| 02:48 Uhr

Die von Arnims treten aus dem Schatten

Astrid Roscher präsentiert den Westaltan. Den heutigen "Balkon des Trauzimmers" gestaltete Traugott Hermann Graf von Arnim-Muskau.
Astrid Roscher präsentiert den Westaltan. Den heutigen "Balkon des Trauzimmers" gestaltete Traugott Hermann Graf von Arnim-Muskau. FOTO: amz1
Bad Muskau. Ist von Schloss und Park Bad Muskau die Rede, ist meist auch Hermann von Pückler-Muskau nicht weit. Schließlich war es der weit gereiste Fürst, der den heute weltberühmten Park anlegte und das Schlossensemble nach seinen Vorstellungen formte. amz1

Kein Wunder, dass vorhergehende und nachfolgende Standesherren oftmals in seinen Schatten treten. Das soll sich jetzt ändern. Denn für das Jahr 2018 plant die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau eine Sonderausstellung über die Familie von Arnim.

Diese regierte mit drei Standesherren 62 Jahre die Standesherrschaft. Zum Vergleich: Fürst von Pückler bewirtschaftete Muskau mehr als 34 Jahre. Gleichzeitig waren die von Arnims die letzten adligen Besitzer von Schloss und Park Muskau, bevor im Jahr 1945 der kommunistische Umsturz folgte. Traugott Hermann Graf von Arnim-Muskau (1839 - 1919) hatte die Standesherrschaft anno 1883 übernommen.

Nach Angaben von Astrid Roscher, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Pückler-Stiftung, bei der jüngsten thematischen Parkführung, war die Neugestaltung des Eingangsbereiches des Schlosses eine der ersten Maßnahmen. So verschwand das Wappen des Prinzen Friedrich der Niederlande, dem vorherigen Standesherren, über dem Portal. Stattdessen erfolgten die Verbreiterung des Eingangs und natürlich die Etablierung des von Arnimschen Wappens.

Unter Traugott Hermann Graf von Arnim-Muskau entstanden zudem viele Bauten im Badepark. Sein Stiefsohn und Nachfolger Adolf Graf von Arnim Muskau (1875 - 1931) ließ ab 1919 einen umfangreichen Schlossumbau vornehmen. Adolf war, so berichtet Astrid Roscher, dafür bekannt, das Geld mit vollen Händen auszugeben. Neben seiner Vorliebe für Pferde organisierte der Standesherr rauschende Feste und Jagden. Darüber hinaus gingen die Bauten in der Baumschule, heute im polnischen Teil des Parks, auf sein Konto. In die Adolf-Zeit fällt auch der bis heute vorhandene Rosa-Schlossanstrich. Das war um das Jahr 1925. Zuvor präsentierte sich das Schloss ockerfarben. "Damals wurde gespöttelt, dass das Schloss wie eine riesige Fürst-Pückler-Eisbombe aussehe", berichtet Astrid Roscher. Unter dem letzten Standesherrn, Hermann Graf von Arnim-Muskau (1903 - 1997), entstand kaum mehr Neues. Bekannteste Maßnahme dürfte die Umgestaltung des Kavaliershauses zum Witwensitz sein.

Hermann, der "Hermi" gerufen wurde, musste viel Personal entlassen und auch im Park manche unter seinen Vorgängern angelegte Anlage wieder zurücknehmen. Dazu gehörten unter anderem die Blumengärten. "Hermann wollte den reinen Pückler wieder herstellen", so Astrid Roscher. Damals seien die großflächigen Wiesen entstanden, nachdem zahlreiche Sträucher entfernt worden waren. Nach dem Geldverpulvern seines Vaters Adolf war nunmehr Sparen angesagt.

Manche von den von Arnims geschaffenen Kunstwerke haben sich bis heute erhalten, wenn auch teilweise bruchstückhaft. Beispielsweise die Porphyrsäule nebst Sonnenuhr, die einst neben dem Schloss stand. Traugott Hermann Graf von Arnim-Muskau hatte diese im Jahr 1904 von einer Italien-Reise mitgebracht. Das Kunstwerk gilt heute als verschollen. Ähnlich verhält es sich mit dem Denkmal für Traugott Hermann Graf von Arnim-Muskau, das sein Stiefsohn Adolf auf der Schlosswiese aufstellen ließ. Die Büste ist verschwunden, der Sockel findet sich am Rand des Bad Muskauer Marktes wieder. Zu DDR-Zeiten war er mit einer Friedenstaube versehen. Die Ur-Bad Muskauerin Brigitte Haraszin erinnert sich, wie sie im Jahr 1946 im Schlossinnenhof eine wunderschöne alte Marmorbank sah. "Ein paar Tage später hatten sie die Leute zerstört", berichtet Haraszin.