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| 14:46 Uhr

Gastronomie
Ein Herzensprojekt wird Realität

Ela Lindner (2.v.l.) mit Michal, Sylvek, Weronika, Oksana und Familienhund Emely. Zum Team gehören weiterhin zwei Küchenfrauen und später noch ein zweiter Koch. Er arbeitet derzeit noch in England.
Ela Lindner (2.v.l.) mit Michal, Sylvek, Weronika, Oksana und Familienhund Emely. Zum Team gehören weiterhin zwei Küchenfrauen und später noch ein zweiter Koch. Er arbeitet derzeit noch in England. FOTO: Regina Weiß
Haide. Ela Lindner strahlt derzeit mit der Sonne um die Wette. In Weißkeißel setzt sie ihre Idee von einem veganen Restaurant um. Dabei setzt sie auf die Unterstützung von Familie und Freunden.

Die Tomatenpflanzen zeigen schon ihre ersten Blüten. Erdbeeren sind entlang des Zauns gesetzt, genauso wie Aprikosenbäume, Stachelbeer- und Johannisbeersträucher. Einen Steinwurf entfernt wird im Garten gewerkelt. Die Petersilie zeigt an einigen Stellen schon ihr krauses grünes Köpfchen. Sie eröffnet den großen Reigen der Kräuterpflanzen. Das Beet für den Salat ist vorbereitet.

Im Hof der ehemaligen „Grünen Tanne“ in Haide herrscht derzeit reges Treiben. Kein Wunder, ist doch bis zum offiziellen Start am 1. Mai noch viel zu tun. Dann soll im Gasthaus an der B 115 wieder gekocht und bewirtet werden. Das Besondere: Dort wird ein veganes Restaurant eröffnet. „Manche denken vielleicht, das ist jetzt modern“, erzählt Ela Lindner. Doch sie beschäftigt sich schon seit Längerem mit der veganen Küche, um sich und ihrem Körper Gutes zu tun. Mittlerweile weiß sie, dass es unter ihren Mitmenschen durchaus mehr Veganer gibt, als mancher sich das vorstellen möchte. Außerdem ist es auch ein bisschen zurück zu den Wurzeln, zur Natur, die Ela Lindner antreibt.

Seit 2003 ist die gebürtige Polin in Deutschland zu Hause. Ihre Familie lebt in Gablenz. Als das Restaurant in Weißkeißel noch „Restaurace Václav‘s“ hieß, hat sich Ela Lindner auf dem Gelände ausführlich umgesehen. Der Rundgang setzte bei der 39-Jährigen allerhand in Gang. Sie sah, welche Gebäude ungenutzt waren und welches Potenzial in ihnen schlummerte. „Ich war so erfüllt, habe mich hier sofort soooo wohlgefühlt.“ Und sie erinnerte sich an ein Gespräch mit ihrem Mann Steffen, der ein Uhrengeschäft in Weißwasser führt. Ihm hatte sie erzählt, dass, wenn sie sich noch einmal selbstständig machen würde, sie ein Restaurant eröffnen möchte. „Dann sollte es unbedingt ein veganes sein.“

Als klar wurde, dass die Betreiber des Gasthauses in Haide zeitiger als geplant aufhören werden, war das die Chance für Lindners. Steffen Lindner hat den Pachtvertrag für den Hofkomplex geschlossen, damit seine Frau ihren Traum leben kann. „Ich würde ihn jeden Tag wieder heiraten“, lacht sie. Sie weiß, dass ihr Mann ihr den Rücken frei hält, was die bürokratischen Dinge betrifft. Schließlich gibt es auch sonst noch 1000 Sachen zu tun. Denn allein mit dem Restaurant will es die Unternehmerin, die als Servicekraft in verschiedenen gastronomischen Einrichtungen Erfahrungen gesammelt hat, nicht bewenden lassen. „Das Gesamtpaket muss stimmen.“ Deshalb ist der „Naturhof“ mehr als nur Gaststätte. Die Pension soll wieder zum Laufen gebracht werden. Außerdem soll sich ein Lagerraum in einen kleinen, aber feinen Hofladen verwandeln. Gärtnerische Produkte will Ela Lindner ebenfalls anbieten. Eine Barfußzone soll für den Gast ein erholsames Fleckchen sein. Auch Kultur soll auf den Hof an der B 115 regelmäßig einziehen. Von Klavier- und Flötenkonzerten ist die Rede, aber auch von Gesangsdarbietungen. In der ehemaligen Scheune bietet sich Platz genug, um Kurse anzubieten. „Wer weiß denn heute noch, wie Sauerkraut gemacht wird? Dabei ist das so ein toller Vitaminspender“, erfährt die RUNDSCHAU beim Vor-Ort-Besuch. Sich darauf einzulassen, bedürfe es nur eines bisschens Zeit.

Familie und Freunde unterstützen Ela Lindner bei ihrem Vorhaben, wobei sie die künftigen Angestellten dabei schon ausdrücklich mit einschließt. „Wir sind wie eine Familie“, unterstreicht sie. Gesucht und gefunden hat sie das Team in ihrer alten Heimat. Und sie denkt, damit auch ein besonderes Pfund in der Hand zu halten. „Schließlich sind wir Polen für unsere Gastfreundschaft besonders bekannt.“ Und natürlich auch für ihre Küche. Bigos, Pirogen, Rote-Beete-Salat, Soljanka – das alles lasse sich auch sehr authentisch und schmackhaft vegan zubereiten. Gern sind auch Allesesser eingeladen, es einfach mal zu probieren.

Vegane Ernährung bedeutet, sich komplett ohne tierische Lebensmittel zu ernähren. Im Auftrag der Veganen Gesellschaft Deutschland ermittelte das Marktforschungsinstitut Skopos durch repräsentative Befragung, dass im Jahr 2016 1,3 Millionen Menschen in Deutschland vegan lebten.