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| 14:47 Uhr

LR vor Ort
Ein Gerücht und keine Versprechungen

 Beim RUNDSCHAU-Forum zur Bürgermeisterwahl in Bad Muskau haben sich 130 Leser im Kaffee König eingefunden.
Beim RUNDSCHAU-Forum zur Bürgermeisterwahl in Bad Muskau haben sich 130 Leser im Kaffee König eingefunden. FOTO: Christian Köhler
Bad Muskau . Beim Bürgermeisterforum der RUNDSCHAU in Bad Muskau haben die beiden Kandidaten Frank Budszuhn und Thomas Krahl Rede und Antwort gestanden. Und plötzlich geht es um die Turmvilla. Von Christian Köhler

Bevor sich die beiden Bürgermeisterkandidaten für Bad Muskau beim RUNDSCHAU-Forum den Fragen der Bürger gestellt haben, hieß es im Kaffee König: Stühle schleppen. Rund 130 Einwohner haben die von RUNDSCHAU-Reporterin Regina Weiß moderierte Veranstaltung zur Wahl des neuen Bürgermeisters der Parkstadt ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Immerhin geht es nicht mehr und nicht weniger um die Frage, wer künftig ins Rathaus einzieht.

Dass dabei die Turmvilla plötzlich wieder eine Rolle spielt, hat vorher wohl keiner geahnt. „Es geht das Gerücht um, dass Sie den Verein Turmvilla wiederbeleben wollen, um die Kita wieder in freie Trägerschaft zu übernehmen“, richtet sich die Reporterin an Frank Budszuhn, der als parteiloser Kandidat antritt. Der ist darauf vorbereitet und berichtet von „unsäglichen Anschuldigungen“ in Sozialen Netzwerken, „von haltlosen Unterstellungen“ gegen ihn. „Ich bin extrem aufgeregt darüber“, gibt er zu verstehen. Denn zu keinem Zeitpunkt habe er die Absicht gehabt oder auch nur geäußert, er wolle die Trägerschaft der Kita von der Stadt auf einen neuen Verein übertragen.

2015 nämlich ist der Turmvilla-Verein in die Insolvenz gegangen. Mit der Übertragung der Kita an die Stadt hat die nicht nur enorme Kosten zu schultern, sondern auch Schulden aufnehmen müssen. In Gesprächen mit den Mitarbeitern der Kita habe sowohl Frank Budszuhn als auch Thomas Krahl (CDU) erfahren, dass die in Trägerschaft der Stadt befindliche Kita gut aufgestellt sei, keiner eine Ausgliederung wolle. „Und dabei bleibt es“, so Budszuhn. Er lasse im Übrigen prüfen, ob es noch rechtliche Konsequenzen haben könnte, was in sozialen Netzwerken verbreitet worden ist. Der Verfasser von besagtem Post ist bei der Debatte nicht anwesend.

 Bürgermeisterkandidat Thomas Krahl (CDU).
Bürgermeisterkandidat Thomas Krahl (CDU). FOTO: Christian Köhler

Dass Bad Muskau eine Kleinstadt ist, in der schnell Gerüchte aufkommen, lässt fragen, wie die beiden Kontrahenten, sofern sie gewählt werden, die Bürger mitnehmen wollen. „Jede Stadtratssitzung ist öffentlich“, betont Thomas Krahl, der sich wünscht, dass mehr Bürger ihr beiwohnen. Dort lassen sich Fragen direkt beantworten. Ferne will er mehr Bürgerforen, könne sich vorstellen, einen Kummerkasten am Rathaus einzurichten. Frank Budszuhn indes habe bei Gesprächen mit Einwohnern und Unternehmern festgestellt, „dass vonseiten der Stadt lange keiner bei ihnen war“. Er habe sich deshalb vorgenommen, stärker den persönlichen Kontakt zu suchen. Ein Modell, was beispielsweise in Weißwasser durch Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) funktioniert, auf dem Marktplatz mit den Leuten zu sprechen, könne er sich vorstellen.

 Frank Budszuhn will auch Bürgermeister werden.
Frank Budszuhn will auch Bürgermeister werden. FOTO: Christian Köhler

Nach den wichtigsten Projekten gefragt, nennt Thomas Krahl seine drei wichtigsten: „Im Bereich des Tourismus sehe ich eine große Chance für die Stadt im Niederländischen Hof und den Eiskellern“, sagt er. Ferner trete er für den Bau eines Parkhauses ein und sieht im Ausbau der E-Mobilität Entwicklungschancen. „Die Entwicklung einer Parkbahn könnte Touristen noch länger hier halten“, schwebt Thomas Krahl ein größeres Projekt vor. Frank Budszuhn indessen will die Attraktivität der Stadt steigern. „Ohne junge Familien werden wir nicht weit kommen“, sagt er. Steuerliche Entlastungen für Unternehmen beispielsweise würden Arbeitskräfte anziehen.

