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Domowina sagt Zukunftswerkstatt ab

Schleife. Angsichts der gegenwärtigen ständigen Wechsel von Entscheidungen, was die Fortführung des Tagebaus Nochten betrifft, könne der Domowina Regionalverband Jakub Lorenc-Zalìski nicht an verlässlichen Konzepten arbeiten. Es geht um den Erhalt und die Weiterentwicklung der sorbischen Sprache, Kultur, von Brauchtum und Traditionen. pm/ni

Deshalb sagt der Regionalverband die für den 24. April vorgesehene Zukunftswerkstatt in Schleife ab, informiert Vorsitzender Manfred Hermasch.

Bislang seien die Entscheidungen des Regionalen Planungsverbandes sowie die Genehmigungen durch das Land und die früheren Umsiedlungsverträge die Pfeiler für die sprach- und kulturfördernden Projekte und Maßnahmen gewesen. Es konnte viel davon umgesetzt werden, so Hermasch. "Ich erinnere an das Witaj-Modell im Rohner Kindergarten und an die Weiterführung der Sprachrevitalisierung über das 2plus-Modell an der Grund- und Oberschule in Schleife." Auch die Vereinsarbeit und das Sorbische Kulturzentrum erfuhren Unterstützung. Mit dem Maßnahmenplan der sächsischen Staatsregierung zur Ermutigung und zur Belebung des Gebrauchs der sorbischen Sprache sei es gelungen, dass das Schleifer Sorbisch als Sprache anerkannt wurde. Hermasch betont weiterhin: "Wir hatten uns bereit erklärt, die notwendigen Schritte zur Zertifizierung und deren Anerkennung nach Europarecht voranzutreiben. Das Wörterbuch steht kurz vor der Fertigstellung, an der Grammatik wird gearbeitet."

Dazu hätten auch die Maßnahmen, die bei Umsiedlung zusätzlich notwendig würden, gehört. Aber einer der Pfeiler in der Sprachrevitalisierung sei die Errichtung des zweizügigen deutsch-sorbischen Schulneubaus. Bei der Umsetzung sei man jedoch aus der Startphase nicht herausgekommen, so der Vorsitzende. Dieser bedauere: "Nun wurde das Projekt aber ganz infrage gestellt."

Ausgelöst durch die Verkaufsabsichten der Braunkohlensparte durch den Mutterkonzern von Vattenfall in Schweden, sei im September eine Hängepartie ausgelöst worden. Trotz Willensbekundungen kam es weder zu den neuen Grundlagenverträgen mit Schleife und Trebendorf noch wurden diese, wie angekündigt, paraphiert. Damit sollte ein neuer Eigentümer erkennen, dass sich Gemeinden und Vattenfall inhaltlich einig geworden waren.

Nach der Devise "Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach" hätten sich die Gemeinden zu Kompromissen durchgerungen. "Aber nun ist auch der Spatz weggeflogen", sagt Hermasch. Das Eckpunkte-Papier zum Strommarkt aus dem Bundeswirtschaftministerium veränderte die Situation total.

Unter diesen unsicheren Bedingungen stehe Vattenfall auch nicht mehr zum Neubau des Schulkomplexes. In dieser Phase allgemeiner Orientierungslosigkeit müsse zunächst die Politik Entscheidungen treffen und diese den Betroffenen in der Lausitz nachvollziehbar begründen, fordert der Sorbe.