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| 02:52 Uhr

"Die Notaufnahme ist brechend voll"

Im Krankenhaus Weißwasser versorgen 290 Mitarbeiter jährlich durchschnittlich 8000 Patienten.
Im Krankenhaus Weißwasser versorgen 290 Mitarbeiter jährlich durchschnittlich 8000 Patienten. FOTO: ni
Weißwasser. Durch die anhaltende Grippewelle ist die Kapazitätsgrenze im Krankenhaus Weißwasser erreicht. Das sagt Andreas Grahlemann, Geschäftsführer der Managementgesellschaft des Landkreises Görlitz (MGLG). Gabi Nitsche

Am Mittwoch berichtete er vor den Stadträten in Weißwasser über die medizinische Versorgung und die aktuelle Situation im Krankenhaus Weißwasser. "Das Haus ist voll. Alle Notbetten sind belegt. Die Notaufnahme ist brechend voll, sodass das kaum zu beherrschen ist, denn auch Mitarbeiter bei uns sind krank", beschrieb Grahlemann die Lage. Doch dass Stationen geschlossen werden müssen, soweit sei es nicht. Um Betten für akute Fälle freizubekommen, würden andere Patienten, wo es möglich sei, nach Hause entlassen, und längerfristig geplante Operationen verschoben werden. Das würde nicht nur auf Weißwasser zutreffen, sondern auch auf andere Häuser in Sachsen und Brandenburg.

Wobei in der Notaufnahme längst nicht nur jetzt Andrang herrsche. "Die Nachfrage ist allgemein extrem hoch", so Grahlemann. Viele kämen, ohne ein wirklicher Notfall zu sein. Das Krankenhaus sei eben nie zu und die Kollegen seien bereit zu helfen. "Aber was sich zurzeit in der Notaufnahme abspielt - da werden wir alle überrannt. Dafür sind wir nicht ausgelegt." Eine ambulante Behandlung könne die Einrichtung unter jetzigen Bedingungen nicht gewährleisten.

Grahlemann sieht noch ein anderes Problem auf das Krankenhaus zurollen: Die fehlende Nachbesetzung bei Hausärzten in der Region Weißwasser könne zu fehlenden Einweisungen ins Krankenhaus führen. "Das wäre bedrohlich", was die Zukunft des Hauses angeht. Seit Jahren habe dieses Problem höchste Priorität in Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KV). "Aber es wird starrer denn je in Grenzen von stationär und ambulant gedacht", kritisierte Grahlemann. "Wir benötigen dringend eine Lösung. Nicht erst, wenn es brennt", fordert der Krankenhaus-Chef. Die Ansiedlung von Ärzten sei seiner Meinung nach ein gesellschaftspolitisches Problem.

Die Frage von Wir-für-hier-Stadtrat Hartmut Schirrock, ob denn das Modell einer Bereitschaftspraxis wie am Krankenhaus Niesky für Weißwasser eine Option sei, verneinte Grahlemann. Denn dort würden Kassenärzte aus dem Gebiet zusätzliche Dienste machen. Was hier gebraucht werde, sei eine zusätzliche Institutsambulanz. Grahlemann: "Dafür müssten mehr Ärzte angestellt werden. Denn unsere kann man nicht nach einem langen Arbeitstag und Bereitschaftsdienst noch dort einsetzen."

Bleiben die Frage der Kosten und die, woher die Ärzte kommen sollen. Von heut auf morgen lasse sich diese Idee sicherlich nicht realisieren. In Gespräche dazu seien auch einige Allgemeinmediziner aus Weißwasser einbezogen, ergänzte OB Torsten Pötzsch (Klartext). Aber ohne KV gehe die Rechnung nicht auf.

Eins machte MGLG-Chef Andreas Grahlemann am Mittwoch ebenfalls deutlich: Ohne ausländische Ärzte würde es wohl nicht funktionieren. Das Krankenhaus Weißwasser sei der Beweis: Von den 44 Ärzten am Krankenhaus Weißwasser (davon 27 Fachärzte) stammen 23 aus anderen Ländern. Also mehr als die Hälfte. Jährlich werden rund 600 000 Euro für Honorarärzte aufgebracht - Mediziner, die in Weißwasser aushelfen, Engpässe zu überbrücken. Aber das sei ebenfalls keine Besonderheit hier, sondern treffe auch auf andere Kliniken zu. Obwohl die Bevölkerungsdichte in der Region seit 1990 bis heute um etwa 52 Prozent abgenommen habe, sei das Krankenhaus-Angebot nicht halbiert worden. "Wir unternehmen große Anstrengungen, um das alles zu erhalten." Wobei Grahlemann überzeugt ist, "heute würde man nie mehr ein Krankenhaus dieser Größe in Weißwasser bauen".

Apropos bauen. Allein 2017 werden knapp 2,9 Millionen Euro investiert. Überwiegend in neue Medizintechnik und die neue Intensivstation, die 1,7 Millionen Euro kostet (inklusive 1,3 Millionen Euro Fördermittel).

Zum Thema:
Im Krankenhaus Weißwasser sind 290 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 44 Ärzte und 150 Pflegekräfte sowie Laboranten, Physiotherapeuten usw.Die mit den Krankenkassen vereinbarten Leistungsparameter für 7700 Patienten pro Jahr werden im Krankenhaus Weißwasser übererfüllt. Laut Geschäftsführer Andreas Grahlemann hielt sich die Zahl von verstorbenen Patienten 2015 und 2016 die Waage. Erfreulich sei, dass die Geburtenrate zugelegt hat (358 Entbindungen im Jahr 2016 gegenüber 331 im Jahr zuvor) und doppelt so hoch ist wie bei den Sterbefällen. Seit Anfang 2013 gehört Weißwasser zum Klinikverbund "Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz mbH". Dabei gehe es um Synergieeffekte in den verschiedensten Bereichen. Davon ausgeschlossen sind laut Grahlemann medizinische Synergieeffekte.