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| 17:43 Uhr

Jagdwesen
Pförtner am Getreidefeld

 So oder noch schlimmer sehen die Schneisen aus, die das Rotwild ins Kornfeld schlägt.
So oder noch schlimmer sehen die Schneisen aus, die das Rotwild ins Kornfeld schlägt. FOTO: Regina Weiß
Sagar. Bei Jäger Matthias Kruner liegen die Nerven blank: Rotwild streift in großen Gruppen durchs Korn bei Sagar und lässt es sich schmecken. Von Regina Weiß

Das Kornfeld an der Ortslage von Sagar sieht schön aus, aber nur auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin, sieht man die Schneisen oder Löcher, wo alles niedergetrampelt ist. Wer ganz nah rangeht, sieht auch die abgefressenen Ähren. Das Feld ist der reich gedeckte Tisch fürs Rotwild.

Das Feld eines privaten Landwirts aus Groß Düben gehört zum gemeinschaftlichen Jagdbezirk, in dem auch Matthias Kruner seiner Passion nachgeht. 20 Jahre ist er bereits Jagdpächter. Seit 41 Jahren geht er auf die Jagd. Doch der 59-Jährige ist soweit, dass er am Liebsten seine Waffe in die Ecke pfeffern würde.

In den nahe gelegenen Wäldern habe das Rotwild beste Möglichkeiten, sich zu vermehren. Gab es vor rund 15 Jahren in dem Bereich rund 30 bis 40 Tiere, so seien es mittlerweile 300. „Jedes dieser Tiere braucht am Tag acht Kilo Futter“, weiß Kruner. Trockenes Gras lassen sie links liegen, wenn sie volle Ähren haben können.

Neben dem Anwachsen der Population kommt hinzu, dass der Gesetzgeber die Zeit eingeschränkt hat, wo Rotwild gejagt werden darf. Ausnahmen gibt es. Diese müssen beantragt werden und kosten den Jäger zusätzliches Geld. Kruner beantragt jedes Jahr aufs Neue die Aufhebung der Schonzeit, um schießen zu können. Geschossen werden dürfen aber nur ganz bestimmte Tiere.

Um nicht am Ende möglicherweise eine fünfstellige Summe an den bis dato sehr kulanten Landwirt wegen eines großen Wildschadens zahlen zu müssen, hat sich Matthias Kruner notgedrungen seit einiger Zeit aufs Vergrämen der Tiere verlegt. Fast jede Nacht ist er draußen. Schießt in die Luft, macht laute Geräusch, geht mit der Taschenlampe auf die Jagd.

Für seine Aktion hat er sogar einige Jagdkollegen gebeten, ob sie ihm helfen können. 250 Stunden, so hat er zusammengerechnet, hat er sich so bisher um die Ohren geschlagen. Das zehrt an seiner Substanz, merkt er selbst.

„Ich bin jetzt der Pförtner dieses Feldes“, so Kruner. Und für was, fragt er sich. Für herrenloses Wild. Kruner fühlt sich allein gelassen. Der Gesetzgeber, so seine Meinung, hätte schon längst den Handlungsbedarf sehen müssen. Doch passiert sei nichts.

Übrigens trägt auch der Wolf seinen Teil zur Misere bei. Seit er da ist, agiert das Rotwild nur noch in Großrudeln, sieht Kruner fast jede Nacht.

 So oder noch schlimmer sehen die Schneisen aus, die das Rotwild ins Kornfeld schlägt.
So oder noch schlimmer sehen die Schneisen aus, die das Rotwild ins Kornfeld schlägt. FOTO: Regina Weiß