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Handwerk
Die Qualität muss stimmen

Maik Mersiovsky ist mit Leib und Seele Bäcker. Der 34-Jährige, hier mit Verkäuferin Anja, ist stolz auf seine Bäckerei und das Team mit 16 Mitarbeitern.
Maik Mersiovsky ist mit Leib und Seele Bäcker. Der 34-Jährige, hier mit Verkäuferin Anja, ist stolz auf seine Bäckerei und das Team mit 16 Mitarbeitern. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Maik Mersiovsky ist der einzige Weißwasseraner Bäckermeister. Zur Wendezeit gab es in der Stadt um die 20, ist überliefert. Mit 23 Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Von Gabi Nitsche

Nein, bange sei ihm nicht, wenn er einige Kilometer weiter guckt nach Hoyerswerda, wo eine große Bäckerei Insolvenz anmelden musste. Trotzdem: „Wir müssen jeden Tag mindestens 105 Prozent geben. Nur wenn unsere Produkte eine hohe Qualität haben, können wir uns gegen die Discounter durchsetzen“, sagt Maik Mersiovsky. Die Kunden sind seiner Erfahrung nach willens, für gute Ware auch gutes Geld zu bezahlen. „Das machen sie vor allem am Wochenende, wo die Familien sich gern die Zeit nehmen für ein ausgedehntes Frühstück.“

Mit knapp 34 Jahren ist er nicht nur der jüngste Bäckermeister in Weißwasser, sondern der einzige. In seiner Backstube wird alles nach alten Rezepten und neuen Ideen per Hand hergestellt. Jeder Laib Brot, jedes der etwa 1000 Brötchen pro Tag, jedes Stück Kuchen. Verkauft wird hier und in der Filiale an der Bahnhofstraße. Zu seinen Kunden gehören auch der Dorfladen Groß Düben und das Krankenhaus Weißwasser oder die Fleischerei Wenke. „Wir sind sechs Mann und ein Lehrling, die ab dem zeitigen Morgen alles vorbereiten.“ Zeitiger Morgen heißt, dass der Wecker um 1 Uhr klingelt. „Wenn wir um 5.30 Uhr die Bäckerei öffnen, dann finden die Kunden 95 Prozent unseres Sortiments vor.“ An verrückten Tagen kommt es vor, dass mittags schon vieles verkauft wurde.

Wenn Maik Mersiovsky in fünf Wochen vorübergehend die ofenfrischen Produkte vor der eigenen Haustür in einem Verkaufswagen anbietet, ist das gewollt. Der junge Mann investiert in seine Bäckerei und baut diese um. Ganz nach dem Motto, das Auge kauft mit. Der Verkaufsraum habe es bitter nötig, ist eben in die Jahre gekommen. Maik Mersiovsky will alles ein bisschen schicker machen lassen. Am Ende soll es dort auch nicht mehr so zugig sein. In das Vorhaben investiert er eine fünfstellige Summe. Vor einem Jahr hatte erst ein neuer Backofen Einzug gehalten. „Step by step wird der Maschinenpark erneuert.“

Heute kann sich der Bäckermeister keinen anderen Beruf mehr für sich vorstellen. „Aber mein Traum war es nicht. Eigentlich wollte ich Koch werden. Doch damals sah es allgemein mit Lehrstellen schlecht aus.“ Bei Helmut Lehmann, dem die Bäckerei früher gehörte, lernte er sein Handwerk von der Pike auf, fand daran so viel Gefallen, dass er Meister wurde und die Bäckerei übernahm. Für den damals 23-Jährigen ein mutiger Schritt, den er bis heute nicht bereue. „Ich  hab’ unheimlich viel Spaß an der Sache.“ Dass seine Freundin Cindy mit im Geschäft arbeitet, sei ein weiterer glücklicher Umstand.

Ausgleich findet Maik Mersiovsky als Fußball-Trainer bei Blau-Weiß Kromlau, wo er auch noch ein bisschen spielt, und zum Beispiel, wenn er bei den Heimspielen der Füchse in der Eisarena ist. Als gut für die Seele empfindet er sein soziales Engagement. „Wir unterstützen die Weißwasseraner Tafel und die Lausitzer Sozialpaten zum Beispiel.“

Apropos Fußball. Gestern zum zehnten Geschäftsjubiläum haben ihm Familie und Team überrascht mit einem Reisegutschein. Als Fußball-Fan geht’s wohl mit seinem Bruder nach Liverpool, um Trainer Jürgen Klopp und seine Jungs zu erleben.

Für treue Kunden wie Elke Bieder gab es ein Schnittenbrettchen anlässlich zehn Jahre Bäckerei Mersiovsky.
Für treue Kunden wie Elke Bieder gab es ein Schnittenbrettchen anlässlich zehn Jahre Bäckerei Mersiovsky. FOTO: Gabi Nitsche / LR