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Dreister Dieb klaut Audi "direkt ab Werk"

Audi-Fahrzeuge stehen am 15.03.2017 in Ingolstadt (Bayern) vor dem Audi-Forum.
Audi-Fahrzeuge stehen am 15.03.2017 in Ingolstadt (Bayern) vor dem Audi-Forum. FOTO: Armin Weigel (dpa)
Görlitz. So dreist muss man erst einmal sein: Ein Autodieb soll in Ingolstadt vier Audi gestohlen haben – und zwar direkt ab Werk, vom Fabrikparkplatz. Ab Montag steht der 36-Jährige in Görlitz vor Gericht. Ihm werden Straftaten im Wert von über 800 000 Euro zur Last gelegt. Bodo Baumert

Insgesamt 32 Diebstähle von Pkw umfasst die Anklage gegen den 36-Jährigen, der ab Montag vor dem Landgericht in Görlitz vor Gericht steht. Mindestens seit 2013 soll sich der Mann aus Zielona Gora mit anderen zusammengetan haben, um Autos in Deutschland zu klauen, über die Grenze zu bringen und in Polen zu Geld zu machen. Gegen vier der Männer laufen ebenfalls Strafverfahren, wie Richterin Viola Preuß vom Landgericht auf Nachfrage bestätigt. Die Bande soll aber insgesamt noch größer gewesen sein.

Den wohl dreistesten Coup legte die Bande im Frühjahr 2013 hin, als sie vier fabrikneue Pkw im Wert von 300 000 Euro erbeutete. Laut Anklageschrift klauten sie diese "direkt ab Werk" aus dem Audi-Werk in Ingolstadt.

Ihre weiteren Diebeszüge führten sie vor allem in den Raum Dresden, aber auch bis nach Berlin und nach Süddeutschland. Der Gesamtwert der entwendeten Fahrzeuge beläuft sich laut Richterin Viola Preuß auf rund 817 000 Euro. Ziel der Bande waren meist hochwertige Autos.

Schwierig ist in solchen Fällen, den jeweiligen Angeklagten die einzelnen Fälle zuzuordnen, da diese, wie auch in dieser Bande, in wechselnder Tatbeteiligung auftreten. Öffnen, abtransportieren, schmuggeln und verkaufen der gestohlenen Autos liegt in verschiedenen Händen. Im nun beginnenden Prozess sieht es aber gut aus. Der Angeklagte habe im Ermittlungsverfahren ein umfassendes Geständnis abgelegt, berichtet Richterin Preuß. Nach dem Prozessauftakt am Montag sind vorerst zwei weitere Verhandlungstage angesetzt, am 1. und 7. September.

Der Fall ist typisch für die Kfz-Kriminalität in Deutschland. Zwar waren laut Bundeskriminalamt (BKA) zwei Drittel der ermittelten Täter im vergangenen Jahr Deutsche. Unter den ausländischen Tätergruppen stellen aber nach wie vor Polen den größten Anteil. 1680 Tatverdächtige aus dem Nachbarland hat das BKA 2016 ermittelt, insgesamt gab es laut dem kürzlich veröffentlichten "Lagebild Kfz-Kriminalität" 17 000 Tatverdächtige.

Der Anteil der polnische dominierten organisierten Verbrecherbanden ist im Vorjahr zwar gesunken, dennoch bleibt ihre Fähigkeit, Schäden anzurichten hoch, so die Einschätzung des BKA.