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Ein Toast auf das starke Geschlecht

Überraschung zum Frauentag: Angela Budszuhn freut sich über eine Rose und Pralinés von Oberbürgermeister Torsten Pötzsch.
Überraschung zum Frauentag: Angela Budszuhn freut sich über eine Rose und Pralinés von Oberbürgermeister Torsten Pötzsch. FOTO: Anja M. Lehmann
Weißwasser. Heute ist Weltfrauentag. Vor allem bei der jüngeren Generation gerät der Tag zu Ehren der Frauenrechte allmählich in Vergessenheit. Die RUNDSCHAU hat nachgefragt: Welche Bedeutung hat der Frauentag heute noch? Anja M. Lehmann

Der Frauentag hat für viele Menschen in der Region noch eine Bedeutung. "Natürlich, es ist Frauentag", gaben die meisten Männer am gestrigen Freitag auf die Frage an, ob sie wüssten, was der 8. März für ein Tag ist. "Es ist eine schöne Gelegenheit, den Frauen Wertschätzung zu zeigen", sagt Torsten Pötzsch (Klartext). Aus der Tradition heraus war der Oberbürgermeister gestern zum ersten Mal als Rosenkavalier unterwegs und hat die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung und aller kommunalen Einrichtungen mit einer kleinen Aufmerksamkeit überrascht.

"Das ist aber schön", freut sich Angela Budszuhn von der Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser (WBG) über eine gelbe Rose und ein Praliné.

"Wir haben uns unheimlich gefreut", meinte Geschäftsführerin Petra Sczesny und verrät, dass die neun Männer der WBG ihren 22 Kolleginnen kommende Woche ein Frühstück zubereiten werden. "Toll, hoffentlich geht es zuhause so weiter", sagt Martina Golz. Auf eine Überraschung ihres Freundes hofft auch Katharina Braunagel: "Meistens ist es ein Blumenstrauß", so die Auszubildende. "Auch nach über 25 Ehejahren schenkt mein Papa meiner Mutter alljährlich zum Frauentag Blumen", fügt sie hinzu.

"Die meisten Männer kaufen spontan", weiß Verena Rothe vom Blumenladen "Vierjahreszeiten" in Weißwasser. Nicht nur am Frauentag, auch zwischendurch würden viele Männer ihren Frauen Blumen schenken. "Rosen werden weniger gekauft", hat Cornelia Tag vom Blumenladen "Blütenzauber" festgestellt. Nachgefragt würden vor allem Frühlingsblüher als Sträuße oder Gestecke. Doch es gibt auch Männer, die sich bewusst gegen Geschenke zum Frauentag entscheiden. So wie Ronny Staudte. "Weil es rein kommerziell ist", begründet der Dresdner.

"Ich hatte den Frauentag bis vor Kurzem gar nicht auf dem Schirm", gibt Sebastian Leschin in Begleitung seiner Freundin zu. Ihr macht das nichts aus. Bekommt ihr Liebster dann etwas zum Männertag? Frances Gallert lässt die Frage unbeantwortet und lächelt. "Zum Muttertag und zum Vatertag schenken wir unseren Eltern etwas", sagt die Studentin. Doch der Frauentag sei für die jüngere Generation heute weniger von Bedeutung, so die 23-Jährige Weißwasseranerin.

"Früher wurde in den Betrieben viel gefeiert", erinnert sich eine Passantin. Der Frauentag sei zu DDR-Zeiten DER Tag der Frauen gewesen. Die 96-Jährige berichtet: "Die Frauen hatten ab Mittag frei, es gab Kaffee und die Männer haben sie bedient." Nach der Wende habe sich eher der Muttertag, wie er im Westen üblich war, durchgesetzt.

Das ursprüngliche Anliegen des Tages ist heute vielen unbekannt: Entstanden in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen wird er weltweit für die Rechte der Frau und den Weltfrieden begangen.