und Helmut-Straße (Helmut von Moltke). Die damals bestehende Goethestraße wurde in Wolfgangstraße umbenannt.