| 02:46 Uhr

Ein Theaterstück als Geschenk

Natürlich gehören auch Kartentricks zum Repertoire von Max Stenzel.
Natürlich gehören auch Kartentricks zum Repertoire von Max Stenzel. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. "Familienchaos" wird am Mittwoch durch die Freie Schule Boxberg auf geführt. Fast das gesamte Schuljahr wurde dafür eifrig geprobt. Regina Weiß

Es ist bereits eine Tradition, dass sich die Freie Schule Boxberg mit einem Theaterstück in die Ferien verabschiedet. Am Mittwochabend ist es wieder soweit. Doch erstmals kommt ein Stück zur Aufführung, das ein Schüler der Schule selbst geschrieben hat. Es ist quasi sein Abschlussgeschenk.

Wenn es um kreatives Arbeiten ging, um Moderation und Theater, das Organisieren von Veranstaltungen, dann war Maximilian Stenzel die vergangenen Jahre immer zur Stelle. Dabei stimmt das Wörtchen "war" nicht wirklich. Obwohl er seit Freitag das Zeugnis in der Tasche und damit den Realschulabschluss erfolgreich gemeistert hat, kann er von seiner Schule nicht lassen. "Ich habe mir überlegt, was ich der Schule geben kann", so Max. Der Schule, in der er sich sehr wohl gefühlt hat. Und in der nach der Devise verfahren wird, dass jeder Schüler seine Talente zeigen soll. An dieses Credo von Schulleiter Ralph Berthold hat sich Max Stenzel erinnert.

"Familienchaos" wurde geboren. So heißt das Stück, das Maximilian geschrieben hat. Für die Schule ist es sein erstes eigenes. Im vergangenen Jahr hat er bereits die "Welle" für die Boxberger umgeschrieben. "Das war ein sehr schweres Thema", erinnert sich der Klittener. Dieses Jahr sollte es etwas anderes, auch etwas Lustiges sein. Aber Humor ist nur die eine Seite der Medaille, denn in dem neuen Stück versteckt sich nicht nur Trauriges, sondern auch eine Botschaft. Nämlich die, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen sollten.

Zwei Kinder im Teenager- und Grundschulalter - Geschwister - müssen sich wohl oder übel um ein einjähriges Baby kümmern. Und das so, dass die Außenwelt nicht mitbekommt, dass ihre Eltern getrennt sind. Den Aufhänger zu finden, sei nicht einfach gewesen, gibt der 16-Jährige zu. Und auch beim Schreiben hat es ein paar Mal gehakt. Doch glücklicherweise hat Maximilian seinen Bruder Augustin - eins von fünf Geschwistern. Der jüngere Bruder agiert sozusagen als Stichwortgeber, wenn bei Max sich die Gedanken zu sehr verknoten. "Auch den Titel des Stücks habe ich meinem Bruder zu verdanken."

Max Stenzel gibt zu, Perfektionist zu sein. Hinzu kommt seine totale Begeisterung für das darstellende Spiel. Er gibt aber auch zu, sich manchmal etwas bremsen zu müssen, denn nicht alle "seine" Schauspieler sind gleich ihm Feuer und Flamme. "Für manche Schüler ist es eben nur GTA" (A.d. Red. ein Ganztagsangebot der Schule). Doch als Regisseur habe er sein Bestes versucht, bei den Schülern schauspielerische Talente freizulegen. Gut ein Jahr hatten sie für die Proben Zeit.

Geht es nach dem 16-Jährigen, dann soll die Welt der Bühne künftig ganz seine Welt werden. Dafür ist er bis an die Ostsee gereist. Bei der Theaterakademie Vorpommern hat er vorgesprochen. Obwohl er eine "saumäßige Aufgeregtheit" erlebte, habe er überzeugen können. Nun sitzt er zu Hause wie auf Kohlen und wartet auf die Entscheidung für seine Zukunft. Denn mit 16 wäre er dort der jüngste im Bunde.

Doch Max hat auch einen Plan B. Die Zusage am Beruflichen Schulzentrum in Görlitz hat er in der Tasche. Dann würde er das Abi angehen. Und auch ein soziales Jahr wäre als Zwischenstation denkbar. Wo er das machen könnte, da hat der Klittener eine Idee: beim CVJM in der Gemeinde. Mit Heinz Bittner vom Verein verbindet ihn seit Längerem eine gemeinsame Leidenschaft: das Zaubern.

Vor sechs Jahren fing alles an. Mit einem Zauberbuch und einem -kasten. "Ganz klassisch", lacht Max. Der Spaß blieb, es wurde Leidenschaft. Vor drei Jahren begann der Jugendliche, öffentlich aufzutreten. Die Schule, Dorffeste, Familienfeiern oder erst jüngst die Kinderstation im Kreiskrankenhaus Weißwasser verzauberte er. "Manchmal wundere ich mich, wie Interessenten bei mir landen." Toll findet er, dass ihn seine Eltern bei seinem Tun so vorbehaltlos unterstützen. Das reicht bis dahin, dass Max zu allen Auftritten noch gefahren werden muss. Die Familie stehe hinter ihm. Auch wenn es darum geht, Teil der Zaubershow zu werden. So arbeitet Max Stenzel an einer neuen Form der zersägten Jungfrau. Bruder Augustin ist dann wieder gefordert.

Zum Thema:
Am Mittwoch um17 Uhr tritt die Schule mit ihrem diesjährigen Theaterstück "Familienchaos" im Theater im Ohr am Bärwalder See auf. Der Förderverein lädt alle interessierten Einwohner hierzu recht herzlich ein.In diesem Theaterstück geht es um den Teenager Jamie und Andrea, seine kleine und verspielte Schwester, die mit ihrem Vater und dem kleinen Baby Lukas in einer kleinen Wohnung leben, da ihr Vater getrennt von ihrer Mutter lebt. Als der Vater dann auf einmal spurlos verschwindet, wissen die beiden nicht, was sie tun sollen. Bei dem Versuch, sich um das kleine Baby zu kümmern und gleichzeitig noch nach ihrem Vater zu forschen, geraten Jamie und Andrea sehr schnell in Schwierigkeiten und witzige Situationen. Als dann noch die Polizei an der Tür klopft, beschließen sie, Mutti zu suchen. Eine völlig verrückte Suche beginnt.