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Die Welt fährt rund um Boxberg

Matthias Kahle gibt auch 2017 wieder Gas, um seinen Titel von 2016 zu verteidigen – hier ein Foto vom Kurs am Bärwalder See. Der Rallye-Pilot hat das Rennen in der Lausitz bereits vier Mal gewonnen.
Matthias Kahle gibt auch 2017 wieder Gas, um seinen Titel von 2016 zu verteidigen – hier ein Foto vom Kurs am Bärwalder See. Der Rallye-Pilot hat das Rennen in der Lausitz bereits vier Mal gewonnen. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. "Mit 67 kann man im Rallye-Sport nicht in Rente gehen. Mit 75 kann man vielleicht einen Antrag stellen", so Horst Jannack. Regina Weiß

Der Boxberger Gemeinderat richtet die Worte an Wolfgang Rasper. Der Organisations-Chef vom Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz (RRWC) hat 20 Jahre den Hut für die Lausitz-Rallye auf. Nach der Ansage von Horst Jannack - ebenfalls Event-Begleiter von Anbeginn - kann Rasper gleich bis zur 30. Auflage weitermachen. Er nimmt es, wie es seine Art ist, betont ruhig, mit einem kleinen Schmunzeln und verweist auf die Teamleistung, die sich hinter der Organisation eines solchen Mega-Events verbirgt. "Ich werde von Jahr zu Jahr entscheiden", so Rasper. Doch das ist Zukunftsmusik, jetzt geht es erst mal um die 20. Auflage.

Diese findet vom 2. bis 4. November rund um Boxberg statt. Interessante und abwechslungsreiche Strecken und Wertungsprüfungen wurden zusammengestellt. Rund 168 Kilometer müssen die Teams zurücklegen. Dabei geht es zu 19 Prozent auf Asphalt und 81 Prozent auf Schotter zur Sache. Rasper mutmaßt in der Pressekonferenz am Donnerstag, dass es wieder spannend zugehen dürfte. Denn mit Matthias Kahle und Christian Doerr - quasi die Lokalmatadoren - und dem Norweger Anders Gröndal treten nicht nur erfahrene Rennfahrer an, sondern treffe auch der Sieger aus 2016 auf den aus 2015. Wolfgang Rasper hofft zudem auf den Start von René Mandel aus Deutschland. Die drei Besatzungen lieferten sich vor knapp zwölf Monaten auf dem Lausitzer Schotter ein Kopf-an-Kopf-Rennen - bis die Defekthexe zuschlug. Da ist also noch was offen, was geklärt werden muss …

2017 ist aber auch das Jahr, wo die IFA dem Lausitzer Motorsport event das Prädikat zum Endlauf der European Historic Sporting Rally Championship verliehen hat. Erstmals findet ein solcher Lauf in Deutschland und dann in der Lausitz statt, betont Wolfgang Rasper. "Vier Jahre haben wir dafür gekämpft", sagt der ehemalige Rallye-Fahrer. Mehrere Beobachter des Automobil-Weltverbandes waren im Vorhinein in der Lausitz vor Ort und haben sich die Rennverläufe angesehen. "Und die Bewertung der Oberserver ist sehr gut ausgegangen", so Rasper.

Zwei Rallyes in einer erfordern einen größeren Aufwand. Die historischen Fahrzeuge haben eine eigene Wertung. Sie werden den "normalen" Rennfahrzeugen vorausfahren. Für die Zuschauer am Rande sind sie leicht durch ein H an der Startnummer zu unterscheiden.

Apropos Zuschauer. Tausende werden am Rennwochenende wieder erwartet. Wie viele es sind, lasse sich kaum genau beziffern. Auf sie warten 13 Zuschauerpunkte, an denen sie sich einfinden können, aber auch einige Neuerungen. Das Rallye-Lager in den ehemaligen Tagesanlagen muss aufgegeben werden. Sah es zwischenzeitlich so aus, die "Zelte" am Bärwalder See aufzuschlagen, zieht man nun um nach Uhyst. Fahrerlager, Info-Punkt und Pressebüro werden dort zu finden sein. Am Spreeschlösschen Uhyst werden die Autos auf die Strecke geschickt. Dass man damit Weißwasser und dem durchaus beliebten Start am Boulevard einen Korb gibt, hat dann auch in diesem Jahr mit dem Zeit-Faktor und nicht mit dem Geld zu tun.

Rund 200 000 Euro umfasse das Budget der Rallye, das aus Sponsoren- und Nennungsgeldern gespeist wird. Keine einfache Kiste. "Bei großen Sponsoren stehen viele Sportveranstaltungen an", so Wolfgang Rasper. Jammern will er aber nicht. Das ist definitiv nicht sein Ding.

Vielmehr geht es ihm ums Machen, das Anpacken. Hunderte Genehmigungen und der Streckenausbau bieten dafür schon mal Herausforderung genug. Deshalb ist Rasper dem Job-Center des Landkreises Görlitz dankbar. Acht Mitarbeiter hat er gestellt bekommen. "Ohne die würde es gar nicht gehen." Denn die Vegetation gedeiht so gut, dass die Wege quasi im Grün verschwinden.

Am 11.11. 2000 um 11.11 Uhr erfolgte mit der Schlüsselübergabe der Startschuss zur ersten Rallye in Boxberg. In einem Niemandsland, wie es Horst Jannack formuliert. "Mit Motorsport hat doch hier niemand etwas im Sinn gehabt", so Jannack weiter. Das erste Fahrerlager war am Freibad Boxberg. Das gibt es schon lange nicht mehr. Die Rallye blieb und hat sich einen Namen gemacht, längst über die Grenzen von Boxberg und Sachsen hinaus. "Sie ist jetzt ein fester Bestandteil im Motorsportkalender", unterstreicht der Kommunalpolitiker. Teams aus 43 Ländern sind in Boxberg gestartet. In diesem Jahr kommt der am weitesten gereiste Teilnehmer aus Neuseeland.

Nicht zuletzt ist die Rallye inzwischen ein kaum wegzudenkender wirtschaftlicher Faktor, ist sich Horst Jannack sicher. "Sie ist ein Leuchtturm in der Region", lobt Boxbergs Kämmerer Ulrich Bänsch. Die Gemeindeverwaltung schätze die Arbeit der Aktiven sehr.

Auch diesmal sind wieder rund 500 Helfer aus der Region und ganz Deutschland zur Stelle. Dank des GPS-gesteuerten Tracking-Systems laufe nun die Zeitnahme satellitenüberwacht. Aber wegen der Sicherheit und vielerlei Sachen mehr braucht es weiterhin viele Unterstützer.

www.lausitz-rallye.de

Wolfgang Rasper.
Wolfgang Rasper. FOTO: ckx