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| 15:08 Uhr

Großübung „Noble Jump“ startet am Sonntag
Die Nato marschiert in der Lausitz auf

 Deutschlands Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) zeigt, was sie zu bieten hat.
Deutschlands Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) zeigt, was sie zu bieten hat. FOTO: dpa / Christophe Gateau
Weißwasser/Zagan. Es ist mal wieder so weit. Bundeswehr und Nato kündigen Panzertransporte durch die Lausitz an. Diesmal soll der schnelle Einsatz der neuen Nato-Speerspitze geübt werden – natürlich Richtung Osten. Von Bodo Baumert

Es ist eines in einer ganzen Reihe von Nato-Manövern in diesem Jahr. Allerdings eines, das mitten in der Lausitz stattfinden wird: Am Sonntag startet „Noble Jump“, eine Groß-Übung für die sogenannte Very High Readiness Joint Task Force (VJTF). Es handelt sich um die „Speerspitze“ der Nato-Einsatzkräfte in Europa, eine schnelle Eingreiftruppe, die binnen 48 Stunden einsatzbereit an jedem Ort Osteuropas sein soll – falls ein Feind von Osten anrücken sollte.

Deutschland hat im Januar die Führung dieser schnellen Eingreiftruppe übernommen. Die Streitkräftebasis der Nato ist damit verantwortlich für Logistik und Transport von rund 8000 Bundeswehr- und weiteren Truppen der Nato-Partner. Rund 3000 Fahrzeuge müssten im Einsatzfall verlegt werden.

 Der  Truppenübungsplatz Oberlausitz wird Anfang Juni zum Aufmarsch-Treffpunkt.
Der Truppenübungsplatz Oberlausitz wird Anfang Juni zum Aufmarsch-Treffpunkt. FOTO: Medienhaus Lausitz Rundschau / Gabi Nitsche

600 Fahrzeuge rollen durch die Lausitz

Die Übung „Noble Jump“ soll nun der erste Härtetest dieser Fähigkeiten sein. „Über 2500 Soldaten machen sich aus mehr als 30 Standorten in ganz Deutschland mit rund 600 Fahrzeugen sowie 70 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen zunächst auf den Weg zum Truppenübungsplatz Oberlausitz, um von dort aus zum polnischen Truppenübungsplatz Zagan weiter verlegt zu werden“, teilt die Bundeswehr mit. In Zagan sollen die deutschen Soldaten auf norwegische, niederländische und polnische Truppen treffen, mit denen sie eine gemeinsame Abschlussübung durchführen.

Die Übung erfolgt in zwei Phasen. Zunächst werden die Truppen zusammengezogen und dann ins Zielgebiet verlegt. Die schweren Teile des Materials sollen größtenteils per Schiene oder in der Nacht transportiert werden. „Dennoch wird es vor allem in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zu Kolonnen auf Straßen und Autobahnen kommen“, kündigt die Bundeswehr an.

Eine Großübung nach der nächsten

Die Übung reiht sich ein in eine Reihe von Vorbereitungen für den Ernstfall. Gerade erst haben die Nato-Mitgliedsländer die politischen Abläufe im Falle einer Attacke aus dem Osten auf einen Partner und die militärische Reaktion der Allianz darauf geprobt. Bei der durchgeführten Simulation fanden reale Sitzungen der politischen Gremien statt, die im Falle eines Angriffs entscheiden müssten, wie sie auf die Attacke reagieren.

Merkel: Antwort auf Krim

Die Eingreiftruppe VJTF wäre eine der ersten Reaktionen im Eskalationsszenario der Nato. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in dieser Woche bei einem Truppenbesuch die Bedeutung der schnellen Nato-Eingreifkräfte unterstrichen. Merkel erinnerte an Russlands Vorgehen gegen die benachbarte Ukraine 2014, die Anlass für die Gründung der Truppe war. Russland hatte damals die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Dies hatte gerade bei den Nato-Partnern in Osteuropa Befürchtungen ausgelöst. „Mit dem, was wir dort erlebt haben, ist eine neue Situation entstanden, die die Verteidigung des Bündnisses gebietet“, sagte Merkel.

 Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht zu den deutschen Einsatzkräften in Munster.
Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht zu den deutschen Einsatzkräften in Munster. FOTO: dpa / Christophe Gateau

Kritik an deutschen Straßen und Schienen

„Noble Jump“ und weitere geplante Manöver in den kommenden Monaten sind für Deutschland auch eine Möglichkeit, auf Kritik zu reagieren. Bei den Nato-Partnern sorgt man sich nämlich nicht nur um die Verteidigungsausgaben, die in Deutschland nach wie vor unter dem vereinbarten Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Kritisch wird auf die Infrastruktur geschaut. Zuletzt hatte der deutsche Nato-General Manfred Nielson dazu drastische Worte gefunden „Das militärische Großgerät, mit dem wir heute Panzer und andere Fahrzeuge transportieren, ist schwerer geworden. Ich habe die Sorge, dass viele unserer Straßen und Brücken diesen Belastungen nicht gerecht werden.“

Auch US-Armee übt

Auch die USA sind übrigens weiter in Polen und im Baltikum aktiv. Ihre eigene Speerspitze, bestehend unter anderem aus der in Polen übenden Panzerbrigade, wird ab 3. Juni zum Groß-Manöver „Saber Guardian“ einladen, das alle zwei Jahre in Osteuropa abgehalten wird. Rund 27 000 Teilnehmer der Nato-Partnerländer werden in Bulgarien, Rumänien und Ungarn erwartet. In der Ostsee wird parallel die Marine-Großübung „Baltops“ stattfinden.

 Rumänische Soldaten bei der US-geführten Militärübung „Saber Guardian 2017“.
Rumänische Soldaten bei der US-geführten Militärübung „Saber Guardian 2017“. FOTO: Andreea Alexandru