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Ein "Schluck vom Muskauer Park"

Auf dem Pflanzen- und Früchtemarkt gab es großen Andrang. Dort wurden auch Obstgehölze angeboten.
Auf dem Pflanzen- und Früchtemarkt gab es großen Andrang. Dort wurden auch Obstgehölze angeboten. FOTO: amz1
Leknica/Bad Muskau. "Sinnliche Räume für Apfelbäume" ist das Motto am Wochenende im Muskauer Park gewesen. Kein Wunder, wurden doch auf dem Gelände der historischen Baumschule im polnischen Parkteil rund 150 Gehölze verschiedenster Sorten gepflanzt. amz1

Bereits in den vergangenen Jahren sind dort rund 220 Bäume in den Boden gebracht worden. Diesmal sorgt Experte Leszek Kulak, der in Landsberg an der Warthe eine Baumschule betreibt, für das passende Material. Die zum Veredeln notwendige Grundlage stamme aber aus der alten Muskauer Baumschule, betont der Fachmann. Mit von der Partie seien auch für die Region typische Sorten, beispielsweise die Landsberger Renette.

Derzeit gedeihen auf dem rund 20 Hektar großen Muskauer Baumschulareal, das bereits im 19. Jahrhundert durch Parkbegründer Fürst Hermann von Pückler ins Leben gerufen wurde, rund 200 alte Obstbäume, darunter 60 Apfelsorten.

Einer, der sich damit bestens auskennt, ist Grzegorz Hodun vom Institut für das nationale Erbe in Warschau. "Ich habe nämlich jede einzelne Sorte verkostet", sagt der Experte. Schwerstarbeit für Zunge und Geschmack also. Allerdings weniger aus Hunger oder Appetit, sondern zu Zwecken der Wissenschaft. Schließlich galt es, die einzelnen Sorten sicher zu bestimmen. Herausgekommen ist ein pomologischer Lehrpfad, der bereits seit einem halben Jahrzehnt kreuz und quer durch das Muskauer Baumschulareal einlädt.

Während des jetzigen Apfelfestes führt Grzegorz Hodun eine Gruppe von Gartenfreunden entlang des Pfades, dessen Verlauf in einer kleinen Broschüre nachverfolgt werden kann. Und was es links und rechts des Weges so alles gibt: beispielsweise Bäume, die auf einer Seite gelbe und auf der anderen Seite rote Früchte tragen. Dann Gehölze, deren Äpfel man auf Grund ihrer Bitterkeit eher nicht essen sollte. Stattdessen lasse sich daraus ein köstlicher Apfelwein herstellen. Nicht zu vergessen der Rote Eisenapfel.

"Den empfehle ich nur Leuten mit gesunden Zähnen", sagt Hodun augenzwinkernd. Der Grund? Die Frucht präsentiere sich als sehr hart, aber schmackhaft. Früher seien die zu Boden gefallenen Äpfel über den Winter unter dem Schnee erst ausgereift und konnten im Frühjahr verzehrt werden.

Die Besucher sind begeistert. Beispielsweise Doris Heine aus Weißwasser. Die Hobbygärtnerin nennt eine Streuobstwiese ihr Eigen. "Dort wachsen zehn verschiedene Apfelsorten, darunter ganz seltene", berichtet die sympathische Frau. Etwa die sauren Zitronenäpfel. Extra aus Berlin in den Muskauer Park gekommen ist Susanne Thiem. "Ich habe in Weißwasser einen Garten mit vielen Apfelbäumen. Am besten schmeckt mir die Billsteiner Renette. Süß und kräftig im Geschmack." Ohnehin könne man trefflich streiten, was denn nun tatsächlich die wohlschmeckendste Apfelsorte sei. "Kann ich auch nicht sagen", erklärt Fachmann Hodun. Das hänge zumeist vom jeweiligen Ort, der jeweiligen Zeit und dem jeweiligen Verkoster ab. Der eine möge es eben süßer, der andere herber.

Neben den ganzen Obstgehölzen gibt es unweit des Viaduktes, quasi dem Eingangstor zur Muskauer Baumschule, einen Pflanzen- und Früchtemarkt. Rund 30 Händler aus dem Sorauer Land bieten dort ihre Produkte feil. Besonders gefragt ist der Honig von Bronislaw Przyslak. Denn wo sonst gibt es echten Kräuterhonig? Inklusive Brennnesseln, Wildrosen und Apfelbeeren. Wer eine gute Zunge hat, kann alle Bestandteile irgendwie herausschmecken. Ein paar Stände weiter wartet die nächste Spezialität, nämlich Apfelwein. Begeistert genießen die Besucher den "Schluck vom Muskauer Park", so der offizielle Name des Getränks. Das extra fürs Fest vorbereitete Fass ist beizeiten bis auf den letzten Tropfen geleert. Somit dürfte bald ein neues Produkt den heimischen Markt erobern.

Für Parkdirektor Cord Panning ist die Baumschule ein echtes Juwel. "Damit bekommt die polnische Parkseite einen eigenen Akzent, eine eigene Note." Mittelfristig sollen auf dem Areal verschiedene historische Stätten wieder hergerichtet werden. Dazu gehören unter anderem Gewächshäuser, Brunnen und Ziermauern. Das erforderliche Geld könnte aus dem Interreg-Förderprogramm der EU kommen. Daran arbeiten zumindest die Parkprotagonisten.