Bei einer Trauung werde normalerweise in der Kirche über die Liebe gesprochen. "Aber die Liebe gehört doch ganz doll zum Leben", sagt Jadwiga Mahling. Eine Freundin der jungen Pfarrerin weit im Thüringer Land mache schon seit Jahren einen Gottesdienst zum Valentinstag. "Der kommt dort sehr gut an." Nun wagt Jadwiga Mahling mit ihrem Gemeindekirchenrat ebenfalls dieses Experiment. Dass der diesjährige Valentinstag auf einen Sonntag fällt, komme der Idee entgegen. Außerdem sei das mit dem christlichen Fest an diesem Tag absolut nicht an den Haaren herbeigezogen. Denn der Valentinstag geht auf eine christliche Legende um den Bischof Valentin von Terni zurück. Dieser setzte sich im dritten Jahrhundert über staatliche Restriktion hinweg und traute heimlich liebende Paare. Seither gilt er als Patron der Liebenden und Heiliger der Zärtlichkeit, -bringt es Werner Karg vom Kirchenrat auf den Punkt.

Es sei gut, so die Pfarrerin, sich einmal die Zeit zu nehmen und sich zu fragen: "Was ist es, was unsere Beziehung zusammenhält?"

Im vorigen Jahr wurde einmal zu einem Frauenfrühstück in die Kirche eingeladen. "Wir gaben diesem den Titel: Verliebt, verlobt, verheiratet und dann . . . Daran knüpfen wir am Sonntag an." Liebe könne man nicht anfassen, sie lasse sich nicht kaufen und auch nicht erzwingen. "Sie ist ein Geschenk." Die Pfarrerin selbst weiß, dass man an einer Beziehung auch arbeiten muss. Darüber spreche sie ganz offen. Und genau das erhofft sich Jadwiga Mahling auch am Sonntagnachmittag von jungen Leuten und Junggebliebenen. Gemeinsam mit Carolin Jakob und Michael Scheller gestaltet die Pfarrerin den Gottesdienst. In ihrer Predigt werde es zum Beispiel um das Hohelied der Liebe gehen. Die Kirche wird am Valentinstag besonders beleuchtet sein, "natürlich rotfarben", alles soll festlich gestaltet werden.

"Wir feiern nicht im großen Kirchenschiff, sondern im Altarraum, und auf dem Altar stehen am Sonntag Rosen." Jadwiga Mahling ist gespannt, wie das Experiment angenommen wird.

Vor knapp anderthalb Jahren trat sie die Pfarrstelle in Schleife an. Mit ihrer Familie habe sie hier eine Heimat gefunden. Die Kinder fühlen sich wohl, ihrem Mann gefalle die Arbeit sehr an der Grundschule Schleife, wo er Sorbisch, Mathe und Religion unterrichtet, und ihr die Arbeit in der Kirchgemeinde. "Es macht mir viel Spaß und Freude." Jadwiga Mahling denkt zum Beispiel an den Glaubenskurs, den sie ins Leben rief. "Weil ich selbst gern kritisch nachdenke, sind das immer interessante Gespräche mit Menschen, die dem Glauben eher fernstehen." An sechs Abenden trifft sie dazu 30- bis 50-Jährige.