Von Christian Köhler

Reporter Jan Fritsche ist schon wieder in anderen Städten Deutschlands unterwegs. Zuvor hat das ZDF-Team sich in Weißwasser umgesehen, ist hier gut einen Monat mit Leuten ins Gespräch gekommen. „Der Fokus liegt darauf, in Orte zu gehen, die nicht täglich auf der Medienagenda stehen“, erklärt er das Anliegen des Projektes. Insofern hat Weißwasser und das nähere Umland in den vergangenen Wochen verstärkt Eingang in die überregionale Berichterstattung gefunden.

In Weißwasser sei der Reporter – trotz derzeitiger Medienskepsis – mit offenen Armen empfangen worden. „Wir hatten einen sehr guten Eindruck und wurden mit offenen Armen empfangen“, schildert er seine Erlebnisse und sagt: „Uns ging es hauptsächlich ums Zuhören.“ Auf unzählige Themen sei das Drehteam dabei gestoßen. Neben dem avisierten Kohleausstieg haben die Bürger vor Ort auch die Probleme bewegt, die im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung stehen. „Gerade, dass so viele junge Einwohner wegziehen, beschäftigt die Leute vor Ort sehr stark“, erläutert Jan Fritsche. Ärztemangel, Grenzkriminalität und ein großes Misstrauen gegenüber der Politik seien ihm begegnet. „Die Zweifel, die die Leute hier haben, sind nach meinem Besuch in Weißwasser durchaus verständlich“, räumt der Reporter im Nachhinein ein.

Schließlich sei den Menschen nach der politischen Wende so vieles versprochen worden, wovon nur ein Bruchteil tatsächlich eingetreten ist. „Selbst nach 30 Jahren Wiedervereinigung gibt es ein Lohngefälle, das verstehen viele in der Lausitz nicht“, berichtet Jan Fritsche. Und statt „blühender Landschaften“ sei ein Strukturbruch eingetreten, hätten Tausende ihren Job verloren. Von der einstmals jüngsten Stadt der südlichen ehemaligen DDR liegt das Durchschnittsalter nunmehr bei 55,6 Jahren.

Und es sei spannend gewesen zu sehen, wie die Weißwasseraner damit umgehen. „Ich habe viel Engagement und Ehrenamt erlebt“, erzählt Jan Fritsche. Sei es im Soziokulturellen Zentrum Telux, beim Eissport Weißwasser oder auch in anderen Vereinen, alle würden sich nach Kräften bemühen, dem Negativtrend etwas entgegenzusetzen.

„Von außen betrachtet ist es leicht zu sagen, die Kohlekraftwerke müssen abgeschaltet werden“, erklärt Jan Fritsche. Aber vor Ort habe erfahren, wie komplex das Thema ist, was die Braunkohle eigentlich für die Stadt und die Region bedeutet. „Es war für mich wichtig zu verstehen, wie die Lausitzer mit dem Kohleausstieg umgehen, zu spiegeln, was die Leute umtreibt.“ Immerhin würden nun Chancen für die Lausitz eröffnet, die mit den Strukturhilfen einhergehen.

Auch dem Thema „AfD“ habe sich das Team angenommen, einen Bürgerdialog in Boxberg besucht. „Uns wurde erzählt, dass die AfD letztlich Protest bedeutet“, schildert der ZDF-Mann. Viele ihrer Wähler hätten selbst Zweifel geäußert, ob die Partei tatsächlich Verbesserungen bewirken kann. Oft sei es vor allem darum gegangen, die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik zum Ausdruck zu bringen.

Die Beiträge über Weißwasser und die Region sind über die ZDF-Mediathek abrufbar.