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Ein Stück Weißwasseraner Musikgeschichte im Broilereck

Gert Nitschke (l.) und Roland Fleischhacker als "Jumper und Preuß" im Broilereck in Weißwasser.
Gert Nitschke (l.) und Roland Fleischhacker als "Jumper und Preuß" im Broilereck in Weißwasser. FOTO: ckx
Weißwasser. "Es ist schön, wieder in der Heimat zu sein", gestand Gert Nitschke dem Publikum am Freitagabend im Weißwasseraner Broilereck. Er hatte zusammen mit "Jumper", der mit bürgerlichen Namen Roland Fleischhacker heißt, zum Liedermacher-Abend geladen. Christian Köhler

Markige, gesellschaftskritische Texte haben dabei die beiden Musiker dem Publikum serviert. Allerdings ging es dabei nicht nur um die ganz große Politik, sondern auch um Weißwasser, die Heimatstadt von Gert Nitschke alias "Preuß" und "Gert Rockemüller".

Turnhallen und "Rockemüller"

Der Ex-Weißwasseraner hatte bis nach der Wende in der Heimat gelebt und ist dann aus beruflichen Gründen in den Westen gezogen. Schon zu DDR-Zeiten hatte Nitschke Musik gemacht, hatte unter anderem die Weißwasseraner Band "Rockemüller" mitbegründet. "Das war eine spannende Zeit damals", erzählt er, "wir waren mit Andreas Ladusch und Jens Sieler fast soweit, dass wir ins Studio hätten gehen können."

Kennengelernt hatten sich die Mitglieder von "Rockemüller" über die Musik und nicht zuletzt durch Egon Kenner, der später bei der legendären DDR-Rockband "Freygang" als Bassist in Erscheinung getreten ist. "Egon hatte damals, Anfang der 80er Jahre, die legendären Turnhallen-Konzerte organisiert", erzählt Nitschke. Damals, in der bereits abgerissenen Turnhalle in der Heinrich-Heine-Straße in Weißwasser, hatte so manches Konzert für Furore gesorgt.

Nach der Wende ist die Band Rockemüller zerbrochen. Dabei hatten sie noch in den 80er Jahren Konzerte in Russland und in Polen. Für Gert Nitschke jedoch noch lange kein Grund, nicht mehr an die Zeit und die Musik in Weißwasser zu denken und sie nicht als Inspirationsquelle zu nutzen: "Seit diesem Jahr haben wir das Projekt gemeinsam mit Andreas Ladusch und Uwe Sturm, Geschichten um diese Zeit zu vertonen, zu erzählen und schließlich einen Roman zu schreiben", erklärt Liedermacher Gert Nitschke. Den ersten Teil davon trägt er dabei zusammen mit Roland Fleischhacker auf der Bühne im Broilereck vor. Es liegt dabei ein Stück Weißwasseraner Musikgeschichte in der Luft.

Spultonbandgerät ZK 120

"Es geht um einen Typen, der Musik von Rockemüller in einem Garten in Weißwasser vergraben hat und dann in die weite Welt auszog. Eines Tages trifft er auf einem Flohmarkt einen Musikliebhaber, der eine Spultonkassette von Rockemüller findet", beschreibt Gert Nitschke. Damals hatte schließlich der "Typ", der doch starke Ähnlichkeiten zu Nitschke aufweist, die Musik mit dem "ZK 120" aufgenommen. Die soll allerdings nun in die heutige Zeit geholt werden. Ab dem Punkt der Geschichte, die zwar reale Elemente aber mindestens genauso viel Erdachtes enthält, beginnt das neue Album von "Jumper und Preuss". "In Bayern nennen sie jeden, der nicht von dort ist, Preuße", erklärt der Liedermacher die Herkunft seinen zweiten Alias-Namen.

Roland Fleischhacker wiederum erzählt: "Im wirklichen Leben haben wir uns ebenfalls über die Musik kennengelernt und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Ost und West sind sehr spannend für uns."

Broilereck-Inhaber Robert Hördler hat zu seinem sechsjährigen Bestehen des Lokals gleich das nächste Stück Weißwasseraner Musikgeschichte eingeladen: "Am 25. Juni werden hier ,Alzheimer' spielen", erzählt er. Die Rockband war in den 90er Jahren fester Bestandteil der Bandszene in Weißwasser.