ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:14 Uhr

Kunst
Ein Experiment für Bad Muskau

Das Kunstwerk von Ewa Axelrad zieht nicht nur die Blicke auf sich.
Das Kunstwerk von Ewa Axelrad zieht nicht nur die Blicke auf sich. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Die Ausstellung „Beyond the river“ (Jenseits des Flusses) ist bis zum 31. Mai im Neuen Schloss von Bad Muskau zu sehen. Von Regina Weiß

Grauer Beton auf der einen Seite. Ein menschlicher Torso auf der anderen. Hat eine  Panzersperre, eine Grenzbefestigung oder ein Wellenbrecher den Mensch zurückgeworfen? Erst beim zweiten Blick werden im Beton Hände sichtbar, die sich um einander schließen.

Die beschriebenen Arbeiten stammen von Ewa Axelrad und sind für die neue Ausstellung in Bad Muskau entstanden. Für die in Gliwice (Gleiwitz) geborene und in London lebende Künstlerin spielte die Wahrnehmung des Flusses im Park eine zentrale Rolle. Die Neiße trennt und verbindet zugleich. „Im aktuellen politischen Diskurs taucht das Motiv der Grenze dagegen verstärkt als Barriere gegen eine flutende, unaufhaltsame Bedrohung auf“, heißt es im Ausstellungskatalog dazu.

Mit „Beyond the river – Künstlerinnen im Dialog mit dem Muskauer Park“ gibt es im Muskauer Schloss eine Ausstellung, die die Pücklerstadt so noch nicht gesehen hat. Moderne Kunst, wie sie sonst in Basel, Venedig, bei der documenta in Kassel oder in Paris zu sehen ist, macht Station in der Oberlausitz. Das ist nur möglich, weil zwei sächsische Kultureinrichtungen zum dritten Mal zusammenarbeiten: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. „Es ist zeitgenössische Kunst auf der Höhe der Zeit“, erklärt Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums.

Zu sehen sind sechs Installationen und ein Film. Gezeigt werden sie im Neuen Schloss und im Kavalierhaus beziehungsweise befinden sich im Schlosspark. So starten zehn Thuja-Heckenpflanzen den Angriff auf das Schloss. Noch sind sie weit von diesem entfernt. Am Ende des Ausstellungszeitraums werden sie im Schlossinnenhof angekommen sein. Maria Loboda ist dafür verantwortlich. „Die rätselhafte Choreografie der Pflanzen, die zuerst als klassische Stilmittel der Landschaftsgestaltung wahrgenommen werden. ahmt Militärstellungen nach und verrät sich als gezielter Angriff einer gut getarnten Armee“, verrät der Katalogtext zur Ausstellung.

Deutlich ist Samstag eins zu merken: Die vielen Besucher der Ausstellung – der Festsaal ist zur Eröffnung sehr gut gefüllt – brauchen Hilfe, wenn sie sich auf die Kunstwerke einlassen wollen, diese lesen lernen. Da kann der kleine Katalog hilfreich sein oder die Führungen, die die Staatlichen Kunstsammlungen in den nächsten Wochen anbieten (siehe Infobox).

Mit dem Schloss, so Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, habe man eine „fantastische Hardware“, die sich für die unterschiedlichsten Veranstaltungen eignet. Doch für das Bespielen brauche man Partner. Dass man nun nach Ausstellungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert der zeitgenössischen Kunst Raum gibt, könne für die Außenwirkung von Park und Schloss nur gut sein.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident des Freistaates, freute sich in seiner Heimat eine solche Ausstellung zu eröffnen. Mit Abstrichen am Kulturhaushalt sei ein kommunaler Haushalt nicht zu konsolidieren. „Aber man würde Künstlern die Chance zur Inspiration nehmen“, so Ministerpräsident Michael Kretschmer.