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| 02:45 Uhr

Ein Viertel geht ans Personal

Weißwasser. Die Einwohnerzahl in Weißwasser geht weiter zurück. Laut Statistischem Landesamt wohnen in Weißwasser inzwischen weit weniger als 17 000 Menschen. Christian Köhler

Dabei steigen trotzdem die Ausgaben für die Angestellten der Stadt. "Irgendwann haben wir ja nur noch Personalkosten", monierte deshalb SPD-Stadtrat Ronald Krause während der jüngsten Ratssitzung in Weißwasser mit Blick auf den Haushalt. Krause zufolge kamen 2010 noch 359 Euro auf jeden Einwohner in Weißwasser für einen Stadtangestellten. Damals hatte Weißwasser aber noch mehr als 19 000 Einwohner. 2017 lägen die Kosten laut Krause bei 520 Euro. "Mir fehlt der Wille in der Verwaltung, zu sparen", sagte er.

Zuvor hatte Kämmerer Rico Jung die nackten Zahlen vorgelegt. Danach gehen von den 32,3 Millionen Euro, die die Stadt 2017 ausgeben will, etwa 8,7 Millionen Euro an die gut 160 Stadtangestellten. Davon allerdings, so erklärte jüngst Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) der RUNDSCHAU, gehörten nur 45 zur Kernverwaltung im Rathaus. Auch Erzieher in Kitas, im Hort und Mitarbeiter im städtischen Bauhof gehörten zum städtischen Personal. "So schön, wie es ist, dass die Kindergärten und Krippen in Weißwasser immer mehr Kinder betreuen", so Pötzsch im Stadtrat, "heißt das aber auch, dass die Ausgaben für die Stadt steigen." Wie viele Kinder nämlich ein Erzieher betreuen darf, werde vom Gesetzgeber vorgeschrieben.

Außerdem gelte: Alle Angestellten der Stadt werden nach einem Tarif bezahlt, der nicht durch die Stadt Weißwasser und die Arbeitnehmervertreter ausgehandelt wird. Kommt es also zu Lohnerhöhungen bei Kita-Erziehern, ist die Stadt gezwungen, mehr zu zahlen. "Das sollten einige in ihren Berechnungen auch berücksichtigen", merkte Christian Klämbt, Vereinsvorsitzender der Garage - Orte der Soziokultur während der Ratssitzung an.

Die Aufstellung eines Personalentwicklungskonzeptes für die Stadtverwaltung wurde von mehreren Stadtratsfraktionen bereits seit mehreren Jahren gefordert. Es soll nun durch das in Auftrag gegebene externe Gutachten für Einsparmöglichkeiten in der Stadt im Herbst diskutiert werden. Darauf einigten sich in der vergangenen Woche die Stadträte.

Allerdings forderte ein Bürgereinwand zum Haushalt, dass bei den Personalkosten schon ab diesem Jahr "fünf Prozent an Ausgaben" gespart werden sollten. Gleichzeitig solle bis 2018 ein entsprechendes Konzept durch den Stadtrat beschlossen werden. Bei gleicher Stimmenanzahl zwischen Ja- und Nein-Stimmen wurde dieser Einwand abgelehnt. Hartmut Schirrock (Wir für Hier) hatte sich bei der Abstimmung enthalten.

Unterdessen informierte Hauptamtsleiter Dietmar Lissina über erfolgte Fortbildungen bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Aktuell sei es gelungen, mit vier Beschäftigten eine Fortbildungsvereinbarung zum Verwaltungsfachwirt abzuschließen. "Der Vorbereitungskurs umfasst circa 850 Unterrichtseinheiten und läuft von November bis August 2020", so Lissina. An einem vergleichbaren Lehrgang nahmen von 2011 bis 2014 vier Beschäftigte teil.

Auch im Bereich des Erziehungsdienstes erfolgten und erfolgen Qualifikationen der Mitarbeiter, "beispielsweise von Kita-Leiterinnen", so der Hauptamtsleiter. So wurden zwei Angestellte zum Studium der Sozialpädagogik und eine bis 2019 zum Studiengang "Frühpädagogik" geschickt. Auch dafür würden Kosten entstehen, hieß es. "Alle Lehrgänge finden Freitag und Samstag nach der Arbeitszeit statt", betonte Dietmar Lissina.

Zum Thema:
Mehr als ein Viertel von Weißwassers Ausgaben 2017 geht an das städtische Personal. Dabei wurden jedoch nur die Aufwendungen aus dem Ergebnishaushalt betrachtet. Dieser wiederum enthält Abschreibungen und Investitionen. Auch ein Vergleich mit anderen Kommunen ist schwierig, wie Rietschens Kämmerin Sigune Hilke erklärt. "Jede Kommune hat eigene Investitionen und Abschreibungen in jedem Jahr. In Rietschen beispielsweise schlägt 2017 der Breitbandausbau gehörig auf die Ausgaben." So gibt die Gemeinde in diesem Jahr 6,3 Millionen Euro aus. Die Personalaufwendungen liegen bei 1,59 Millionen Euro (39 Prozent des Haushaltes). 2018 könne das Verhältnis aber schon wieder ein anderes sein.