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| 18:32 Uhr

Einzelhandel
Drei verkaufsoffene Sonntage

Weißwasser. Weißwasseraner folgen einem Vorschlag von Stadtrat Andreas Kaulfuß. Von Gabi Nitsche

Bis zu vier verkaufsoffene Sonntage lässt das sächsische Ladenöffnungsgesetz in einem Jahr zu. Aber wie viel verträgt der Einzelhandel in Weißwasser?

Eine Umfrage unter Händlern hat Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) zufolge ergeben, dass zwei ausreichend sind. Wirtschaftsförderer Thorsten Rennhak und Christine Lehmann von „Perspektive(e) Weißwasser“ hatten sich im Dezember in vielen inhabergeführten Geschäften umgehört. Viele hätten auf die Umsatzzahlen geguckt und den Einsatz der Angestellten. Bei zwei offenen Sonntagen allein im Advent ist der Aufwand schon sehr heftig, hieß es. Außerdem sei argumentiert worden, dass die Leute, wenn Weihnachtsmarkt ist, kaum in die offenen Geschäfte kämen, sondern zum Markt wollen.

So waren auf der Beschlussvorlage im Stadtrat dann auch nur zwei Termine aufgeführt, die außerdem mit dem Stadtverein abgestimmt waren: 25. März – Start in den Frühling – und 23.Dezember – Adventbummel für die Familie. Beide Tage sollen zu einem „Erlebnis Innenstadt“ werden, wie es die Weißwasseraner 2017 für gut befanden. Unter diesem Motto öffneten nicht nur Geschäfte, sondern den Kunden wurde drumherum sehr viel geboten an Kultur und Handwerk.

Andreas Kaulfuß, für die CDU im Stadtrat und selbst Einzelhändler, ist bestürzt, weil es nur zwei offene Sonntage geben soll. Er verglich das mit Spremberg und sprach von fünf Sonntagen in der brandenburgischen Nachbarstadt. „Was ist denn mit dem zweiten Advent?“, erkundigte sich Kaulfuß und brachte das in Zusammenhang mit dem Weihnachtsmarkt.

Pötzsch sagte: „Wegen mir könnte es zehn verkaufsoffene Sonntage geben, aber die Händler müssten es wollen, und es muss gesetzeskonform sein.“ SPD-Stadträtin Kathrin Jung war der Meinung, „wir vertun uns nichts, wenn wir noch zwei aufnehmen.“

Hartmut Schirrock (Wir für Hier/ebenfalls Einzelhändler) hielt entgegen, man würde mit vier Tagen die Kunden verschleißen. Referatsleiterin Ina Kokel wies die Räte darauf hin, dass die verkaufsoffenen Sonntage an besondere Anlässe gebunden sind. Einfach nur die Geschäfte zu öffnen, sei gesetzeswidrig. So lange nicht klar ist, ob am zweiten Advent Weihnachtsmarkt ist oder nicht, schlug der OB einen Kompromiss vor, sollte man es bei zwei Angeboten belassen und kurz vor der Sommerpause noch einmal darüber befinden, ob die Zahl erhöht werden soll. „Wir machen es die ganzen Jahre mit – das kostet Werbung, Mitarbeiter-Energie ... Wir bespaßen die Leute an zwei Sonntagen, das ist okay“, so Hartmut Schirrock. Würden bei vier Sonntagen aber nur 70 Prozent der Geschäfte offen haben, mache der Kunde auf dem Absatz kehrt und fahre nach Bautzen. „Ich denke, bei zwei Sonntagen machen mehr Einzelhändler mit.“

Auch wenn der Stadtverein den Weihnachtsmarkt nicht mehr mache, vermutet Andreas Kaulfuß, gebe es sicherlich anderes. Deswegen würde er an dem 9. Dezember als dritten verkaufsoffenen Sonntag festhalten. Und das nicht, wie vorgeschlagen, von 12 bis 18 Uhr, sondern ab 13 Uhr.  Zwölf Räte sahen das genauso, drei waren anderer Meinung. Damit hatte sich Kaulfuß durchgesetzt. Bei einer Enthaltung stimmten letztlich die Räte für die diskutierten drei Termine.

Stichwort Weihnachtsmarkt. So lange Weißwasser keinen genehmigten Haushalt hat, weiß niemand, ob sich die Stadt überhaupt Zuschüsse für diesen oder ein Stadtfest leisten könne. Auch Verträge können nicht vorher abgeschlossen werden, erklärt Thorsten Rennhak.