| 17:16 Uhr

Pyrotechnik
Ein gefährliches Mitbringsel

Pressesprecher Michael Engler zeigt Attrappen von Pyrotechnik.
Pressesprecher Michael Engler zeigt Attrappen von Pyrotechnik. FOTO: Regina Weiß / LR
Ludwigsdorf/Bad Muskau. Für die Bundespolizei ist Bad Muskau der Schwerpunkt bei der Einfuhr von verbotenen Feuerwerkskörpern.

Sie heißen Cobra, Krachman, Circo-Blitz, Action und Nitro Fx. Und sie versprechen in ihrer Aufmachung, dass sie ordentlich was hermachen, wenn sie sich einmal für ihr Schauspiel entzündet haben. Doch wenn es nach den Mitarbeitern der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf geht, dann sollten Krachman und Co. in keiner Weise von sich reden machen. Erst recht nicht als Mitbringsel vom Polenmarkt.

Doch genau das wird in diesen grauen Herbsttagen wieder öfter der Fall sein. Für die Inspektion Ludwigsdorf – sie ist für den 65 Kilometer langen Grenzabschnitt zwischen Bad Muskau-Köbeln und Hagenwerder zuständig – Anlass genug, um zu einem Gespräch einzuladen. Für Pressesprecher Michael Engler ein klarer Fall von Prävention.

Denn was die Einfuhr von nicht zugelassener Pyrotechnik betrifft, erwarten die Bundespolizisten jetzt die Hochzeit. 2015 haben sie in 56 Fällen Ermittlungsverfahren eingeleitet. 2016 waren es 87 Fälle. In diesem Jahr sind es Ende des dritten Quartals bisher 33 gewesen. Wobei sich diese Zahl steigern wird. „80 Prozent unserer Feststellungen fallen ins vierte Quartal“, weiß Michael Engler mit Blick auf die Statistik. Schwerpunkt ist neben der Autobahn vor allem der Grenzübergang in Bad Muskau. Nicht verwunderlich bei der Nähe zum Markt in Leknica (Lugknitz), wo die Knaller teilweise ganzjährig angeboten werden. Ein gefährliches Unterfangen mit Blick auf die Massen, die dort teilweise lagern. Nicht von ungefähr sind die Bundespolizisten, die verbotene Knaller sicherstellen und in den Bunker nach Ludwigsdorf transportieren, besonders geschult. Und das Sprengen unternehmen entweder eine externe Fachfirma oder die Entschärfer der Bundespolizei auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz. Michael Engler habe dort schon eindrucksvolle Bilder gesehen. Allein das spreche für die Gefährlichkeit der nicht geprüften Waren. Bunte Farben und Glitzer mögen täuschen, doch sie gehen einher mit sehr lauten Knallgeräuschen und umherfliegenden Betonteilen, die als Abdeckung für das Feuerwerk verwendet werden. „Kugelbomben sind regelrechte Himmelfahrtskommandos. Da hält man ein Streichholz ran und es macht rums“, sagt Jens Seifert vom Ermittlungsdienst der Bundespolizei. Von wegen lange Zündschnur ...

Um die Gefährlichkeit wissend, wollen die Bundespolizisten in so vielen Fällen wie möglich die Einfuhr dieser Pyrotechnik verhindern. Dabei verlassen sich die Beamten bei ihren Kontrollen voll auf ihre Intuition. Denn ein Rezept gibt es nicht. Die Knaller können unter dem Reserverad im Kofferraum versteckt sein oder in der Einkaufstüte getragen werden. Sie werden von jugendlichen Tüftlern und Bastlern, von „Fußballfans“, von Familienvätern oder von der Oma gekauft, die ihrem Enkel die Knaller vom Polenmarkt versprochen hat. Das habe es alles schon gegeben.

90 Prozent der Anzeigen betreffen Deutsche, so Engler. Im Durchschnitt bringen die Einkäufer 110 bis 150 Kilogramm Explosivmasse (brutto) nach Deutschland. Neben dem Strafbefehl, den es dafür vom Staatsanwalt gibt, schickt auch die Bundespolizei einen Bescheid für den Transport und die Vernichtung des Feuerwerks. 2016 beliefen sich diese Forderungen aus der Dienststelle Ludwigsdorf auf rund 7244 Euro. Die größte Einzelsumme kam auf 355 Euro. So wurde aus einem „Schnäppchen-Einkauf“ eine sehr teure Angelegenheit.

Solche Betonteile fliegen durch die Luft, wenn die Knaller aus Polen angezündet werden.
Solche Betonteile fliegen durch die Luft, wenn die Knaller aus Polen angezündet werden. FOTO: Regina Weiß / LR