Stellt die Mandaukaserne ein "nationales Projekt des Städtebaus" dar? Nach Meinung der Zittauer Stadträte auf jeden Fall. Zumindest haben sie jetzt beschlossen, sich an dem gleichnamigen Förderprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zu beteiligen und eine Machbarkeitsstudie zu einer möglichen Sanierung und künftigen Nutzung des Objektes zu erarbeiten.

Dabei hatten die Signale noch vor wenigen Monaten eher auf "Abriss" gestanden. Im November sollte der Zittauer Stadtrat darüber entscheiden, einen Förderantrag für das europäische Programm zur Brachflächenrevitalisierung zu stellen. Im Zusammenhang damit hatte die Verwaltung den Abgeordneten den Kauf des Grundstückes und den vollständigen Rückbau der Gebäudesubstanz vorgeschlagen. Nachdem zahlreiche Stadträte in der Debatte weiteren Erörterungsbedarf angemeldet hatten, setzte Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos) den Beschluss zur Mandaukaserne aus und vertagte ihn auf die nächste Sitzung.

Doch auf der dortigen Tagesordnung tauchte er nicht mehr auf. Stattdessen erklärte der Oberbürgermeister, dass sich "durch die große Aufmerksamkeit und die konstruktive Zusammenarbeit mit der Landeskonservatorin Dr. Rosemarie Pohlack nach langer Zeit wieder vielversprechende Interessenten gefunden" hätten. Und weiter: "Ich werde mit ihnen natürlich Gespräche führen, aber auch das Konzept kritisch hinterfragen, denn es ist gerade nicht die Zeit für Experimente dieser finanziellen Größenordnung." Nähere Angaben zu den möglichen Investoren machte der Zittauer Oberbürgermeister noch nicht. In der Vergangenheit und auch gegenwärtig gab und gibt es bereits zahlreiche, teils auch recht skurrile Ideen für eine künftige Nutzung der Mandaukaserne. So kursiert derzeit eine Online-Petition, in der vorgeschlagen wird, das 1869 errichtete und Stadtbild prägende frühere Militärobjekt zur Moschee umzubauen. Bis heute hat sie 23 Unterstützer gefunden.

Ernsthafter gemeint waren Forderungen, Asylbewerber in der Mandaukaserne unterzubringen, denen die Stadt allerdings eine klare Absage erteilt hatte. Weitere Planungen sahen unter anderem die Einrichtung einer Gehörlosenschule, einer Seniorenresidenz oder eines Einkaufscenters vor.

"Wir haben in der Stadtverwaltung und auch mit vielen anderen Beteiligten sehr viele Optionen geprüft. Viele schöne Ideen sind schlicht nicht finanzierbar. Doch für uns alle ist die Mandaukaserne ein bedeutendes Gebäude in unserer Stadt und natürlich ist sie ein Baudenkmal", betont Thomas Zenker. Der Verlust des Gebäudes sei schon aufgrund der schieren Größe schwer vorstellbar. Ein Abriss sei "nicht zwingend, aber die einfachste Variante für den Haushalt der Stadt Zittau."

Das Stadtforum Zittau und weitere Initiativen, die sich für den Erhalt der Mandaukaserne einsetzen, begrüßen die jüngste Entwicklung. "Dadurch wird Zeit gewonnen, um intensiv prüfen zu können, wie das Kulturgut ergänzend zur historischen Innenstadt innovativ und nachhaltig genutzt werden kann", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

In Absprache mit den Eigentümern haben die Initiativen eine Notsicherung am besonders gefährdeten Südturm durchgeführt. Laut Oberbürgermeister Thomas Zenker handelte es sich dabei um eine "rein private Initiative, über die die Stadt nicht informiert war."