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Die Landschaftspfleger sind gefragt

Daniel Bartoschek faltet Kartons für die Firma Willms.
Daniel Bartoschek faltet Kartons für die Firma Willms. FOTO: ni
Weißwasser. Bei den Niederschlesischen Werkstätten läuft nicht nur die Produktion auf vollen Touren. Beschäftigte und Mitarbeiter bringen Grünanlagen in Weißwasser in Schuss. Geschäftsführer Sascha Melcher: "In einer gepflegten Stadt – da fühlt man sich doch wohler." Gabi Nitsche

Neben dem Arbeitstisch von Daniel Bartoschek in der Hauptwerkstatt im Industriegebiet stapeln sich Kartons über Kartons. Der junge Mann faltet einen nach dem anderen. "Alles für die Firma Willms. Es läuft wie ein Länderspiel", ist Werkstätten-Chef Sascha Melcher über die Kooperation mit dem Fleisch- und Wurstproduzenten in der Nachbarschaft dankbar.

Es ist ein Auftrag unter vielen, die 220 behinderten Menschen Beschäftigung garantieren und 50 Mitarbeitern feste Arbeitsplätze. Eine Ausnahme sei die Metallbearbeitung, die werde neu ausgerichtet. "In der Wäscherei denken wir über Schichtbetrieb nach", berichtet Melcher. Diese Dienstleistung sei nach wie vor stark gefragt. Eine Studie soll die personelle Machbarkeit herausfiltern. Der Werkstatt-Ableger an der Industriestraße West bekam ein neues System - "Halle in Halle" beschreibt es Melcher. Nun ist die Holzbearbeitung praktisch Untermieter bei den Landschaftspflegern und Metallbearbeitern. Investiert wurde ebenso in neue IT-Technik, in ein Lasergraviergerät, in den Fuhrpark.

180 000 Euro flossen in bessere soziale Bedingungen und eine optimierte Produktion im Mietobjekt in Bad Muskau. Elektroaltgeräte werden dort aufbereitet, Kleinteile für die Automobilindustrie und Schaltanlagen für das spanische Unternehmen Ormazabal gefertigt. Hinzu kommt die kreative Holzbearbeitung, erklärt der Chef. Für die Deko-Gegenstände würden die Beschäftigten oft Lob ernten.

Eine Erfolgsgeschichte schreibe die Landschaftspflege. "Diesen Bereich haben wir ausgebaut und personell aufgestockt", berichtet Sascha Melcher. In den vergangenen Wochen brachten die Beschäftigten das Areal an der früheren Ingenieurschule in Weißwasser auf Vordermann. Der frühere Besitzer hatte alles zuwachsen lassen. Melcher freut es, dass die gute Arbeit der Werkstatt-Leute wahrgenommen werde. So habe er dieser Tage mit Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) vereinbart, die Kooperation auszubauen. "Wir richten mitten in der Stadt eine Rabatte her und pflegen sie in den nächsten fünf Jahren", so Melcher. Das lasse sich erweitern. An den Dienstleistungen der Werkstätten seien weitere Firmen interessiert. "In einer gepflegten Stadt - da fühlt man sich doch wohler", ist Melcher überzeugt. "Wir gehören auch zu den Sozialpaten, die zum Nutzen aller Hand in Hand arbeiten." Nach Ostern geht's dem Kinder- und Jugenderholungszentrum (Kiez)am Braunsteich an die Grünflächen.

Ein anderes Thema, das Sascha Melcher umtreibt, sei der Streit mit dem Kostenträger, dem Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV). "Wir wollen in ein Tarifwerk eintreten, damit unser Personal gleich gestellt ist. Denn jetzt bezahlen wir unterschiedlich nach Haustarif oder Bestandsverträgen." Dazu müsste der KSV aber tief in die Tasche greifen. Das wolle dieser laut Melcher nicht. Der Streit landete vor der Schiedsstelle und brachte einen Teilerfolg. Die tarifliche Bezahlung gelte nun als wirtschaftlich. Das habe der Kostenträger bis dato abgelehnt. Melcher will, dass die Arbeitsvertragsbedingungen vom Paritätischen Gesamtverband Deutschlands auch für die Werkstätten gelten. "Wir wollen, dass gute Arbeit gut bezahlt wird und uns nicht weiter abhängen lassen." Zehn Jahre sei auf der Strecke nichts passiert. Es sei dringend an der Zeit.

Die Niederschlesischen Werkstätten Weißwasser sind eine gemeinnützige GmbH. Der Lebenshilfe-Verein Weißwasser ist einziger Gesellschafter.