ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:27 Uhr

Dr. Altmann war ein engagierter Arzt

Weißwasser.. Dr. Hermann Altmannn war einer der besten und engagiertesten Allgemeinmediziner, der meist dort anzutreffen war, wo die Not am größten war und sehr viele seiner Patienten seine Arbeit auch kaum honorieren konnten. Er gab am 15. Oktober 1903 den Einwohnern in der Ortspresse bekannt, dass er als vierter Mediziner nach Weißwasser gekommen sei. Von Lutz Stucka

Er war praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer, der seine erste Praxis im Haus des Restaurants „Zum Prälaten“ , später Gaststätte „Schlachteplatte“ , in der Bautzener Straße eröffnete.
Hier arbeitete er drei Jahre, dann wechselte er um das Jahr 1907 herum ins Wohngeschäftshaus des Kaufmanns Gustav Handrick in der Friedrichstraße, Ecke Bismarckstraße, heute Dr. Altmann-Straße, Ecke Straße der Glasmacher. Am 11. Februar 1904 wurde er als Armenarzt vom Gemeindevorstand gewählt, wo er sich in den folgenden Jahren viele Sympathien bei den Einwohnern Weißwassers erwarb.
Während des ersten Weltkrieges war er Stabsarzt im Kaiserlich-Deutschen Heer und hoch zu Ross unterwegs bei der Verwundetenversorgung. An dieses Fortbewegungsmittel hatte er sich so gut gewöhnt, dass er noch anschließend in Friedenszeiten seine Patienten in und um Weißwasser damit aufsuchte. Später waren es ein Fahrrad, ein Pferdewagen und schließlich ein Auto. Letzteres chauffierte sein Schwager, der auch den Röntgenapparat bediente. Dr. Altmann benutzte als erster Arzt in Weißwasser einen solchen in seiner Praxis und war damit seinen Berufskollegen voraus.
Als im Herbst 1918 wegen der schlechten Ernährungslage eine Grippeepidemie ausbrach, waren die Ärzte in Weißwasser überlastet. Sie forderten, dass Dr. Altmann als Teilnehmer des ersten Weltkrieges zurückbeordert werde, um mitzuhelfen. Er wurde immer gern dahin gerufen, wo es die meisten und schwierigsten Aufgaben zu lösen gab und auch dahin, wo das Elend am größten war. Hier konnte er sich allerdings viele praxisbezogene Fähigkeiten aneignen, die den anderen Weißwasseraner Ärzten, die sich vorzugsweise den besser betuchten Einwohnern zuwandten, meist verborgen blieben. Nach dem Krieg gab es wieder so einen wenig beliebten Posten zu besetzen. Am 4. März 1919 wurde Altmann Mitglied der Armenkommission und gleichzeitig Polizeiarzt.
Dr. Altmann war auch Begründer der kommunalen Jugendbetreuung in Weißwasser. Wohl seine bedeutendste Leistung für Weißwasser war sein Engagement für die jüngsten Einwohner des Ortes. Besonders den Kindern und Jugendlichen schenkte er seine Aufmerksamkeit, sie hatten während der Hungerjahre im ersten Weltkrieg am meisten gelitten. So wurde hier sogar zum Begründer der kommunalen Jugendbetreuung. Ein soziales Aufgabengebiet, das zu dieser Zeit noch keine Selbstverständlichkeit war.
Während der Mangeljahre, die der erste Weltkrieg, besonders während des Kohlrübenwinters 1916/17 mit sich brachte, hatten vor allem die Kinder und Jugendlichen hart zu leiden. Dementsprechend war auch ihr allgemeiner Gesundheitszustand schlecht. Im Rahmen einer Hilfsaktion sollten alle Schulkinder ab November 1920 ärztlich untersucht werden, um den Grad der Unterernährung festzustellen. Dafür wurden einige Weißwasser Ärzte, darunter auch Dr. Altmann, verpflichtet. Kurz darauf gab es die Feststellung, dass Altmann das Problem mit den Kindern allein zu bewältigen habe, denn er war der Armen- und Polizeiarzt. Viele Eltern konnten diese obligatorische Untersuchung nicht bezahlen und so wurde dem Mediziner notgedrungen ab Dezember 1921 nach den schiedsgerichtlichen und tariflichen Bedingungen eine Erhöhung seines Honorars vom Gemeinderat zugebilligt. Dieser medizinische Check der Kinder brachte die längst vermutete Erkenntnis: viele von ihnen waren zum Teil extrem unterernährt. Dr. Altmann riet daraufhin dem Gemeinderat von Weißwasser, die Quäckerspeisung (Schulspeisung) einzuführen, wenigstens für eine gewisse Zeit. Weiterhin sollten vierzigtausend Mark (man beachte, es war die Zeit der Inflation) für die Beschaffung von Bekleidung, besonders Unterwäsche für arme Kinder, bereitgestellt werden. An Tuberkulose- und drüsenkranke Kinder sollten Bäder verabreicht werden, lautete des Doktors dringender Appell. Seine Bitte, dass für diese Kinder das Betriebsbad des größten Glashüttenunternehmens im Ort, die Vereinigten Lausitzer Glaswerke, nur für einige Zeit genutzt werden könne, wurde abgelehnt. Die Gemeindeverwaltung verhandelte nun ihrerseits mit dem Gastwirt Simoßeck in Hermannsdorf, später „Gaststätte Max“ , um seine weitaus kleinere Badeanstalt dafür nutzen zu können, aber auch das führte nicht zum erhofften Erfolg.
Für besonders schwer an Unterernährung erkrankte Kinder bewirkte Dr. Hermann Altmann, dass sie zu einem Kuraufenthalt in die Schweiz reisen konnten und das „ besonders arme Kinder die Kosten von der Gemeindekasse ersetzt bekommen sollten.“

Zeittafel Zahnplombe für eine Mark
1. Oktober 1903. Elf Parteimitglieder gründen im Gasthaus „Waidmannsruh“ , später „Gaststätte Max“ , die SPD-Ortsgruppe Weißwasser. Mit der anwachsenden Industrialisierung entstehen auch soziale Probleme, wie der Achtstunden-Arbeitstag, die betriebliche Krankenversorgung, die Arbeits- und Lebensbedingungen und anderes. Erste politische Forderung nach der Entwicklung des Gesundheitswesens im Ort werden besonders von dieser Partei gefordert.

1903. Der Zahnkünstler Walter Courtois bietet ab 3 Mark Zahnziehen, Plombieren und Reinigung in seinem Atelier am Marktplatz an. „Wer künstliche Zähne möchte, der wende sich an Paul Pochwardt den Aelteren, Atelier für künstlichen Zahnersatz, ,Erstes und größtes Atelier hier am Platze', nach Görlitz. Er bietet Plomben von 1 Mark, vorzügliches Passen künstlicher Zähne bis zur elegantesten Ausführung ab 1,50 je Zahn, umarbeiten alter Gebisse je Zahn 1 Mark, Nervtöten gänzlich schmerzlich für 1 Mark, Zahnziehen mit Betäubung des Zahnfleisches für ebenfalls 1 Mark.“ Unbemittelten bietet Pochward kostenfreie Behandlung der Zähne.