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Donald Trump geht doppelt unter

Die drei Bayern-Mädels auf dem Flug ins Becken.
Die drei Bayern-Mädels auf dem Flug ins Becken. FOTO: igt
Skerbersdorf. Der kleine Neißeort hat am Wochenende wieder von sich reden gemacht. Zum 9. Gaudi- Schanzenspringen strömten schätzungsweise bis zu 500 Besucher in das Freizeitzentrum Skerbersdorf. Sie alle waren gekommen, um die 13 kostümierten Teams bzw. Einzelakteure zu sehen, die sich tollkühn in die Fluten stürzten. Dabei wurde auch die Weltpolitik nicht ausgeklammert. Von INGOLF TSCHÄTSCH / igt1

Maik Vogel steht oben auf dem Schanzentisch. Er ist der erste Starter des Gaudi-Springens an diesem Sonnabend im Freizeitzentrum Skerbersdorf. Mit dem Mann aus Pechern wird die Weltpolitik ins kleine Neißedorf geholt. Denn: Auf Maiks Gefährt ist das Weiße Haus in Washington im Miniformat nachgebildet, versehen mit der amerikanischen Flagge. Unter Klatschen und Gejohle der Zuschauer stürzt die Weltmacht USA mit ihrem Präsidenten in die Fluten und droht unterzugehen. Was sicher viele auf diesem Erdball wünschen, den wild gewordenen Donald Trump endlich verschwinden zu sehen, hat Skerbersdorf an diesem 12. August bereits praktiziert. Wenn auch auf humoristische Weise.

Der Ami-Präsident ist an diesem frühen Abend noch einmal Mode. Tristan Mühl, der Vorsitzende des Freizeitzentrum-Vereins, der das Bad betreibt, hat sich eine Trump-Maske aufgesetzt und macht oben auf der Schanze mit weit ausholenden, Stärke demonstrierenden Gesten auf "Amerika first". Das Motto heißt: Hurra, hurra, die Welt geht unter! Unter den Klängen dieses Rocksongs geht Trump noch einmal baden.

Ansonsten ist Vielfalt angesagt. Wild, auch ein wenig erotisch, melancholisch, romantisch und natürlich originell - so präsentieren sich die Springer dem Publikum. Die Biene Maja ist da, Mr. Bean, Fantomas, Huckleberry Finn, Banana-Joe - bekannte Figuren aus Literatur und Film. Mädels in Bayern-Tracht machen Bekanntschaft mit dem kühlen Nass ebenso wie die drei jungen Grazien mit ihren roten Gummiponys. Ronny Kubin, Sebastian Kliemann, René Vogel, Mike Schmeling, die drei Bayern-Mädels Victoria Fuchs, Madeleine Starke und Anne Nicko sowie die anderen geben ihr Bestes. Das Sprecher-Duo Mathias und Philipp Marko moderiert das Ganze auf lockere, herzerfrischende Weise. "13 Einzelkandidaten bzw. Teams machen heute mit. Drei haben noch nachgemeldet. Mit dieser Zahl liegen wir über der in den vergangenen Jahren, wo zwischen acht und zehn Teilnehmer antraten. Sie alle kommen aus Skerbersdorf, Pechern und Sagar", erklärt Antje Fedtke vom Freizeitzentrum-Verein. Der hat das Bad übrigens schon das zehnte Jahr unter seiner Regie. Also ein kleines Jubiläum. "Hätten wir damals gewusst, was da auf uns zukommt, ich weiß nicht, vielleicht hätten wir die Finger davon gelassen. Es ist schon ein enormer Kraftaufwand, die Anlage zu betreiben. Schließlich sind wir alle älter geworden und haben meist Familie. Aber hätten wir es nicht gemacht, wäre damit Schluss gewesen", fügt Antje Fedtke hinzu.

Dann wird es ernst. Die Stunde der Wahrheit naht - wer ist Sieger geworden? Die Jury hat keine leichte Aufgabe, denn alle haben sich Mühe gegeben und viel Kraft und Zeit investiert. Aber am Ende kann es nur einen Gewinner geben. Es sind die beiden 24-jährigen Tino Schlammer und Theo Brendel sowie der zwölfjährige Tim Schlammer. Die drei aus Sagar haben den Schiffsuntergang der Titanic, angelehnt an den Film mit Leonardo DiCaprio, zelebriert. Die Darbietung mit der bekannten Filmmusik geht regelrecht unter die Haut. Das Trio gewinnt neben dem Pokal als Hauptpreis ein lebendes Schwein.

Karl-Heinz Würfel, ein ehemaliger Pecherner, der in Krauschwitz wohnt, ist einer der interessierten Besucher des Gaudi-Springens. "Ich bin bestimmt schon vier oder fünf Mal hier dabei. Es ist einfach große Klasse, was dieses kleine Dorf auf die Beine stellt. Wenn ich nur an den Aufbau der Schanze denke. Da muss ja auch die Sicherheit stimmen", meint der Senior, der mit Sohn und Enkeln zuschaut. Vereins-Chef Tristan Mühl zeigt sich nach dem Ende des Spektakels zufrieden: "400 bis 500 Gäste, so schätze ich, sind heute nach Skerbersdorf gekommen. Die Kinder haben übrigens freien Eintritt. Die Resonanz zeigt, unsere Veranstaltung hat sich einen guten Namen in der Region gemacht, was uns natürlich freut."

Mit einer DDR-Comedy-Show und Tanz im Festzelt geht es dann im Freizeitzentrum weiter. Ein Höhenfeuerwerk beschließt zu spätabendlicher Stunde das muntere Treiben.