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| 22:53 Uhr

Zukunft des Lausitzer Reviers
„Die Zeiten, wo Sie in den Westen müssen, sind vorbei“

 Der Lausitz-Beauftragte der brandenburgischen Landesregierung, Dr. Klaus Freytag, referiert über die Lausitzer Zukunft vor etwa 40 Jugendlichen in Schleife, die ihren Bundesfreiwilligendienst ableisten.
Der Lausitz-Beauftragte der brandenburgischen Landesregierung, Dr. Klaus Freytag, referiert über die Lausitzer Zukunft vor etwa 40 Jugendlichen in Schleife, die ihren Bundesfreiwilligendienst ableisten. FOTO: Christian Köhler
Schleife. Der Lausitz-Beauftragte referiert in Schleife. Thomas Baum (SPD) fordert im Sächsischen Landtag, die Reichensteuer für Boxberg zu überdenken. Von Christian Köhler

Gerade junge Menschen fragen sich, ob sie in der Lausitz eine Zukunft haben. „Die Zeiten, wo Sie in den Westen müssen, um zu arbeiten, sind vorbei“, richtet sich Dr. Klaus Freytag, Lausitz-Beauftragter der Brandenburgischen Landesregierung, an etwa 40 Bundesfreiwillige in Schleife. Das Bildungszentrum hat ihn am Mittwoch eingeladen, um über die Zukunft der Lausitz zu sprechen. Immerhin, so Seminarleiter Thomas Kornek, befindet sich derzeit vieles im Umbruch, „und die Jungen fragen sich, wie es weiter geht“.

Und da ist Klaus Freytag sehr positiv eingestellt, sieht mit den Ergebnissen der Kommission für Strukturwandel, Beschäftigung und Wachstum viele Chancen für die Region in Sachsen und Brandenburg – gerade für junge Menschen. Gerade der grassierende Fachkräftemangel mache nicht vor den Lausitzer Firmen Halt. „Es gibt starke und innovative Unternehmen, die große Entwicklungschancen im Rahmen des Kohleausstieges haben“, so Freytag. Gerade die Entwicklung von Speichertechnologien sei ein Zugpferd in der Energieregion.

„Für uns als Landesregierung beginnt die Arbeit aber jetzt erst richtig“, sagt Klaus Freytag. Er berichtet vom Sofortprogramm der brandenburgischen und sächsischen Landesregierung, was immerhin 1,7 Milliarden Euro schwer ist. Er nennt Projekte, die nun langfristig angeschoben werden. Etwa, dass vorgesehen ist, die Region an die von der chinesischen Regierung avisierte „Seidenstraße“ anzubinden. „Dazu soll ein großer Warenumschlagplatz, ein Terminal, in Schwarzheide entstehen“, erklärt er. Erste Umbauten am Ruhlander Bahnhof seien bereits angeschoben. Denn die „Seidenstraße“ sei keine Utopie, sondern verkürze den Warentransfer, der derzeit über den Seeweg realisiert wird, um ganze sechs Wochen. „Wir müssen schnell sein, denn auch in Polen hat man die Chance der „Seidenstraße“ erkannt. Es geht nun darum, wer schneller ist.“

Dass es jedoch ein langer Weg ist, sich viele Detailfragen anschließen, das ist Klaus Freytag bewusst. Beispielsweise Schienen- und Straßenneubauten würden eine lange Vorlaufzeit brauchen. Allein der nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaute zweite Schienenstrang zwischen Lübbenau und Königs Wusterhausen sei nicht so leicht zu ersetzen. „Nach der Wende hat man das neue Gleis in die Mitte des Gleisbettes gebaut“, erklärt der Lausitz-Beauftragte. Das habe nun zur Folge, dass für das zweite Gleis Grundstücke gekauft und Planungen mit Behörden- und Bürgerbeteiligung folgen, die Zeitaufwendig sind. „Infrastruktur ist aber wichtig, um Unternehmen anzusiedeln“, weiß der Lausitzbeauftragte.

Das sieht auch der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Baum aus Bad Muskau so. Er streitet seit Jahren für den Neubau der B 178n zwischen Zittau und Cottbus. In seiner Rede im Sächsischen Landtag zeigt er sich zunächst erfreut vom Kohle-Kompromiss: „Das Gute ist, es wird keinen überhasteten Ausstieg geben.“ Allerdings hätte er sich für die Lausitz doch einen längeren Zeitraum gewünscht, denn „die Menschen im Revier wollen nicht nur eine soziale Absicherung. Sie wollen vor allem gute Arbeit“, so Thomas Baum. Wichtig sei nun, dass die Leag im Lausitzer und die Mibrag im Mitteldeutschen Revier ihre Betriebskonzepte anpassen beziehungsweise umstellen können.

Vehement macht sich Baum in diesem Kontext für die Mühlroser in stark. Er fordert, dass der Trebendorfer Ortsteil „in jedem Fall umgesiedelt werden muss“. Die dort lebenden etwa 200 Menschen hätten ein Recht darauf, „dass ihrem gemeinsamen Willen zur Umsiedlung entsprechend endlich Taten folgen“. Schließlich liege der Umsiedlungsvertrag vor, ist im vergangenen Jahr von den Gemeinden Trebendorf und Schleife unterschrieben worden. „Was fehlt ist die Unterschrift der Leag“, konstatiert Thomas Baum. Er bittet die Staatsregierung in den nun folgenden Gesprächen mit dem Bergbaukonzern „hier für Klarheit und Sicherheit zu sorgen“.

Zudem: „Weißwasser, Boxberg Schleife und weitere Kommunen der Lausitz sind beständig konfrontiert mit jahrelangen Forderungen zur Gewerbesteuerrückzahlung aus der Vattenfall-Zeit, worauf auch noch Zinsen fällig sind“, erklärt der SPD-Abgeordnete und fügt an: „Darüber hinaus wird die Gemeinde Boxberg neuerdings wieder zur Reichensteuer veranlagt. Der Unmut darüber ist vor Ort sehr groß. Hier bitte ich unser sächsisches Finanzministerium und Herrn Staatsminister Hass, sich dieses Themas besonders anzunehmen.“