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Ein Meisterbrief und viel Mut

Christin Balke hat die Nachfolge im Friseurstübchen Monika in Weißwasser voller Freude übernommen. Die Meisterin führt das Geschäft als Frisör Atelier.
Christin Balke hat die Nachfolge im Friseurstübchen Monika in Weißwasser voller Freude übernommen. Die Meisterin führt das Geschäft als Frisör Atelier. FOTO: ni
Weißwasser. Das Lebenswerk zu sichern und an einen Nachfolger zu übergeben, ist für Unternehmer in der Regel nicht leicht. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man einen Betrieb sein Eigen nennt, ein Bekleidungs- oder Lebensmittelgeschäft oder einen Friseurladen. Gabi Nitsche

In Weißwasser gibt es negative, aber auch positive Beispiele, wo es gelang. Dabei zeigt sich: Wenn längerfristig alles vorbereitet wird, sind die Erfolgsaussichten gut. Christin Balke kann das nur bestätigen. Die 35-Jährige ist seit August Eigentümerin vom "Frisör Atelier" an der Lutherstraße in Weißwasser. Bis dahin gehörte es Friseurmeisterin Monika Friebe und war bekannt als "Friseurstübchen Monika". Jetzt ist sie in den wohlverdienten Ruhestand gewechselt, "das hat sie sich mit 65 und 50 Arbeitsjahren aber auch verdient", sagt Christin Balke. Monika Friebe hat in der Jüngeren anscheinend rechtzeitig das Potenzial für ihre Nachfolge gesehen. "Ohne die Chefin und ihre Unterstützung hätte ich mich das nie gewagt", sagt die junge Geschäftsinhaberin.

Für Christin Balke ist das Friseurhandwerk der Traumberuf schlechthin. "Für mich gab es nach der zehnten Klasse nichts anderes, als das zu lernen." Bei der PGH Ihr Friseur begann sie die Ausbildung. "Weil ich recht schüchtern war, hat mir das kaum einer zugetraut. Aber der Mensch kann sich ja auch entwickeln …" Hat sie. Von Schüchternheit ist heute nichts mehr zu spüren. Nach der Lehre 2001 wurde sie übernommen und arbeitete bis Mitte 2009 in dem Unternehmen. Dann wechselte sie zu Monika Friebe. "Wir haben von Anfang an auf einer Wellenlänge gelegen. Vermutlich deswegen hat sie mich eines Tages gefragt, ob ich das Geschäft 2017 übernehmen will, wenn sie in Rente geht." Dazu brauchte sie aber den Meisterbrief. Der ist Pflicht für ein eigenes Friseurgeschäft mit Angestellten. "Frau Friebe hat mir diesen Weg ermöglicht - menschlich und auch finanziell." Über zwei Jahre, an zwei Abenden in der Woche und neben der Arbeit im Salon drückte die Weißwasseranerin die Schulbank. Erfolgreich. Ihr Mann Erik hat sie in allem unterstützt. "Ja, meine Männer sind schon klasse", bezieht die 35-Jährige auch ihren zwölfjährigen Sohn ein.

Um die Hausbank zu überzeugen, brauchte Christin Balke einen Businessplan. "Ja, das hat funktioniert." Wenn sie zwischendurch mal der Mut verließ, habe Monika Friebe ihr gut zugeredet, immer gesagt "das schaffst du". Christin Balke weiß aber genau: "Wenn die Chefin nicht gewesen wäre, ich wäre von allein nie diesen Weg gegangen." Da seien auf der einen Seite die immer wieder steigenden Kosten und auf der anderen die Leute mit schmalem Geldbeutel. "Da kommt man bestimmt auf Dauer um Preiserhöhungen nicht umhin, ohne dass man selbst mehr in der Tasche hat", ist die 35-Jährige realistisch.

Doch sie sei voller Tatendrang und sehr stolz auf ihr "Frisör Atelier". "Ich hab ein Geschäft mit viel Potenzial übernommen." Dazu zählt Christin Balke die treue Kundschaft und ihr Team mit Karin Meißner, Annett Toepfer, Nadine Ziebarth und Manuela Wagner. "Manuela Wagner hat im zweiten Laden von Monika Friebe in Krauschwitz gearbeitet. Doch zwei Salons zu übernehmen, war mir zu viel." Das Geschäft wurde geschlossen, und die Kollegin wechselte samt Kundschaft nach Weißwasser. "Ob jung oder alt - sie kommen jetzt zu uns, das find ich spitzenmäßig." Auch trotz der Großbaustelle Lutherstraße vor der Tür habe das Team gut zu tun, freut sich Christin Balke.

Die junge Frau ermutigt jene, die darüber nachdenken, ein Geschäft zu übernehmen. Ihr Rat: "Es sollte aber niemand denken, das funktioniert alles von heute auf morgen. Es braucht Zeit, es sicher vorzubereiten. Obwohl der Plan ja lange stand, hab ich letztlich ein Jahr für die Tippeltappel-Tour für alle Genehmigungen gebraucht."

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