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| 14:19 Uhr

Schloss und Park Bad Muskau
Ein Heizkanal quer durch den Park

Hier erklärt Astrid Roscher die früheren Standorte der Figuren im Park. Heute ist davon kaum noch etwas erhalten.
Hier erklärt Astrid Roscher die früheren Standorte der Figuren im Park. Heute ist davon kaum noch etwas erhalten. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau. Die Familie von Arnim hat das Muskauer Ensemble nach ihren Wünschen umgestaltet.

Heutzutage würde eine solche Maßnahme sicherlich größten Protest hervorrufen. Doch vor fast genau 100 Jahren war der Bau eines Heizkanals quer durch den Muskauer Park etwas Selbstverständliches. Die rund 150 Meter lange Leitung verband die örtliche Papierfabrik mit dem Neuen Schloss. „Es konnte damit mit Warmwasser versorgt werden“, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Fürst-Pückler-Park, Astrid Roscher, während des ersten von insgesamt drei Spaziergängen im Rahmen der von-Arnimschen-Ausstellung.

Tatsächlich wurde der Heizkanal am unmittelbaren Beginn der Amtszeit von Adolf Graf von Arnim-Muskau als Standesherr in den Jahren 1919/1920 umgesetzt. Adolf hatte erst Anfang 1919 nach dem Tod seines Vorgängers und Stiefvaters Traugott Hermann Graf von Arnim die Muskauer Standesherrschaft übernommen.

Der Heizkanal, so hat Astrid Roscher herausgefunden, forderte im Muskauer Park ein bekanntes Opfer. „Für den Bau musste der Schlossgarten aufgegeben werden“, sagt die Historikerin. Als Ausgleich wurden neue Blumenrabatten angelegt, denen aber kein langes Leben vergönnt war.

Die insgesamt drei Standesherren derer von Arnim regierten in Muskau über 62 Jahre. Jeder brachte seine Wünsche und Vorstellungen in die Schloss- und Parkgestaltung ein. Die mit 36 Jahren längste Amtszeit hatte Traugott Hermann Graf von Arnim, der Muskau anno 1883 erwarb. Der gebürtige Merseburger und Reichstagsabgeordnete ließ unter anderem den Balkon vor dem jetzigen Trauzimmer errichten. Von diesem gab es einst eine Treppe hinunter in den Park.

Darüber hinaus verschönerte Traugott seinen Park mit einer ganzen Anzahl von Figuren, die er unter anderem von einer Italien-Reise im Jahr 1907 mitbrachte. Dazu gehörten zwei Sandsteinvasen sowie eine Porphyr-Säule mit einer Sonnenuhr. Hinzu gesellte sich eine Mannesfigur, ein sogenannter Hermes. Dieser, so hat Astrid Roscher recherchiert, war allerdings schon während der 1930er-Jahre wieder verschwunden. Damals führte Hermann Graf von Arnim-Muskau das Zepter in Muskau. Er galt im Vergleich zu seinen Vorgängern als sparsam.

Manche Kunstwerke haben aber die Wirren der Zeit überstanden. Dazu zählt beispielsweise die Jagdgöttin Diana, eine Bronzestatue aus dem Jahr 1927, die einst im Eingangsbereich zum Blauen Garten ihren Standort hatte. Während sie zu DDR-Zeiten im Moorbad verweilte, wacht Diana heute im zweiten Obergeschoss des Neuen Schlosses im Eingangsbereich der dortigen Ausstellung. Schloss- und Parkführerin Regina Barufke hat recherchiert, dass unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eine Anzahl von Muskauer Figuren zum Landesamt für Denkmalschutz nach Dresden transportiert worden waren. „Dort verliert sich aber jede weitere Spur“, sagt Barufke.

Andere Kunstwerke, beispielsweise die Sandsteinfiguren am Alten Schloss, hatten zwar die Brandkatastrophe des Jahres 1945 überstanden, wurden aber anschließend von den Sockeln gerissen und zerstört.

Der letzte große Schlossumbau fiel indes in die Zeit von Adolf Graf von Arnim-Muskau. Zwischen 1920 und 1925 wurde im Ensemble fleißig gewerkelt. Unter anderem ließ der Standesherr mehrere kleine Räume zu einem großen zusammenlegen, gestaltete den Haupteingang neu und errichtete den Festsaal im Stil der Neorenaissance. Dieser sollte ursprünglich eine opulente Ausstattung erfahren. Doch mangelnde Finanzen ließen Architekt Alfred Breslauer improvisieren. So erfuhren die Wände eine Auskleidung mit reichlich bemalten Pappwänden. Die mussten allerdings später aus Brandschutzgründen wieder entfernt werden.

Einen Traum des Parkbegründers Hermann Fürst von Pückler konnten auch die von Arnims aufgrund Geldmangels nicht umsetzen. Nämlich die drei Hauptgebäude Altes und Neues Schloss sowie Kavaliershaus miteinander zu verbinden. Allerdings soll das Kavaliershaus künftig als Besucherzentrum für den Geopark Muskauer Faltenbogen dienen, verrät Astrid Roscher.

Blick auf den venezianischen Brunnenaufsatz, den Standesherr Traugott Hermann Graf von Arnim im Jahr 1907 aus Italien mitgebracht hatte.
Blick auf den venezianischen Brunnenaufsatz, den Standesherr Traugott Hermann Graf von Arnim im Jahr 1907 aus Italien mitgebracht hatte. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Am sogenannten Altan, einem Balkon mit einer darunter befindlichen Andeutung einer Tropfsteinhöhle, deutet das „A“ auf die von Arnims hin.
Am sogenannten Altan, einem Balkon mit einer darunter befindlichen Andeutung einer Tropfsteinhöhle, deutet das „A“ auf die von Arnims hin. FOTO: Torsten Richter-Zippack