ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:06 Uhr

Asyl
Ehrenamtliche kritisieren Schließung in Weißkeißel

Weißkeißel. Vorwurf: Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.

„Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke“ finden die ehrenamtlichen Betreuer der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Weißkeißel. Ausgangspunkt ist die Veröffentlichung, dass die Unterkunft zum 31. Januar schließt. Sie haben nun ein Schreiben an Landrat Bernd Lange (CDU) geschickt, in dem sie ihre Bedenken und ihre Empörung über die Entscheidung auflisten. Das Schreiben wurde der RUNDSCHAU übermittelt.

Die Umsiedlung der Familien gestalte sich schwierig. „Alle Erwachsenen besuchen derzeit einen Deutschkurs in Weißwasser, was aus unserer Erfahrung heraus nicht selbstverständlich ist und einen großen Organisationsaufwand erforderte. Zukünftige Kurse sind bei den Bildungsträgern in Weißwasser in Planung“, schreiben die Ehrenamtlichen, deren Namen der RUNDSCHAU vorliegen. Alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen sind in ihren Schulklassen angekommen und fühlen sich wohl, schätzen die Ehrenamtlichen ein. Ein 16-jähriger Jugendlicher aus Afghanistan steht kurz vor seinem Hauptschulabschluss (im Januar beginnen die Vorprüfungen), in verschiedenen Praktika haben Arbeitgeber Interesse signalisiert, einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Omar, sechs Jahre alt und aus dem Libanon, ist erfolgreich in der Förderschule für Erziehungshilfe Rietschen integriert. Rodima, zehn Jahre alte Tschetschenin, hat in kurzer Zeit große Fortschritte in der Förderschule Astrid Lindgren gemacht. „Für all diese Kinder und auch die Erwachsenen ist ein erneuter Wechsel des Umfeldes eine große psychische Belastung. Kann es wirklich beabsichtigt sein, diese Kinder aus ihrem Umfeld zu reißen und ihre Fortschritte zunichte zu machen, nur um Haushaltsmittel einzusparen?“ stellen die Ehrenamtlichen die die Frage. Genauso nach dem Helfernetzwerk im neuen Umfeld. „In der Gemeinschaftsunterkunft des DRK haben wir ein breites Netzwerk zwischen Helfern, Mitarbeitern und Asylbewerbern aufgebaut. Im Landkreis gelten wir als ein positives Beispiel für gelungene Integrationsarbeit“, zählen die Helfer auf. Neben einem Gemeinschaftsgarten und kulturellen Festen gibt es auch ein interkulturelles Café (Impuls-Verein) in Weißwasser. Außerdem engagieren sich das Spielmobil, die Bundespolizei, der Jugendmigrationsdienst und der Spinnnetz-Verein. Alle jene und die ehrenamtlichen Helfer finden nun, dass ihr Engagement zunichte gemacht wird . „Wir haben Verständnis für die Haushaltslage des Kreises, denken jedoch, dass die Erhaltung der Gemeinschaftsunterkunft oder die dezentrale Unterbringung in der Region Weißwasser nachhaltiger ist“, geben die Ehrenamtlichen zu bedenken. Die Konzentration auf Gemeinschaftsunterkünfte im Oberland halte man nicht für sinnvoll, weil es dort unter anderem Drogenprobleme geben soll.