ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:06 Uhr

Hermannsdorfer See bei Weißwasser
Die Natur ist im Anflug auf neuen See

 Leag-Mitarbeiter Dr. Thomas Koch, Leiter der Abteilung Geohydrologie und Wasserwirtschaft, ist für die Entwicklung des Hermannsdorfer Sees mitverantwortlich.
Leag-Mitarbeiter Dr. Thomas Koch, Leiter der Abteilung Geohydrologie und Wasserwirtschaft, ist für die Entwicklung des Hermannsdorfer Sees mitverantwortlich. FOTO: Steffen Bistrosch
Weißwasser. Ein Jahr nach Flutungsbeginn sind die Fortschritte am Hermannsdorfer See bei Weißwasser schon zu sehen. Von Steffen Bistrosch

Wer in diesen Tagen die 160 Stufen des Turmes am „Schweren Berg“ bei Weißwasser erklimmt, dem bietet sich ein beeindruckendes Bild. Doch nicht nur der Tagebau Nochten ist zu sehen, sondern unterschiedliche Phasen der Rekultivierungsmaßnahmen sind erkennbar: Vermeintlicher Wildwuchs geht über in die scheinbar mit dem Lineal gezogenen Abschnitte von Wiederanpflanzungen. Diese werden abgelöst von Aufschüttungen. Ein Netz von Straßen und Schotterpisten durchziehen die Landschaft bis zur nahen B 156. Nicht weit davon glitzert Wasser. Hier füllt sich seit einem Jahr ein künstlicher See, der nach dem nicht weit entfernten Weißwasseraner früheren Ortsteil Hermannsdorf benannt worden ist.

265 Hektar groß soll der See eines Tages sein. Dabei wird er vollständig der Natur überlassen bleiben. Bis es allerdings soweit ist, hat der Tagebaubetreiber Leag viel Arbeit vor sich. Dr. Thomas Koch, Leiter der Abteilung Geohydrologie und Wasserwirtschaft, zeichnet sich mitverantwortlich für die Entwicklung und Gestaltung des Hermannsdorfer Sees.

Projekt mit großen Herausforderungen

Auf der Fahrt zu „seiner“ Baustelle erläutert er die Herausforderungen des in dieser Dimension wohl einzigartigen Projektes. Seine Abteilung befasst sich unter anderem mit den anhängigen Wasserrechts- und Planfeststellungsverfahren, wasserwirtschaftlichen Themen oder dem Grundwassermonitoring und den unterschiedlichen Ausgleichsmaßnahmen, die den Einfluss durch die erfolgte Inanspruchnahme der Tagebauflächen so gering als möglich halten sollen.

Dazu zählen unter anderen Projekte wie die Neuverlegung und Renaturierung des „Weißen Schöps“ auf mehr als zehn Kilometer Länge am nahen Tagebau Reichwalde, mehrere aktive Dichtwände oder die Renaturierung der Spreeaue im Bereich des Tagebaus Cottbus Nord und dessen kürzlich begonnene Flutung.

Der Hermannsdorfer See wiederum stellt ein Novum für die erfahrenen Ingenieure und Techniker dar. In einem jahrzehntelangen Prozess wird der Natur behutsam Raum gegeben, um sich selbst ins Gleichgewicht bringen zu können.

FOTO: Steffen Bistrosch

Der See ist kein Gewässer für Menschen

Heute, ein Jahr nach Flutungsbeginn, der mit etwa zehn Kubikmeter pro Minute aus der Grubenwasserbehandlungsanlage Tzschelln erfolgt, ist Koch mit dem Istzustand zufrieden. Sein Monitoring für den See umfasst eine lückenlose Dokumentation sämtlicher Parameter. „Der See wird kein Gewässer für Menschen“, sagt der Weißwasseraner.

Die Leag habe es sich mit diesem Projekt nicht leichtgemacht, schildert er. Im Gegenteil, es sei aufwendig und kostspielig. Einfacher wäre es gewesen, auch diesen Teil des künftigen Nochtener Tagebaurestsees eines Tages einfach mit zu fluten. Derzeit laufen an der künftigen Uferlinie des späteren kleinen Bruders des künftigen Nochtener Tagebausees aber Stabilisierungsmaßnahmen, die noch in diesem Jahr mit der Fertigstellung eines Dammbauwerkes abgeschlossen sein werden. Der Bau wird für ein sogenanntes zehntausendjähriges Hochwasserereignis ausgelegt sein.

Material aus dem Vorfeld des Tagebaus kommt zum Einsatz

Koch erläutert die umfangreichen Erdbewegungen zum Anschrägen des Uferbereiches, das Auslegen und Verschweißen der Dichtbahn, die Aufbringung eines Schutzvlieses und die rutschfeste Stabilisierung des Ganzen mit einer dicken Schotterschicht, Steinen und schließlich riesigen Findlingen. Das Material stammt hier aus dem Tagebauvorfeldern. „Wie ein überdimensionaler Gartenteich“, meint Koch. Die derzeitigen Baumaßnahmen beinhalten übrigens nicht, wie von vielen Radfahrern bereits spekuliert, die Schaffung eines Rundweges um den See. Das Betreten des Areals sei für Unkundige mit Risiken behaftet.

„Das Wasser wird eine sehr hohe Qualität“, weiß der Experte sicher. Und beispielsweise sei Eisen, so erläutert Thomas Koch, „hier kein Thema“. Der derzeitige Wert im See liegt etwa bei 0,7 Milligramm je Liter, zum Vergleich: die Spree weist bis zu sechs Milligramm auf. Künstlichen Fischbesatz werde es allerdings nicht geben. Der See wird kein klassisches Angelgewässer.

Die Natur könne sich frei entwickeln, der Mensch schaffe lediglich ein Initial. Bei der Fahrt zur Flutungsrinne zeigt sich Koch erfreut, wie schnell sie sich ihren Platz zurückerobert. Er verweist auf junge Bäume, Büsche und blühende Pflanzen, die den naturbelassenen Weg säumen. „Natürlicher Anflug“, nennt er das.

Erst 2060 wird der See sein Wasser halten

Wie es weitergeht? Vier Einlaufbauwerke gibt es bereits, dazu kommen insgesamt siebzehn Gräben, die den See aus einem Einzugsgebiet von rund eintausendeinhundert Hektar speisen sollen. In fünf Jahren werde der See wahrscheinlich gefüllt sein. Die Leag werde allerdings weiter Wasser einspeisen müssen, so der Experte. Zwei Insel seien modelliert, dazu warte eine Halbinsel auf ihre Bestimmung. Die Uferlinie beträgt später etwa acht Kilometer. Erst im Jahr 2060, so rechnet Thomas Koch vor, wird Wasser aus dem See den Floßgraben und den Rotwassergraben stetig speisen. Der natürliche Lauf der Dinge soll dann soweit eingeregelt worden sein, dass der Mensch überflüssig ist.