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Ein sehr bewegender Abschied

Kameraden der Feuerwehr Weißwasser halten Ehrenwache am Sarg von Henry Kossack. www.lr-online.de/bilder
Kameraden der Feuerwehr Weißwasser halten Ehrenwache am Sarg von Henry Kossack. www.lr-online.de/bilder FOTO: Nitsche
Weißwasser. Zum Trauermarsch haben sich gestern Hunderte Kameraden der Feuerwehr formiert. Von der Heinrich-Heine-Straße führte der Weg über etwa einen Kilometer zum Weißwasseraner Friedhof, wo sie mit der Familie, Freunden und Bekannten Abschied nahmen von Henry Kossack. Gabi Nitsche

Der 61-jährige stellvertretende Kreisbrandmeister im Landkreis Görlitz war am 24. Mai nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. In einer bewegenden Trauerfeier hielten Kameraden aus Weißwasser die Ehrenwache an seinem Sarg. Unzählige Menschen, darunter auch seine Fußball- und Eishockeykumpel, verharrten in Trauer und verbeugten sich, sagten tief betroffen lautlos Danke und Lebewohl. Denn Henry Kossack war ein ganz besonderer Mensch, allseits geschätzt. 1000 Worte könnten die Trauer um seinen Verlust nicht beschreiben, formuliert es Redner Wolfgang Lehmann. Menschliche Wärme und Hilfsbereitschaft zeichneten den Mann aus, der immer für andere da war.

Dank seiner beiden Großväter hatte sich Henry Kossack einst den Feuerwehr-Virus bei den Jungen Brandschützern in seinem Heimatort Gablenz eingefangen. Dieser Schritt sollte sein ganzes Leben beeinflussen. Als er seine Marion heiratete und mit ihr nach Weißwasser zog, opferte er viel Freizeit für die Aufgabe als Jugendwart. So manch einer, dem Henry Kossack damals engagiert das Einmaleins des Brandschutzes beigebracht hat, ist heute ein gestandener Floriansjünger. Auch seine Kinder Anja und Steffen steckte er an. Steffen ist heute Berufsfeuerwehrmann in Hoyerswerda. Und ihm wird bescheinigt, er eifere seinem Vater in jeder Beziehung nach.

Henry Kossack beließ es nicht beim Hobby, machte es in den 1980er-Jahren zum Beruf. Im Landkreis Görlitz leitete er das Sachgebiet Brandschutz, setzte sich ehrenamtlich als Kreisbrandmeister für die Belange der freiwilligen Feuerwehren ein, seit dem Jahr 2011 dann als Stellvertreter für das Feuerwehrwesen im Altlandkreis Weißwasser. Von Bad Muskau bis Oybin war er immer an der Seite der Kameraden, habe sich gefreut, wenn er Fördermittel oder neue Technik übergeben konnte. Er habe immer ein offenes Ohr für die Probleme der Wehren gehabt. Deshalb fehle er. Als Kamerad und guter Freund, mit dem sie so manche Schlacht gegen die Feuerbrünste geschlagen haben. Die katastrophalen Waldbrände 1988, 1992 und 1993 zum Beispiel. Viele Jahre war Henry Kossack auch Wegbegleiter von Martina Weber. Der zweiten Beigeordneten von Landrat Bernd Lange ist es eine Herzenssache, Henry Kossack zu gedenken und der Familie zu versichern, wie sehr er im Landkreis geschätzt wurde. "Er war ein Mensch, der das Wort Kamerad gelebt hat. Wir sind erschüttert, dass er nicht mehr da ist." Er war einer, der 24 Stunden Feuerwehr lebte. Wenn Alarm war, ließ er alles stehen und liegen und rannte los. Selbst, wenn er gerade grillte, was er zu gern machte, wurde gestern aus dem Nähkästchen geplaudert. Die Enkelkinder waren für den leidenschaftlichen Opa Henry Kossack eine große Bereicherung, jeder sein Sonnenschein. Es machte ihn glücklich, mit ihnen durch den Wald zu streifen, mit seiner Frau Rad zu fahren, mit Familie und Freunden zusammen zu sein. Das war sein Leben.