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| 18:05 Uhr

Muskauer Park
Die magische Drei von Bad Muskau

Kristin Skwirblies und Mike Wendt von der Firma Dicolor aus Leipzig beim Aufbau der neuen Sonderausstellung im Muskauer Schloss.
Kristin Skwirblies und Mike Wendt von der Firma Dicolor aus Leipzig beim Aufbau der neuen Sonderausstellung im Muskauer Schloss. FOTO: Regina Weiß
Von. „Die Grafen Arnim als Muskauer Standesherren“ – die neue Sonderausstellung gibt detailreiche Einblicke in die Geschichte von 1881 bis 1945. Ab Sonntag bis Anfang September ist sie im Neuen Schloss zu sehen. Von Regina Weiß

Der „Wald“ liegt schon im Vorraum. Jetzt fahren Olaf und Andreas Urban vom Waldeisenbahnverein mit dem Schotter für das Gleisbett der Kleinbahn vor, um selbige im Neuen Schloss zu errichten. Zumindest ein Stückchen. Mit viel Liebe zum Detail wird im zweiten Geschoss des Hauses die neue Sonderausstellung „Die Grafen Arnim als Muskauer Standesherren“ aufgebaut. Und da darf die Waldeisenbahn nicht fehlen. Gehört sie doch zu den Projekten, die die von Arnims in und um Muskau von 1881 bis 1945 haben errichten lassen.

Just in der Zeit, als die neuen Standesherren das Muskauer Anwesen samt Ländereien erstanden haben, haben sich andere Adlige zu der Äußerung hinreißen lassen, es werde nur einige Jahre brauchen, dann sei die Familie pleite. Soll heißen, an Muskau und seinen Ausgaben werden sich die von Arnims verheben. Dass es anders gekommen ist, wissen Geschichtsinteressierte. Was die von Arnims für die Region bedeutet haben, soll nun einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Und noch etwas will die Stiftung damit zeigen: Muskau ist mehr als Pückler. Seine Verdienste seien unumstritten. Doch es gab noch andere, die ihren Anteil am heutigen touristischen Aushängeschild der Region haben.

„Dass der Park hier erhalten werden konnte, ist nur dank der wirtschaftlichen Entwicklung möglich, auf die die Familie gesetzt hat. Alle Bodenschätze, die hier vorhanden waren, wurden verarbeitet“, erzählt Regina Barufke von der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Dass Adlige auf die Wirtschaft setzten, sei zu damaliger Zeit durchaus ungewöhnlich gewesen, weiß Agnete von Specht. Die Wirtschaftsgeschichte ist nur eins der Felder, das für die Ausstellung beackert wurde. Die Familiengeschichte spielt eine wichtige Rolle ebenso wie die Geschichte des Parks samt Gebäuden. Neben den beiden genannten Kuratorinnen ist Astrid Roscher von der Stiftung die Dritte im Bunde. Drei Standesherren, drei Fachfrauen, drei Fachgebiete. „Unsere magische Drei“, lacht Cornelia Wenzel, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung. Am Ende hätten es sogar drei Ausstellungen sein können. Denn je tiefer in die Historie eingetaucht wurde, umso mehr wurde zutage gefördert. „Ich war selbst überrascht, wie viele Spuren im Park noch zu finden sind“, erzählt Astrid Roscher. Ebenfalls wichtig, wer als Architekt und Baumeister sein Wirken in Muskau in Stein gemeißelt hat. Weil das Wissen so umfangreich ist, mündet es in einem umfangreichen Rahmenprogramm zur Ausstellung und in einem extra Parkplan.

Ohne tiefgründige Recherche und Partner wäre alles nur halbes Werk geblieben. Die regelmäßigen Kontakte der Stiftung zu Thomas Graf von Arnim zahlen sich in Wissenszuwachs und Leihgaben aus. So öffneten die von Arnims und die Familie zu Dohna ihre Archive und übergaben der Stiftung für die Zeit der Schau Originale. Darunter die drei Gemälde der Standesherren und ihrer Frauen. Eine davon – Gräfin Sophie von Arnim – hat ihre Lebenserinnerungen für die Familie aufgezeichnet. „Das sind ganz große Quellen“, schätzt Agnete von Specht ein. Unverblümt schaue die Gräfin auf die verschiedenen Zeitepochen, die sie erlebt hat. In zwei Hör-Bild-Stationen wurde diese Niederschrift aufbereitet.

Auch private Leihgeber haben sich mit Fotos oder ihrem Wissen eingebracht. Regina Barufke erwähnt in diesem Zusammenhang den Bad Muskauer Holger Klein, ein Forscher und Kenner der Industriegeschichte seiner Heimat. Besonders erfreut ist die Stiftung auch über Leihgaben aus Polen, die von dem von Arnimschen Mausoleum stammen: So stellt das Nationale Institut für das kulturelle Erbe in Warschau ein Bruchstück des Grabsteins von Wolf Werner von Arnim zur Verfügung und die Katholische Pfarrkirche St. Barbara aus Lek­nica zwei Ecksäulen, die einst den Sarkophag von Gräfin Laura zierten. Geht es nach Cornelia Wenzel, dann sollte das mit der Ausstellungseröffnung kein Ende haben. „Vielleicht regen wir an, in Alben und Fotokisten zu schauen, vielleicht gibt es ja noch Fotos, die für uns von Interesse sein könnten.“

Der Wunsch von Agnete von Specht ist es, die Arbeit in einem Buch münden zu lassen. Ein Wunsch, der durchaus auf fruchtbaren Boden fallen könnte. Doch das ist Zukunftsmusik. Seit Montag wird erst mal gezirkelt, damit alles in die Räume passt. Dabei wächst die Vorfreude mit jedem Tag, sind sich alle drei Ausstellungsmacherinnen einig.

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Die Sonderschau wird Samstag, 9 Juni, um 14.30 Uhr im Festsaal eröffnet (für geladene Gäste). Ab Sonntag ist sie täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Sie wird bis zum 9. September gezeigt.

Noch ist ein Teil der Ausstellungsstücke verpackt, die als Leihgaben nach Bad Muskau kommen. Die zwei Säulen im Vordergrund stammen vom Sarkophag von Gräfin Laura, der einst im Mausoleum (heute polnische Parkseite) stand.
Noch ist ein Teil der Ausstellungsstücke verpackt, die als Leihgaben nach Bad Muskau kommen. Die zwei Säulen im Vordergrund stammen vom Sarkophag von Gräfin Laura, der einst im Mausoleum (heute polnische Parkseite) stand. FOTO: Regina Weiß