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| 02:50 Uhr

"Die Schüsseln werden immer größer"

Gerdi Nowak, Ursula Domaschk, Annemarie Hein und Marlies Nagorka (v.l.n.r.) packen bei den Vorbereitungen für das Schlachtfest in der Küche kräftig mit an.
Gerdi Nowak, Ursula Domaschk, Annemarie Hein und Marlies Nagorka (v.l.n.r.) packen bei den Vorbereitungen für das Schlachtfest in der Küche kräftig mit an. FOTO: Regina Weiß
Rohne. Der Veranstaltungsreigen auf dem Njepila-Hof in Rohne wird auch in diesem Jahr mit dem Schlachtfest eröffnet. Bereits zum 15. Mal findet es statt. Für die Vorbereitung legen sich alle mächtig ins Zeug. Regina Weiß

In der Wurstküche auf dem Njepial-Hof sieht man Dienstagvormittag kurzzeitig die Hand vor Augen nicht. Der Raum ist nicht nur erfüllt von fleißigen Helfern, sondern auch von reichlich Dampfschwaden. Kein Wunder, hier wird gekocht, was die Kessel hergeben. Nachdem eine Runde Fleisch fertig ist, werden die nächsten Ladungen angesetzt. Schweineteile vom Bauch bis zum Ohr werden von Rudi Krauz richtig eingeheizt. Dann bekommt das Fleisch Gesellschaft: Erst mal reichlich Knoblauch wird verteilt. Danach spart Fleischermeister Dieter Reddo nicht an Zwiebeln. Zwei Riesen-Tee-Eier folgen. Sie sind mit Gewürzen bestückt. "Das machen wir so, weil doch keiner die Agenten, wie ich immer sage, in der Suppe schwimmen haben will", lacht Dieter Reddo. Dann kann er kurz durchatmen. "Es ist schon einiges geschafft", findet er.

Wie früher die Bauern

"Nach einer kurzen Pause starten wir arbeitsreich ins neue Jahr", sagt Vereinschef Manfred Nickel. Immerhin eine Woche dauern die Vorbereitungen für das Fest. Damit wird traditionell der Veranstaltungsreigen im Jahreslauf gestartet. "Wir machen es halt so, wie es früher die Bauern gemacht haben", so Nickel. Im Januar wurden auf den sorbischen Dörfern ein oder sogar mehrere Schweine auf die Schlachtbank geführt. Unter dem sorbischen Titel "Kak to jo bylo?" (Wie war das damals?) pflegen die Vereins-Mitglieder Bräuche so, wie es schon die Eltern und Großeltern taten.

Doch eins hat sich geändert, mit dem Geschlachteten musste die Bauernfamilien damals haushalten. "Es wurden viel Speck und die Würste geräuchert. Die hingen dann noch lange in der Räucherkammer", erinnert sich Manfred Nickel.

Beim Njepila-Verein wird das Geschlachtete dagegen am Samstag wieder weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. "Bis jetzt haben wir noch jeden satt bekommen", so Nickel.

Beim ersten Fest war es noch so, dass Vereinsmitglieder und Rohner unter sich waren. Dann habe sich das Ganze rumgesprochen. Es habe sich Jahr für Jahr erweitert. "Es ist unsere Art, wir arbeiten mit echten Gewürzen. Es schmeckt den Leuten." Mittlerweile zieht es hunderte Gäste nach Rohne.

"Wir sind an unseren Grenzen angelangt. Mehr geht nicht", muss der Vereinschef aber auch einschätzen. Fans aus der Verwaltungsgemeinschaft Schleife und darüber hinaus sowie Gäste aus Berlin bis Görlitz konnten die Rohner schon beim Verkauf oder beim Schlachtschüsselessen begrüßen. Auf sie warten unter anderem 1000 Semmel- und 1000 Grützwürste. Hinzu kommen Hackepeter, Fleisch- und Leberwurst sowie Wellfleisch. "Wir wollen auch räuchern", so Nickel.

Damit alles rechtzeitig fertig wird, arbeiten alle Hand in Hand. "Wenn wir mal nicht wissen, was wir machen sollen. Dann sagt uns Dieter Reddo schon Bescheid", lacht Marlies Nagorka. Sie steht mit anderen Frauen in der Küche: Arbeiten für die Fleischwurst stehen an. Man merkt sofort, die Truppe ist eingearbeitet und mit viel Spaß bei der Sache. Das gemeinsame Arbeiten sei gerade das schöne und der Schnaps hinterher erst recht, erfährt die RUNDSCHAU bei der Stippvisite. Schüssel für Schüssel geht es voran.

Ein Kommen und Gehen

"Die Schüsseln werden immer größer", sagt Manfred Nickel und meint damit nicht nur die Utensilien des Vereins, sondern auch die von denen, die am Samstag wieder Schlange stehen werden. Ab 10 Uhr geht der Verkauf los. Ab 11 Uhr wird dann zum Schlachtschüsselessen eingeladen. "Da herrscht bis 15 Uhr ein Kommen und Gehen." Zur Not werden auch noch zwei Tische in die Serbska Spa (Sorbenstube) gestellt. Die Rohner wollen halt gute Gastgeber sein.

Doch bis Samstag heißt es noch volle Konzentration. Vor allem das Brühen der Semmel- und Grützwürste erfordert wahrlich Fingerspitzengefühl. "Als Kind durfte ich mal die Reste der Würste aus dem Darm zutschen. Ich weiß nicht, was damals schief gelaufen war. Die waren uns alle geplatzt. Das darf uns in diesen Tagen auf keinen Fall passieren", so Manfred Nickel. Vereinsmitglied Gert Emmrich kommt die Aufgabe zuteil, die Würste im Kessel mit Argusaugen zu beobachten. Das Ganze sei nicht so einfach, wenn man den Garvorgang mit der Glut regulieren müsse, weiß Nickel. Da könne man nicht so einfach mal an den Knöpfen drehen. Da brauche es Erfahrung.

Diese gibt Dieter Reddo auch gern weiter. Ronny Zehring arbeitet mit ihm am Dienstag in der Wurstküche Hand in Hand. "Er hat gestern erst seine Meisterprüfung abgelegt", macht Dieter Reddo einen Spaß.