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Bahn-Projekt
Die neue Mauer von Klitten

Mitarbeiter der Firma SPL- Powerlines Germany bei der Elektrifizierung der Bahnstrecke bei Niesky.
Mitarbeiter der Firma SPL- Powerlines Germany bei der Elektrifizierung der Bahnstrecke bei Niesky. FOTO: Joachim Rehle
Klitten. Nennenswerte Zeitreserven für den Ausbau der Niederschlesischen Magistrale gibt es nicht. Im Nieskyer Bahnhof entstehen vier neue Gleise. Von Regina Weiß

Dunkelgrün, Hellgrün, Gelb bringen zwar Farbe nach Klitten, doch schön ist trotzdem anders. Aber daran werden sich die Anwohner an der Bahnstrecke gewöhnen müssen. Die Lärmschutzwände hausen die Niederschlesische Magistrale ein. Klitten oder auch Uhyst, wo die Bahnstrecke mitten durch den Ort geht, erhalten so gleich zwei Mauern.

Von Winterpause ist auf der Baustelle keine Spur. Die Arbeiten laufen mit hoher Konzentration, erfährt die RUNDSCHAU auf Nachfrage von der DB-Pressestelle Kommunikation, Regionalbüro Sachsen. Es muss auch fleißig weitergehen, denn nennenswerte Zeitreserven gebe es nicht. „Aber dank der Witterung liegt die gesamte Baustelle im Zeitplan“, teilt die Deutsche Bahn mit.

Auf dem Abschnitt Lohsa - Uhyst - Klitten - Niesky/See sind die Arbeiten zur Herstellung der Gleise einschließlich. Weichen abgeschlossen. Die Oberleitungsanlage ist fast fertig montiert. Ab Februar schauen die Prüfer der Deutschen Bahn und des Eisenbahn-Bundesamtes genau auf diesen Abschnitt.

Die Bahnübergänge am Silbersee Lohsa und von der Staatsstraße in Mücka sind in Bezug auf den Straßenzustand fertig. Auch die meisten anderen Bahnübergänge können genutzt werden. Ausgenommen davon sind zwei – der Tauernweg und der Koseler Weg. Dort besteht weiter eine Vollsperrung.

Parallel zu den Straßenarbeiten, die bei entsprechender Witterung abgeschlossen werden sollen, bekommen die Bahnüberwege neue Leit- und Sicherungstechnik. Die Betonschalthäuser, in denen die Technik untergebracht ist, stehen schon. Ebenso die Modulgebäude für die elektronischen Stellwerke. Über sie werden die Signale und Weichen ferngesteuert.

Die Lärmschutzwände im gesamten Bauabschnitt sind aufgebaut. Derzeit werden dort Sonderelemente sowie Flucht- und Rettungstüren komplettiert. An den Bahnsteigen der Haltepunkte erfolgen Arbeiten am Fundament, in Kürze beginnt die Verlegung der Bahnsteigplatten. Die Brücken, Stützwände und Durchlässe sind bis auf geringe Restleistungen fertig gestellt. Derzeit laufen vor allem Arbeiten zur Verkabelung der Leit- und Sicherungstechnik. Diese Arbeiten werden trotz der Witterung fortgesetzt.

Übrigens, jeden Sonntag wird über das Baugleis eine Bedienfahrt für den Waggonbau Niesky abgewickelt. So werden die neu produzierten Waggons nach Knappenrode transportiert.

Im Bauabschnitt zwischen Niesky und dem Horkaer Güterbahnhof geht es ebenfalls voran. In Niesky laufen die Tiefbauarbeiten im Bahnhof. Es werden der Unterbau für die vier neuen Gleise vorbereitet, Entwässerungsleitungen verlegt, Kabelhauptquerungen aufgebaut. In Höhe vom Busbahnhof entsteht ein neuer Personentunnel als Zugang zum Inselbahnsteig. Dafür ist die Baugrube ausgehoben, die Gründungssohle wird vorbereitet.

Im Wald zwischen Niesky und Horka (Abzweig Särichen/Wiesenhäuser) laufen die Tiefbauarbeiten zur Ertüchtigung des Bahndamms. In diesem Abschnitt entstehen zwei neue Durchlässe und vier kleine Brücken für Gewässer und Gräben.

Um bei künftigem Hochwasser am Neugraben in Horka gewappnet zu sein, wird der Bahnkörper in dem Bereich mit einem speziellen Verfahren ertüchtigt. Beim Fräs-Misch-Injektions-Verfahren wird Zement in den Boden gefräst, damit er tragfähig wird. Stahlspundwände kommen ein Stück weiter zum Einsatz. Sie sollen den Bahnkörper zur S 121 dauerhaft abstützen, um ausreichend tragfähig zu sein.

Zudem erhält die Gemeinde zwei neue Brücken. Eine neue Fahrzeugbrücke über den Neugraben entsteht als Ersatz, weil der Bahnübergang Abzweig Särichen geschlossen werden muss. Auf alle Brücken und entlang des neuen Eisenbahndamms kommen Lärmschutzwände. Alle diese Arbeiten laufen derzeit verzahnt und parallel, teilt die Deutsche Bahn weiter mit. Ab Mai sollen die Brücken für den Eisenbahnbau befahrbar sein, damit der Wiederaufbau der Gleise von Horka Güterbahnhof in Richtung Niesky erfolgen kann.

Geplant ist nach wie vor die Inbetriebnahme der Strecke im Dezember 2018. Dann ist sie auf 55 Kilometer Länge wieder durchgängig zweigleisig hergestellt und elektrifiziert. Das kostet rund 500 Millionen Euro. Das Resultat: Die Geschwindigkeit erhöht sich auf 120 km/h. Zwischen dem Abzweig Särichen und Knappenrode wird das Tempo zur Verbesserung der Qualität des Regionalverkehrs sogar auf 160 km/h erhöht. Nach Informationen der Deutschen Bahn steigt die Streckenbelegung von derzeit rund 50 Zügen pro Tag auf bis zu 160 Züge pro Tag (davon 20 Personenzüge). Eine phänomenale Umstellung für alle Anrainer und Passanten, denn derzeit fährt maximal ein Bauzug, sonst nichts.

Klitten und Klein Oelsa wird mit dem Ausbau der Niederschlesischen Magistrale durch eine Schallschutzwände getrennt.
Klitten und Klein Oelsa wird mit dem Ausbau der Niederschlesischen Magistrale durch eine Schallschutzwände getrennt. FOTO: Joachim Rehle