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| 02:40 Uhr

Die Kreisel-Gruppe setzt verstärkt weltweit auf Aufträge

Wolfram Kreisel (r.) leitet die Geschicke des Unternehmens seit 2013. Bruder Rüdiger (l.) verstärkt jetzt neu die Geschäftsführung.
Wolfram Kreisel (r.) leitet die Geschicke des Unternehmens seit 2013. Bruder Rüdiger (l.) verstärkt jetzt neu die Geschäftsführung. FOTO: ni
Krauschwitz. Die Kreisel-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Krauschwitz ist 2016 mit neuem Schwung gestartet. Der international agierende Spezialist für Schüttguttechnik plant 20 Millionen Euro Umsatz. Neben "Kapitän" Wolfram Kreisel ist neu dessen weltmarkterfahrener Bruder Rüdiger mit an Deck. Gabi Nitsche

Hinter Kreisel-Chef Wolfram Kreisel (41) liegt ein Jahr, das es insich hatte. Im September 2013 hatte der Krauschwitzer das Ruder des traditionsreichen Familienunternehmens übernommen. "Volle Kraft voraus!" hieß es für ihn. Genau so, kannten ihn die Mitarbeiter als jahrelangen Vertriebschef. Sein Kalender vollgepackt mit Verpflichtungen wie zum Beispiel Vertragsverhandlungen und Messen weltweit. Auch so einige Arbeitstage bis zu 16 Stunden inklusive, gibt er zu. Zu Beginn des vergangenen Jahres haute es ihn dann aus der Bahn. "Anfangs wusste ich gar nicht, woher der Schuss kam." Wolfram Kreisel wollte es auch nicht wahrhaben. Er doch nicht . . . Doch die Signale der Überarbeitung waren eindeutig. Burn out.

Zurück am Kreisel-Deck

Inzwischen ist der "Kapitän" wieder an Bord. "Mit einem besseren Blick auf meine Leute und mich, was die Balance von Job und Privatleben angeht", sagt er. Doch das musste der Krauschwitzer lernen. Er sei jetzt viel gelassener. "Wenn es heißt, eine Krise als Chance zu sehen, dann trifft das zu." Nicht zuletzt ist es gerade seine Familie, die ihn dabei unterstützte und unterstützt. Vor allem seine Frau und die Jungs würden ihm viel Freude bereiten. "Der Jüngste ist im August geboren", so der dreifache Papa.

Die globalen Rahmenbedingungen, die Energiepolitik der Bundesregierung hatten das Jahr 2015 sowieso schon zu einem schwierigen Jahr werden lassen, was die Entwicklung der Kreisel-Unternehmensgruppe mit insgesamt 170 Mitarbeitern, davon 130 in Krauschwitz, angeht. "Der Mannschaft ist es gelungen, das Schiff trotz Gegenwind auf Kurs zu halten", ist Wolfram Kreisel dankbar.

Neu mit an Deck, und das zur großen Freude von Wolfram Kreisel, ist seit Jahresbeginn dessen älterer Bruder Rüdiger. "Der Große möchte dem Familienunternehmen helfen, etwas zurückgeben." Für Firmenchef Wolfram Kreisel sei das ein glücklicher Umstand und fühle sich verdammt gut an, sagt er. Er, "der Kleene", behalte als Käpt'n das Schiffsruder in der Hand und konzentriere sich auf die Firma Kreisel am Stammsitz in Krauschwitz. "Rüdiger übernimmt die Leitung von Kreisel Engineering in Hamburg und verantwortet von Berlin aus als Leiter Unternehmensentwicklung die standortübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Firmengruppe." Der "Große" ist Diplomingenieur und weltmarkterfahren. "Er hat jahrelang im Ausland gearbeitet, war in Sidney und Bangkog. Jetzt ist er von Zürich zurückgekommen, wo er für den ABB Konzern als Global Product Manager tätig war." Von seinen langjährig gesammelten Kenntnissen in den Bereichen Vertrieb und Produktmanagement profitiere nun die Kreisel-Unternehmensgruppe.

Gemeinsam und mit neuem Schwung geht's nun zur Sache. "Wir haben einen guten Start hingelegt, der hoffnungsvoll stimmt", so Kreisel. Ziel sei ein Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Dazu sollen die Einnahmen erhöht, an Ausgaben möglichst gespart werden.

Kreisels suchen Alternativen

"Was den Markt in Russland und in der Ukraine angeht, so hat sich dieser auch bei uns rückläufig entwickelt. Aber wir haben uns diesem Schicksal nicht tatenlos ergeben, sondern suchen nach Alternativen und greifen auf anderen Märkten international an", berichtet Wolfram Kreisel. Er betont: "Das sind keine Visionen von uns, sondern wir können auf Erfolge verweisen." Es geht um Aufträge aus Länder mit Bodenschätzen, in denen Anlagen für Schüttguttechnik benötigt werden. "Wir konzentrieren uns auf Förderanlagen und hochwertige Komponenten dafür."

Polen bleibe weiterhin Hauptexportmarkt, so Kreisel. Seit Juli letzten Jahres hat die Firmengruppe in Poznan (Posen) ein Vertriebsbüro. Insgesamt ist Kreisel weltweit zehnmal vor Ort vertreten. Neu in der Türkei und in Südafrika. Die ersten größeren Aufträge seien dort schon geordert worden. Hinzu kommen Vertriebsbüros in Deutschland. Eins davon leitet mit Gerald Kreisel der dritte der Kreisel-Brüder.

Der langjährige Hauptkunde des Krauschwitzer Unternehmens hat seinen Sitz in Düsseldorf und baut Zementmühlen - inklusive der Krauschwitzer Technikanlagen - zum Beispiel für Vietnam, Indien und dem Zukunftsmarkt Afrika, so Wolfram Kreisel. Aktuell wird in der Krauschwitzer Werkstatt gerade eine Zellenradschleuse für einen Kunden in Abu Dhabi gefertigt. Liefertermin ist Anfang April. "Eine größere Entstaubungsanlage bauen wir für das Chemiewerk Leuna, fertigen Ersatzteile für Anlagen in Zuckerfabriken in verschiedenen Ländern", nennt Firmen-Boss Kreisel Beispiele für das internationale Agieren. Für einen Auftraggeber in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein wurde 2015 eine größere Anlage gefertigt.

Zu den Kunden zählen ebenso das Stahlwerk Eisenhüttenstadt, AC Peitz, Stölzle Weißwasser, Rocal Boxberg und auch noch Vattenfall. "Aber für Vattenfall ist es bedeutend weniger geworden. Wer auszieht, renoviert eben nicht mehr", zieht der Krauschwitzer einen verständlichen Vergleich. Dem Kreisel-Team gehe es insgesamt gesehen darum, den Spagat hinzubekommen zwischen lokalen Partnern, Stammkunden und dem Auslandsmarkt.

In IT-Technik investiert

Mehr Effizienz in der Unternehmensgruppe soll mit einem neuen übergreifenden PC-Programm erreicht werden, für das rund 300 000 Euro in die Hand genommen wurden. In die Entwicklung sei viel Kraft und Zeit geflossen. "Ob in Hamburg, in Thierhaupten bei Augsburg oder in Krauschwitz - jeder arbeitet damit. Es bildet sozusagen alle Abteilungen elektronisch ab", erklärt der Chef die Vorzüge.