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| 15:59 Uhr

2019 gibt es vier verkaufsoffene Sonntage
Öffnen alle Händler?

Weißwasser. Weißwasseraner Stadtrat stimmt nach zäher Debatte für vier verkaufsoffene Sonntage in 2019. Von Christian Köhler

Einstimmig hat der Weißwasseraner Stadtrat dafür gestimmt, 2019 vier verkaufsoffene Sonntage zu bestimmen. Der Einstimmigkeit aber ging – wie in fast jedem Jahr in der Sache – eine kontroverse Diskussion voraus. Nicht alle Stadträte nämlich sehen es als sinnvoll an, vier Mal im Jahr die Geschäfte am Sonntag zu öffnen.

Die Stadtverwaltung hatte zunächst mit dem Stadtverein darüber beraten. Gemeinsam ist man dabei, wie Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) erläutert, zu dem Ergebnis gekommen, nur für das kommende Jahr zwei verkaufsoffene Sonntage zu beschließen.

Stadtrat und Einzelhändler Andreas Kaulfuß (CDU) aber beantragte bereits im vorberatenden Haupt- und Sozialausschuss, zwei weitere aufzunehmen. Neben dem avisierten Sommerfest in der Altstadt am 18. August und dem „Erlebnis Innenstadt – Adventsbummel in Weißwasser“ am 22. Dezember sollen nach dem Antrag von Andreas Kaulfuß der 14. April als „Start in den Frühling“ und der 8. Dezember zum Weihnachtsmarkt hinzukommen.

„Ich sehe das wie jedes Jahr kritisch“, meldet sich Stadtrat und Einzelhändler Hartmut Schirrock (Wir für Hier) zu Wort. Wenn es nämlich ein Interesse aller Einzelhändler gäbe, vier Sonntage zu öffnen, sei es zwar sinnvoll, „aber kleinere Geschäfte haben nicht das Personal, dies auch zu machen“, so Schirrock. Seiner Ansicht nach werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht alle beteiligen und „so halten wir dann unsere Kunden zum Narren, wenn nicht alle mitmachen. Und wenn das nicht verstanden wird, sollten wir es bei zwei Sonntagen im Jahr belassen.“

Erwartungsgemäß sieht das Andreas Kaulfuß ganz anders: „Ich kann nicht verstehen, wie ein Händler sich sträuben kann, sein Geschäft nicht zu öffnen. Ein verkaufsoffener Sonntag ist doch eine Chance für alle Händler in der Stadt.“ Aus seiner Sicht wäre es „beschämend“, wenn zum Weihnachtsmarkt die Geschäfte in Weißwasser geschlossen blieben. „Ich möchte alle Händler dazu aufrufen, sich zu beteiligen“, appelliert Kaulfuß. Schon im vergangenen Jahr hatte er beantragt, zum diesjährigen Weihnachtsmarkt die Geschäfte öffnen zu können – „bloß gut, habe ich das gemacht“, erklärte Kaulfuß schon, als im Herbst diesen Jahres feststand, dass es überhaupt einen Weihnachtsmarkt geben wird.

Stadtvereinschef Frank Schwarzkopf wiederum hatte bereits im Oktober erklärt, „es profitiert nicht der Weihnachtsmarkt vom teilweise zeitgleichen verkaufsoffenen Sonntag, sondern es ist umgedreht“. Immerhin würden nur „ganz wenige Einzelhändler“ überhaupt sonntags die Möglichkeit nutzen, ihre Läden zu öffnen, ist sich Schwarzkopf sicher.

„Ich finde es gut, dass überhaupt etwas versucht wird“, wirft Andreas Friebel (Klartext) in die Debatte ein. Aber er hat eine organisatorische Frage: „Der Antrag kommt von ‚Kaulfuß-Marketing’ und von keinem anderen Händler.“ Ob es dann Sinn mache, dem Antrag zuzustimmen, will der Stadtrat wissen.

Torsten Pötzsch (Klartext) fragt, „wer sich überhaupt hinter ‚Kaulfuß-Marketing’ verbirgt?“ Andreas Kaulfuß erklärt, dass „Kaulfuß-Marketing“ Feste organisiert. An Unterstützern und Sponsoren mangele es nicht. Wer aber genau dies alles  macht, sagt er nicht. Torsten Pötzsch schlägt in diesem Zusammenhang dennoch vor, „dass sich Herr Kaulfuß bei der Abstimmung als befangen erklärt. Immerhin will er zwei Sommerfeste machen.“ Dem stimmt Andreas Kaulfuß zu – sehr zum Missfallen von Ronald Krause (SPD), denn „dann sollten sich auch andere als befangen erklären“, erklärt er mit Blick auf Hartmut Schirrock. Stadtjustiziarin Esther Liebal entgegnet, dass es sich hier um „Individualinteressen“ handle und der Antrag ja nicht von Hartmut Schirrock stammte.

Schließlich folgt der Stadtrat dem Antrag, vier verkaufsoffene Sonntage zu erlauben, einstimmig. Danach bemerkt Frank Schwarzkopf: „Eine bessere kostenlose Werbung für sich bekommt man wohl nicht.“