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| 14:47 Uhr

Finanzen
Ein klares Bekenntnis zum Glasmuseum Weißwasser gefordert

Das Glasmuseum in Weißwasser gibt es seit 1996.  Gern wird es auch von Schulklassen besucht. Archivfoto: J. Rehle
Das Glasmuseum in Weißwasser gibt es seit 1996. Gern wird es auch von Schulklassen besucht. Archivfoto: J. Rehle FOTO: Joachim Rehle
Weißwasser. Der Förderverein wendet sich im Zuge der Haushaltsdiskussion mit einem offenen Brief an Politiker.

(pm/rw) Dass möglicherweise das Glasmuseum der Haushaltskonsolidierung von Weißwasser geopfert werden könnte, erzürnt alle Mitglieder des Fördervereins Glasmuseum. Unter dem Titel „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, wendet sich der Vereinsvorstand mit einem offenen Brief an die Stadträte von Weißwasser, Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), den Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk sowie die Landtagsabgeordneten Lothar Bienst (CDU), Kathrin Kagelmann (die Linke) und Thomas Baum (SPD).

Hintergrund ist das Haushaltsstrukturkonzept für Weißwasser und die seit geraumer Zeit geführte Diskussion darüber. Dabei geht es auch um Einschnitte im freiwilligen Bereich bei den Stadtausgaben.

In dem Brief, der der RUNDSCHAU vorliegt, heißt es unter anderem: „Das Glasmuseum Weißwasser ist heute das einzige seiner Art in Sachsen und Teil der Route der Industriekultur. Freilich haben sich seit seiner Eröffnung 1996 die Ansprüche an Museen stark verändert. Für die gesellschaftliche Relevanz des Glasmuseums bedeutet das, dass es eine Entwicklung seiner Inhalte und deren Präsentation geben muss.“ Diese Aufgabe geht das Glasmuseum sukzessive an, schreibt der Vorstand. So wurde im zurückliegenden Jahr ein Entwicklungskonzept verfasst, das nun gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Wirtschaft, Stadtgesellschaft und Forschung umgesetzt werden soll. Planungen für das Jahr der Industriekultur in Sachsen 2020 stehen an.

„Um jedoch eine Handlungsgrundlage für die zukünftige Museumsarbeit zu haben, fordern wir ein klares Bekenntnis der Politik für das dauerhafte Bestehen des Glasmuseums Weißwasser“, heißt es weiter. Gleiches gelte für alle anderen bestehenden Kultur-, Sport- und Erholungseinrichtungen der Stadt. „Wir schließen uns damit Gabi Nitsches Fazit ,Nicht nur in Großstädten wie Dresden haben Menschen ein Recht auf Lebensqualität.’ in der Lausitzer Rundschau vom 8. Februar an.“

Die Frage, die die Mitglieder des Vorstandes an die Adressaten ihres Briefes richten, lautet: „Hat man vergessen, dass Weißwasser durch die Glasindustrie erst zur Stadt wurde?“ In Hochzeiten waren in elf Glaswerken und weiterverarbeitenden Unternehmen tausende Menschen beschäftigt. Bedingt durch die marktwirtschaftlichen Konzentrations- und Verdrängungsprozesse und das nicht immer glückliche Agieren der Treuhand nach der politischen Wende sei die ehemals in Weißwasser und der Region Struktur bestimmende Glasindustrie auf ein Maß geschrumpft, die sie gerade noch erkennbar mache. „Tausende wurden in die Arbeitslosigkeit entlassen mit den bekannten Auswirkungen auf das tägliche Leben und die Psyche dieser Menschen. Als nicht messbare, aber dennoch schwerwiegende Größe stellte sich bei ihnen ein allgemeiner ,Phantomschmerz’ ein. Sie hatten zwar kein Körperteil, wohl aber ihre Arbeitswelt verloren. Die Arbeitsstätten waren zu leer stehenden Hallen, Ruinen oder Trümmerfeldern geworden. Die Identität dieser Menschen litt, weil Wurzeln und Traditionen negative Beurteilungen erhielten“, heißt es weiter.

Hier setzten die Überlegungen des 1993 gegründeten Fördervereins Glasmuseum an, bei den ehemals hier Beschäftigten wieder den Stolz auf die damals 120 Jahre Glasindustriegeschichte in Weißwasser zu wecken. Als Vereinszweck wurde in der Satzung festgelegt, den Besuchern die Herstellung des Glases und der Glaserzeugnisse in den verschiedenen Epochen in Weißwasser in einem Museum nahe zu bringen.

1996 wurde anlässlich der Festwoche 444 Jahre Ersterwähnung Weißwasser ein funktionsfähiges Glasmuseum vom Förderverein offiziell an die Stadt übergeben. Für den Umbau der Gelsdorf-Villa zum Museum wurden von den Mitgliedern des Vereins rund 40 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, wird erinnert. Die fachliche Betreuung des Glasmuseums geschieht auch heute noch durch die aktiven Mitglieder des Fördervereins – selbstverständlich ehrenamtlich.

(pm/rw)