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| 01:04 Uhr

Ein Hauch von Showbusiness

HOYERSWERDA.. Am vergangenen Wochenende wehte ein Hauch von Showbusiness durch die Räumlichkeiten der Hoyerswerdaer Kulturfabrik. Für die Neuinszenierung des Musicals „Malwina“ wurden junge Darsteller gesucht, die ihre Bühnentauglichkeit bei einem Vorsprechen unter Beweis stellen mussten. Von Claudia Löwe

Claudia Teichert ist mächtig nervös. Die 18-Jährige aus Quatitz bei Bautzen hat bisher noch kaum Bühnenerfahrung. „Doch ich würde gern bei dem Musical mitmachen, weil ich gern singe.“ Dass sie das gut kann, beweist die angehende Textilmaschinenführerin den Jurymitgliedern mit den Liedern „Ich wollte nie erwachsen sein“ aus dem Musical „Tabaluga“ und mit Juliane Werdings „Conny Cramer“ . Im Saal vor der Bühne drückt derweil Claudias Mutter die Daumen, die ihre Tochter zum Casting begleitet hat.
Viele der jungen Bewerber beim Casting werden von den Eltern oder von Freunden begleitet – zur moralischen Unterstützung. Das ist auch bei Marianna Brosig aus Hoyerswerda der Fall, die trotzdem sichtlich nervös ist. Die 16-Jährige wurde von ihrem Vater auf das Vorsprechen in der Kulturfabrik aufmerksam gemacht. Bühnenerfahrung hat die Zehntklässlerin bereits en masse gesammelt: Sie ist Mitglied der Theater-AG in der Schule, hat an diversen Schülertheatertreffen teilgenommen und singt auch im Schulchor. „Natürlich unterstützen wir unsere Tochter, wo es geht“ , meint Mama Anne-Katrin Brosig. Doch die Performance vor der Jury auf der Kleinkunstbühne muss die Schülern nun trotzdem ganz alleine bewältigen. Um die Jury von ihren Talenten zu überzeugen, hatte Marianna die Lieder „Goodbye“ und „Killing me softly“ gewählt und eine Szene aus einem Stück vorbereitet, das sie aus der Theater-AG kennt.

Ein Stück für Alt und Jung
Das Bühnenstück „Malwina“ , für das die Kulturfabrik mit dem Casting am Wochenende geeignete Darsteller suchte, wurde bereits Anfang der 80er-Jahre von Liedermacher Gerhard Gundermann und seinen musikalischen Mitstreitern der „Brigade Feuerstein“ verfasst und gespielt. Zu bekannten Melodien von Rockklassikern aus den 70er-Jahren entstanden dafür deutsche Texte. „So waren gleichzeitig Kinder und Erwachsene für das Musical zu begeistern“ , erinnert sich Uwe Proksch von der Kulturfabrik an den großen Erfolg der Aufführungen. „Sogar als Erwachsener hatte man damals Spaß an dem Stück.“
Im Jahr 1998, kurz bevor Gundermann starb, tat sich die Originalbesetzung noch einmal zu einer Wiederaufführung zusammen. „Damals haben wir gemerkt, dass das Stück noch funktioniert und es noch immer Spaß macht“ , so Proksch weiter. Man war sich einig: „Malwina“ darf man nicht in einer Schublade versauern lassen.
Ein weiterer Anlass, das Musical zu reanimieren, ist Gundermanns 50. Geburtstag, den dieser im Februar gefeiert hätte. Und die erneute Einstudierung des Musicals schien ein ideales Geburtstagsgeschenk zu sein. Gefördert wird das Vorhaben übrigens von der „Aktion Mensch“ , die Kinder-, Jugend- und Kulturprojekte unterstützt.
Für die Premiere der Neufassung soll sich am 18. Juni zum alljährlichen Gundermann-Treffen der Vorhang heben. Bis dahin werden wöchentlich Proben stattfinden, die von Elke Förster und Sabine Kopischke im spielerischen Teil betreut werden. Für den musikalischen Teil sind André Bischof von der Yamaha-Musikschule und Bernd Nitzsche, Urgestein der „Brigade Feuerstein“ , zuständig. Der musikalische Ehrgeiz für die „Malwina“ -Aufführung ist groß: Die Musik zum Stück soll mit einer Band live eingespielt werden. Nach der Premiere im Juni soll „Malwina“ und die damit verbundene und investierte Arbeit allerdings nicht sofort wieder in der Versenkung verschwinden. So denke man bereits darüber nach, das Stück für Aufführungen an Schulen anzubieten, verrät Uwe Proksch.
Doch wird „Malwina“ auch zwei Jahrzehnte nach der Erstaufführung das Publikum begeistern können„ „Dieses Musical ist kein Gegenwartsstück, sondern ein musikalisches Märchen und damit immer aktuell“ , ist Uwe Proksch überzeugt. „Der Konflikt zwischen Gut und Böse ist einfach zeitlos.“
Weil die Veranstalter eine gewisse Reife der Darsteller für angebracht hielten, war das Casting für junge Leute zwischen 16 und 24 Jahren ausgeschrieben. 20 Bewerber aus der Region zwischen Cottbus und Bautzen meldeten sich an. Von jedem wurden zwei Lieder und eine kurze Spielszene erwartet, damit sich die Jury ein Bild von den Bühnensternchen in spe machen konnte. Vom hektischen Chaos, das man aus diversen Superstar-Fernsehshows kennen mag, war in der Kulturfabrik allerdings nichts zu spüren. Jeder Casting-Teilnehmer hatte einen Termin bekommen, was stundenlanges Warten verhinderte und die Nervosität zumindest ein wenig zügelte.

Wo sind die Männer“
Besonders erwartungsvoll wurden allerdings die männlichen Bewerber von der Jury erwartet. „Hauptsächlich haben sich nämlich Mädchen für das Casting angemeldet, aber es gibt auch zwei männliche Hauptrollen zu besetzen – die von Tränchen Traurig, der eher ein Jammerlappen ist, und die des Draufgängers Tom Dideldei“ , erzählt Uwe Proksch.
Die vier Mitglieder des Entscheidungsgremiums hatten konkrete Erwartungen an die Bewerber. „Talente im Singen und Schauspielern sind nötig – und auch ein gewisses Improvisationstalent“ , so beschreibt es Jurymitglied Elke Förster. Einen schiefen Ton beim Vorsingen verzeiht die Jurorin aber auf jeden Fall. Und besonders wichtig: Kein Kandidat wird bei diesem Casting heruntergeputzt, jeder erntet anerkennenden Applaus. Das macht Mut.
Ob Claudia und Marianna letztlich zu den Favoriten der Jury gehören, werden sie erst in einigen Tagen erfahren, wenn alle Bewerber schriftlich benachrichtigt werden. Dann geht vielleicht der große Bühnentraum in Erfüllung.