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| 18:10 Uhr

Seenland
Ein Leuchtturm wird kommen

Hajo Renker zieht mit seinem 300 PS starken Schubboot den Leuchtturm auf seinem neun Meter langen Ponton an das Ende des Bootssteges, seinem ursprünglichen Platz im Klittener Hafen. Der Transport am Dienstag gehörte eher in die Kategorie Leichtgewichte.
Hajo Renker zieht mit seinem 300 PS starken Schubboot den Leuchtturm auf seinem neun Meter langen Ponton an das Ende des Bootssteges, seinem ursprünglichen Platz im Klittener Hafen. Der Transport am Dienstag gehörte eher in die Kategorie Leichtgewichte. FOTO: Regina Weiß
Klitten. Firmen aus dem hohen Norden schaffen den Ponton am Bärwalder See an seinen Ursprungsplatz und verankern ihn dort. Von Regina Weiß

Das Geräusch am Bärwalder See am Dienstagmorgen hört sich an wie lautstarke Stromschläge. Doch dieses imaginäre Knistern hat gar nichts mit Elektrizität zu tun. Verursacht wird das Ganze von der splitternden Eisfläche. Kein Wunder, draußen sind sechs Grad unter Null, da kann sich im Klittener Hafen schon mal eine Eisschicht auf das Wasser legen.

Doch die wird an diesem Tag nicht gebraucht. Hajo Renker von der Renker Maschinendienstleistungs GmbH aus Ribnitz-Damgarten schaukelt sein Schubschiff auf. Immer wieder. So geht das Eis zu Bruch. Denn auch nicht die dünnste Eisschicht soll dem Transport des Leuchtturms in die Quere kommen.

„Ein Schiff wird kommen“ heißt es im gleichnamigen Schlagertext. Das kann ja wohl jeder. Am Bärwalder See muss diese Liedzeile am Dienstagmorgen umgedichtet werden. Kurz vor 8 Uhr macht sich der Leuchtturm samt seines Pontons, auf dem er steht, auf die Fahrt. „Eine Rundfahrt mit dem Leuchtturm gefällig?“, wirft Hafenmeister Gerhard Stübner lachend ein. Er ist vor Ort, um zu sehen, wie das Rettungs-Projekt vonstatten geht.

Nach Lachen war den See-Verantwortlichen im Herbst vorigen Jahres allerdings gar nicht zumute. Als Sturmtief Herwart mit seinen Orkanböen auch über den Bärwalder See pfiff, da hat er den Leuchtturm losgerissen. „Sehen Sie sich das mal an, das sind die Seile, die dabei kaputt gingen!“, sagt Gerhard Stübner und zeigt auf die gekappten Enden am Wellenbrecher am Klittener Hafen. Und die Seile sind nicht gerade die dünnsten.

Glück im Unglück war, dass sozusagen ein „Faden“ noch hielt und der Ponton nicht in den Hafen treiben konnte. „Dann hätte er richtig Schaden gemacht“, schätzt Stübner ein. Also wurde der Leuchtturm in den sicheren Hafen verfrachtet und harrte der Dinge, die da auf ihn zukommen. Mit dem Beschluss des Gemeinderates von Anfang Februar war klar, dass nun der Rücktransport und die neue Verankerung starten können.

Dafür sind Marc Häusler und Daniel Forst aus Rövershagen  angereist. Die beiden gehören zur Firma Seacontact und kommen als Taucher und Assistent am Bärwalder See an diesem Morgen zum Einsatz. Zwar schiebt sich die Sonne hoch. Doch das Wasser hat deshalb trotzdem nur ein Grad Celsius. „Bei warmem Wetter ist es natürlich schöner“, sagt Daniel Förster grinsend. Doch beim sogenannten Heißwassertauchen wird den Männern auch in rund acht Metern Tiefe nicht kalt. Das heiße Wasser wird von einem Heizer, der auf einem kleinen Boot steht, zum Taucheranzug hinunter geleitet. Marc Häusler, der sonst unter Wasser Kampfmittel birgt, wird die neuen Seile im See an die Betonanker anbringen. Zusätzlich werden sogenannte Betonreiter mit den Seilen verbunden, um mitzuhelfen, dass sich die Pontons bei starkem Wind und entsprechendem Wellengang nicht mehr aufschaukeln können. Jeder Reiter bringt rund 800 Kilo auf die Waage. Es gibt zusätzlich eine Kreuzverspannung, und der Wellenbrecher wird auch zusätzlich gesichert, um im Fall eines Falles Gegenzug aufzubauen.

Es sei Wahnsinn, was Wind und Wasser für Kräfte entwickeln können. Bei Windböen von elf, wie sie bei Herwart der Fall waren, bauten sich Wellen von 1,50 Metern Höhe auf. Zudem schaukelte sich der Wellbrecher auf. „Wie bei einem Gartenschlauch muss man sich das vorstellen“, schildert Stübner.

Als vor zehn Jahren die Pontons für den ersten Hafenabschnitt gebaut wurden und der damalige Hafenmeister Arndt Gundlach ein wenig später die Idee vom ersten Leuchtturm im Seenland entwickelte, war daran nicht zu denken. Teile der ehemaligen Spitze des Löbauer Fernsehturms kamen so zu neuen Ehren. Rot-weiß angestrichen, war und ist der Leuchtturm ein beliebtes Fotomotiv. Und nicht zu vergessen: Mit seinem Dauerlicht und der Warnlampe ist er wichtig für die Hobby-Kapitäne.

Bis Ende der Woche werden die Firmen am Bärwalder See zu tun haben. Auch am Boxberger Anleger müssen sie noch Sturmschäden beseitigen. Dann setzen sie um an den Partwitzer See. Dort muss das schwimmende Haus gesichert werden. „Haben es früher zwölf Anker gehalten, werden es künftig 40 sein“, erzählt Hajo Renker.

Aus Erfahrungen lernt man. Das haben auch die Boxberger. Sie wollen für die Zukunft gewappnet sein. Ein entsprechender Fördermittelantrag ist in Richtung Oberbergamt auf den Weg gebracht worden. Noch ist fraglich, was das Ganze kosten wird.

Wenn die neue Saison beginnt, dann kann der Ponton rund um den Leuchtturm nicht begangen werden. Dieser Einschnitt müsse hingenommen werden, stellt Stübner fest..

Dafür ist ein viel größerer Einschnitt endlich beiseite geräumt. Gerhard Stübner geht davon aus, dass mit dem Saisonstart auch das Kitesurfen wieder offiziell stattfinden kann. Derzeit befindet man sich in abschließenden Gesprächen zur Betonung der Surfareale. Geplant sind diese am Merzdorfer und auch am Klittener Ufer.

Die Kraft des Windes war so stark, dass die Seile gerissen sind und Schäden am Beton verursacht wurden.
Die Kraft des Windes war so stark, dass die Seile gerissen sind und Schäden am Beton verursacht wurden. FOTO: Regina Weiß
Diese Betonreiter sollen den Seilen und damit dem Leuchtturm unter Wasser Halt geben.
Diese Betonreiter sollen den Seilen und damit dem Leuchtturm unter Wasser Halt geben. FOTO: Regina Weiß
Hafenmeister Gerd Stübner Foto: Regina Weiß
Hafenmeister Gerd Stübner Foto: Regina Weiß FOTO: Regina Weiß