Gerade bei der finanziellen Lage der Stadt sieht der freie Kandidat Handlungsbedarf. „Die Stadt hat die Pflicht, vom Strukturwandel zu partizipieren“, fordert Budszuhn. Er weiß darum, dass mit der Wende Industrie in Bad Muskau „plattgemacht“ wurde. „Was sich entwickelt hat, ist der Park und es ist nun unsere Aufgabe, auf Augenhöhe mit der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau die Stadt voranzubringen“, sagt er. In Sachen Parkhaus will er sich nicht gänzlich verschließen, „aber von den Folgekosten der Betreibung habe ich noch nichts gehört“, argumentiert er. Mit aller Kraft wolle er sich hinter die beantragte Bedarfszuweisung stellen, die Bad Muskau nach der gescheiterten Fusion mit Krauschwitz Anfang des Jahres gestellt hat. Hinter dem Antrag steht auch Thomas Krahl, der als Stadtrat die finanzielle Lage seit Jahren kennt.

Beide betonen aber, dass sie nichts versprechen können, was sie nicht halten können. Wenn Erik Schobner (Stadtrat/CDU) etwa fragt, wie die Vereine besser unterstützt werden können, wissen beide Kandidaten um die leeren Stadtkassen. „Wir haben 2019 und 2020 20 000 Euro für die Vereine eingeplant“, sagt Thomas Krahl. Frank Budszuhn wirft ein, „dass das Geld vom Freistaat kommt und an keine Bedingungen geknüpft ist“. Was nach 2021 wird, wisse niemand. Budszuhn würde lieber die Sportstätten besser auslasten, die Vereine dazu bringen, etwa mehr Sportarten anzubieten, „damit die Kinder nicht nach Weißwasser fahren müssen“.

Siegmar Nagorka (Stadtrat/CDU) interessiert, ob die Bürgermeisterkandidaten eine Verwaltung führen können. Das trauen sich beide zu. Das Problem, dass viele der Rathausmitarbeiter in den nächsten Jahren in den Ruhestand wechseln, ist nicht besprochen worden. Karsten Heinze, der bei der Feuerwehr aktiv ist, fragt nach Problemlösungen, wie die Kameraden schneller ausrücken können – „bei dem Verkehr“. Thomas Krahl stellt sich vor, ein neues Verkehrsleitsystem für Bad Muskau auf den Weg zu bringen. Das, so Frank Budszuhn, sei tatsächlich ein Weg. „Allerdings ließe sich der Shuttle-Service vom Eiland-Parkplatz auch wieder aktiveren“, erklärt er. Und: „Wir müssen Druck auf den Kreis machen, denn in Polen ist es auch möglich, alle 30 Meter einen Zebra-Streifen zu platzieren.“

 Karsten Heinze spricht Belange der Feuerwehr Bad Muskau an.
Karsten Heinze spricht Belange der Feuerwehr Bad Muskau an. FOTO: Christian Köhler

Schlechte Einkaufsbedingungen kritisiert Brigitte Schütz. „Wir Senioren müssen mit dem Rollator die Stadt hoch“, sagt sie und fragt: „Was wird mit dem Supermarkt an der Grenze?“

Noch-Amtsinhaber Andreas Bänder (CDU) habe, so erklärt Thomas Krahl, etliche Schreiben verschickt. Allerdings wolle kein Unternehmen den Markt anmieten. Da könne die Stadt nichts machen. Krahl stellt allerdings einen Shuttlebus in Aussicht, der Senioren zum Einkaufen bringt. Das unterstützt auch Frank Budszuhn.

 Brigitte Schütz geht es um Einkaufsmöglichkeiten in Bad Muskau.
Brigitte Schütz geht es um Einkaufsmöglichkeiten in Bad Muskau. FOTO: Christian Köhler

Insgesamt sehen sich beide Kandidaten in der Lage, „die großen Fußstapfen, die Andreas Bänder hinterlässt, auszufüllen“. Frank Budszuhn hat mit Sachkenntnis und vielen Fakten aufgewartet, versucht, seine politische Unerfahrenheit wett zu machen. Thomas Krahl unterdessen wirkt seit zehn Jahren im Stadtrat, will „Bewährtes erhalten und die Kontakte nutzen“.

Laut Hauptamtsleiter Dirk Eidtner steht das Wahlergebnis am Sonntag, 1. September, voraussichtlich gegen 21 Uhr fest. Zuvor wird das Ergebnis der Landtagswahl ausgezählt.