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| 14:02 Uhr

Schleife
Ein Kirchspiel, eine Gemeinde?

Mittel- bis langfristig könnten Schleife, Trebendorf mit Ortsteil Mühlrose und möglicherweise auch Groß Düben/Halbendorf zu einer Gemeinde zusammengehen.
Mittel- bis langfristig könnten Schleife, Trebendorf mit Ortsteil Mühlrose und möglicherweise auch Groß Düben/Halbendorf zu einer Gemeinde zusammengehen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Schleife. Die drei Gemeinden des Schleifer Kirchspiels könnten eine werden. Zwei Ortschefs sind dafür. Von Torsten Richter-Zippack

Am 11. November stimmen die Bad Muskauer und Krauschwitzer Einwohner über den Zusammenschluss ihrer beiden Kommunen ab. Warum sollte ein solches Vorhaben nicht auch im Schleifer Kirchspiel möglich sein? Zur Jahresmitte 2018 haben in den Gemeinden Schleife, Groß Düben und Trebendorf insgesamt gut 4500 Menschen gelebt. Zum Vergleich: Bad Muskau und Krauschwitz zählen zusammen knapp über 7000 Einwohner. Kein Wunder, dass der Schleifer Bürgermeister Reinhard Bork für eine Kirchspiel-Gemeinde eine Lanze bricht. „Bezüglich eines Zusammenschlusses werden bei mir offene Türen eingerannt“, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Das Thema werde früher oder später auf die Tagesordnung zurückkehren. „In unserer jetzigen Verwaltungsgemeinschaft gibt es drei Gemeinderatssitzungen. Schon dieser Fakt bedeutet einen riesigen Aufwand. Und unsere Einwohnerzahlen gehen weiter nach unten. Wie lange soll das noch gut gehen?“, fragt sich Reinhard Bork.

Bereits im Jahr 2012 hatte es Bemühungen gegeben, mit der Nachbargemeinde Groß Düben eine gemeinsame Kommune zu bilden. „Es lag bereits ein fertiger Vertrag auf dem Tisch. Letztendlich stimmte der Schleifer Gemeinderat für das Zusammengehen, die Groß Dübener lehnten dagegen ab.“ Daher, so kündigt Bork an, werde von ihm kein neuer Anlauf gestartet.

Tatsächlich haben die Groß Dübener auch sechs Jahre später ihre Meinung zu diesem Thema nicht geändert. „Wir streben keinen Zusammenschluss mit Schleife und Trebendorf an“, stellt Bürgermeister Helmut Krautz klar. Aus seiner Sicht wären dann seine 1100 Groß Dübener und Halbendorfer „Bürger zweiter Klasse“. Krautz begründet diese Aussage unter anderem mit der Sorge um die eigenen Vereine und Einrichtungen. Denn diese würden nicht von der gleichen Förderung profitieren wie ihre Pendants, die durch mehrere Stiftungen entsprechende Unterstützung erfahren. „Solange es geht, bleiben wir eigenständig“, sagt Helmut Krautz. Er fürchte sich auch nicht vor möglichem Druck vonseiten der Landesregierung. „So schnell kommt da niemand aus Dresden. Denn es zeigt sich ja, dass selbst der vor zehn Jahren geschaffene Großkreis Görlitz nichts gebracht hat“, erklärt Krautz, der auch Kreistagsabgeordneter ist. „Ich denke, da lässt man uns in Ruhe.“ Der Groß Dübener hatte damals gegen den Zusammenschluss des Niederschlesischen Oberlausitzkreises mit der Stadt Görlitz und dem Landkreis Löbau-Zittau gestimmt.

Aufgeschlossen steht dagegen der Trebendorfer Bürgermeister Waldemar Locke einem  kommunal einheitlichen Kirchspiel gegenüber. „Wenn die 200 Mühlroser wegen des Tagebaus umgesiedelt werden, haben wir in unserer Gemeinde nur noch 700 Einwohner.“ Er verweist aber auf diverse Vorbehalte in der Bevölkerung bezüglich einer Eingemeindung. Daher würde Locke, falls es dazu käme, auf jeden Fall einen Bürgerentscheid, ähnlich wie in Bad Muskau und Krauschwitz, durchführen lassen. „Dann wissen wir, woran wir sind“, lautet seine Begründung. Gemeinderat Tilo Niemz verweist hingegen auf die Antrittsrede Lockes nach dessen gewonnener Bürgermeisterwahl im September 2017: „Du hast damals gesagt, dass Du, so lange es geht, für die Eigenständigkeit kämpfen wirst.“ Der Angesprochene entgegnet, ausschließlich dem Bürgerwillen verpflichtet zu sein.

Das Kirchspiel Schleife umfasst heute insgesamt acht Dörfer. Schleife, Rohne, Mulkwitz, Trebendorf, Mühlrose, Halbendorf und Groß Düben bilden mit drei Gemeinden die Verwaltungsgemeinschaft Schleife. Lieskau mit seinen rund 220 Einwohnern liegt dagegen im Land Brandenburg und ist seit Ende 2002 nach Spremberg eingemeindet. Ursprünglich zählte auch Neustadt (Spree) zum Schleifer Kirchspiel. Das Dorf ist seit dem Jahr 1914 nach Spreewitz eingepfarrt und gehört seit 1996 zur Gemeinde Spreetal im Landkreis Bautzen.