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Ein großer Wels und drei unerlaubte Ruten

Weißwasser. Unter einer Bedingung war Richter Ralph Rehm bereit, das Verfahren gegen den 40-jährigen Ingo P.* aus Oppach und den 32-jährigen Mario M.* aus Wittichenau wegen geringer Schuld einzustellen – diese verzichten auf die Herausgabe der beschlagnahmten Angelgeräte und sind mit einer formlosen Einziehung dieser einverstanden. mtk1

Zur Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Weißwasser war es gekommen, weil die beiden Angeklagten Widerspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt hatten. Dieser war ihnen wegen Verstoßes gegen das Sächsische Fischereigesetz und gegen das Tierschutzgesetz durch die Staatsanwaltschaft Görlitz auferlegt worden. Bei einer Kontrolle im September 2015 durch zwei Fischereiaufseher der Sächsischen Fischereibehörde am Stausee in Quitzdorf waren Ingo P. und Mario M. wegen gleich mehrerer Gesetzesverstöße erwischt worden. Zum einen befanden sich fünf statt der erlaubten zwei Angeln pro Angler im Wasser. Darüber hinaus wurden drei lebende Köder an den Angeln festgestellt und ein nicht artgerecht gehaltener Wels im Wasser vorgefunden, den P. kurz zuvor geangelt hatte.

Wollten Fisch vor Fuchs schützen

In der Verhandlung schilderte der Angeklagte P. zunächst das Geschehen in jener Nacht aus seiner Sicht. Seit 1986 ist er im Angelverein und kommt seit etwa zehn Jahren zum Angeln an den Stausee in Quitzdorf. Mit Mario M. hatte er sich gegen 18 Uhr am See getroffen und anfangs gemeinsam Köderfische, hierbei handelt es sich um 15 bis 20 cm große Rotfedern, gefangen. Diese bleiben dann solange in einem Sauerstoffbehälter, bis sie als Köder gebraucht werden und werden erst dann getötet. Danach sind die Männer mit dem Boot auf den See raus und anschließend ans Ufer zurück, wo sie sich aufs Nachtangeln vorbereiteten. Kurz vor Mitternacht hatte ein 1,50 Meter großer Wels angebissen. Nachdem Ingo P. ihn betäubt und gekehlt hatte, band er ihn an einem Strick fest und brachte ihn circa zehn Meter vom Ufer entfernt wieder ins Wasser. Diese Maßnahme sei aus seiner Sicht notwendig gewesen, erklärte er dem Gericht, weil ein Fuchs in letzter Zeit ihnen den Fisch gern weg geholt hatte.

Von der Kontrolle durch die Fischereibehörde waren sie beide überrascht gewesen. Das bestätigte auch Mario M. in seiner Aussage, der diese Kontrolle als "überfallartig" empfand. Ihre Angelgeräte wurden beschlagnahmt.

Angelart am See bekannt

Als erster Zeuge sagte jener Angler aus, der die Fischereibehörde informiert hatte, als er die beiden Angeklagten am See hat angeln sehen. Diese waren nach seiner Aussage dafür bekannt, dass sie so angeln und hatten daher schon öfter für Unmut unter den anderen Anglern am See gesorgt.

Gemeinsam mit den beiden Behördenmitarbeitern und zwei weiteren Angelfreunden wollte man P. und M. auf frischer Tat ertappen. Die beiden Fischereiaufseher bestätigten als weitere Zeugen den Anruf und die erfolgte Kontrolle vor Ort.

Die dort vorgefundenen drei nicht erlaubten Ruten von P. und der durch Maul und Kiemen angeleinte, aber noch lebende Wels sowie die an den Angeln festgestellten lebenden Köder bestätigten die Gesetzesverstöße.

Nach der Beweisaufnahme und der Feststellung, dass beide Angeklagten bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sind, regte Richter Rehm an, das Verfahren mit der Maßgabe einzustellen, sofern von Seiten der Angeklagten auf die Herausgabe der beschlagnahmten Angelgeräte verzichtet wird und sie mit der formlosen Einziehung dieser einverstanden sind. Beide Angeklagte gaben ihren Verzicht zu Protokoll und das Verfahren gegen sie wurde damit eingestellt.