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| 17:10 Uhr

„8ung! - 8 Beine - 8 Augen“ in Schleife
Dreifache Premiere in Schleife

Passend zur Ausstellung war Wolfgang Kotissek gekleidet. Das T-Shirt mit der vergrößerten Spinne musste einfach sein.
Passend zur Ausstellung war Wolfgang Kotissek gekleidet. Das T-Shirt mit der vergrößerten Spinne musste einfach sein. FOTO: Weiß Regina / Weiß
Schleife. Wolfgang Kotissek erlaubt faszinierende Einblicke in die Welt der Spinnen. Von Regina Weiß

Kazumi Hashimoto entführt am Freitagabend in eine ganz besondere Klangwelt.

Wer seine Fantasie mit den Tönen der Harfe auf Wanderschaft schickt, der sieht Tautropfen wie sie sich in einem feinen Gewebe verfangen. Könnte ein Spinnennetz sein, auf dem die Tropfen mitschwingen. Passend zur Jahreszeit und passend zum Thema der neuesten Ausstellung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife (SKC).  Die heißt „8ung! – 8 Beine - 8 Augen. Faszinierende Einblicke in die heimische Welt der Spinnen“.

Damit erlebt das SKC gleich mehrere Premieren. Auch wenn dem Team des SKC Spinnen nicht unbekannt sind,  gab es bisher aber noch keine Ausstellung über dieselben. Und mit Kazumi Hashimoto erklingt erstmals Harfenmusik bei einer Ausstellungseröffnung. Das hatte sich der Ausstellungsmacher – der Halbendorfer Wolfgang Kotissek so gewünscht. Denn Spinnweben können durchaus auch wie die Saiten einer Harfe aussehen.

Das hat Wolfgang Kotissek erst jüngst selber erlebt. Mit seinen beiden Enkeln will der 67-Jährige, den viele mit dem Sorbischen Folkloreensemble, mit Dudelsack und Geige verbinden, ein Didgeridoo bauen. Dafür soll Bambus als Material herhalten. Beim Aufsägen der Stange sieht man plötzlich Spinnweben und auch eine Spinne kommt zutage. Sie wird im Glas gefangen und einen Tag später im Senckenbergmuseum Görlitz bestimmt. Es handelt sich um eine Plattbauchspinne.  Doch damit ist noch nicht klar, wie das Tier als Untermieter – übrigens aus China kommend – überhaupt auf Reisen gehen konnte. Denn schließlich wird der Bambus mit Gas besprüht, um eben solche Überraschungen zu verhindern. Wolfgang Kotissek recherchiert weiter.

Freitagabend kann er die Auflösung der Geschichte bieten. Die Spinnenmutter hat in dem Bambusknoten Eier gelegt. Nach 17 Wochen Reise war noch eine Spinne übrig und bei Wolfgang Kotissek gelandet. Da hatte sie ohne es zu ahnen den richtigen Mann ausgesucht. Schon immer hatte er ein Faible für Flora und Fauna. Was bei Wandertagen in der Grundschule begann, wurde beim Biologie-Zirkel oder im Selbststudium gefestigt. 2003 kam für den studierten Mathe- und Physiklehrer noch eins hinzu. Mit der digitalen Fotografie begann er ab 2003 mit Makroaufnahme. Wie viele Fotos es sind, kann er nur schätzen. „Zehntausende bestimmt“, erfährt die RUNDSCHAU.

War schon von einer zweifachen Premiere im SKC die Rede, so ist die Ausstellung für Wolfgang Kotissek ebenfalls eine. Seit 2007 schenkt er seine verstärkte Aufmerksamkeit den Spinnen auf seinem Grundstück. 68 Spinnenarten hat er dort bereits ausgemacht. Und nun rückt er die für ihn faszinierenden Tiere ins Ausstellungslicht.

Es ist schon erstaunlich, was die Tiere mit den acht Beinen und acht Augen alles leisten. Wahrscheinlich bekommen sie zu wenig Achtung. Schließlich vertilgen sie pro Jahr bis zu fünf Millionen Tonnen Insekten. „Wenn die alle noch rumschwirren würden“, so Kotissek. Mit 40 000 Tieren sei die Artenvielfalt schon ein Wahnsinn.

Hinzu kommen die Besonderheiten der Spinnen selbst, die Kotissek erstaunlich findet. So ist die Spinne doch ein Lebewesen, dass das Baumaterial für sein eigenes Haus selbst produziert und es sogar recyclen kann. Die acht Arme werden dazu hydraulisch bewegt, zudem hört die Spinne mit den Haaren. „Süße Tiere“, nennt Kotissek sie auch.

Schon zehn Jahre gibt er sein Wissen bei Vorträgen weiter. „Wer einmal in einem meiner Vorträge war, der ist geheilt“, spielt er auf die Antipathie mancher Menschen bei diesen Tieren an.

Das seien vor allem die Erwachsenen. Kinder seien da offener, hat er erst jüngst wieder die Erfahrung gemacht, als ihn eine Klasse auf seinem Hof in Halbendorf besucht hat. „Sie haben alle die Kreuzspinne über die Hand laufen lassen.“ Danach schärfe sich der Blick der Kinder für die kleinen Dinge, aber durchaus sehr faszinierenden Dinge der Natur.